Geschichtenwettbewerb Beitrag 6: Die Freuden des Sports

Mit einer Mischung aus Stolz einerseits und Ratlosigkeit andrerseits betrachtete Mirabella zum wiederholten Mal das Stück Plastik in ihrer Hand. Laut Barrys Wertvorstellung bescheinigte es ihr, dass sie verantwortungsbewusst genug war für die große weite Welt. Naja zumindest für eine Jahresmitgliedschaft im Gym um die Ecke. Vergangene Woche hatte er sie ihr zum 15. Geburtstag geschenkt und die Übergabe so feierlich gestaltet, als wäre es eine der heißbegehrten und für sie leider unerreichbaren Eintrittskarten für das Taylor Swift Konzert im Sommer gewesen. Dabei musste sie zugeben, dass sie sich dann doch ein bisschen geschmeichelt gefühlt hatte. Alle andren hatten sie schon längst, sogar Sofia war anlässlich ihres 16.Geburtstags mit einer ausgestattet worden. Im Gegensatz zu Chris und Louise besuchte sie das Gym aber hauptsächlich der dort trainierenden Jungs wegen und weil es ihr eine gute Gelegenheit bot, sich in ihrem extra dafür gekauften, eher knappen Outfit zu zeigen, das Mamá natürlich noch nie gesehen hatte, wobei es auch bleiben sollte.

Tatsächlich war das Kleidungsproblem auch ein Grund für Mirabellas Zögern, auf keinen Fall wollte sie das Schulsportgewand anziehen, dafür empfand sie sich jetzt einfach als zu erwachsen, alle anderen Sachen waren aber gerade in der Wäsche.

„Ob sie…“ sie überlegte kurz…“wenn sie es nicht zu sehr verschwitzen würde und rechtzeitig wieder daheim sein, könnte sie sich ja aus Sofias Sportlade etwas ausborgen“, die war gut gefüllt, das wusste sie. Un-schlüssig ging sie in ihrem Zimmer auf und ab, Barry hatte schon ein paar Mal nachgefragt, ob sie denn schon trainieren gewesen war, also einfach warten, bis sie etwas passendes besorgt hatte, oder die Sachen aus der Wäsche sauber, nein, das würde zu lange dauern. Also doch…sie gab sich einen Ruck, schlich leise in Sofias Zimmer, griff blind in die Schublade angelte sich ein Oberteil und eine Hose heraus und war auch schon wieder draußen. Mit klopfendem Herzen stopfte sie es zusätzlich zum Handtuch, den Sportschuhen und ihrer Trinkflasche in den Rucksack und machte sich auf den Weg.

Dank ihrer Karte kam sie problemlos hinein, allerdings aber doch aufmerksam beäugt vom geschäftigen Mitarbeiter am Empfang, der wohl angesichts ihrer zarten Figur nicht ganz davon überzeugt war, dass sie auch das Mindestalter von 15 Jahren hatte.

Gotteidank waren die Umkleiden direkt beim Eingang, sodass Mirabella nicht erst lang suchen musste. Sie wählte ein Kästchen ganz hinten in der letzten Ecke aus, wo sie vor eventuellen neugierigen Blicken weitgehend geschützt war. Schon beim Hineinschlüpfen in die Leggings hatte sie so ein komisches Gefühl, irgendetwas stimmte mit der Mittelnaht hinten nicht, die zwängte sich unangenehm zwischen ihre Pobacken und auch das Shirt erwies sich als Top, dass ihr nicht einmal bis zum Nabel reichte. „Oh mein Gott!“, durchfuhr es sie, als ihr aus dem Spiegel eine jüngere Ausgabe von Sofia entgegensah. Einerseits brachte dieses Outfit sämtliche ihrer Rundungen auf das Beste zur Geltung, andrerseits fühlte sie sich halbnackt und der Gedanke daran, was wohl Mamá von ihrem Anblick halten würde, half ihr auch nicht weiter.

Mit einem tiefen Seufzer ließ sie sich auf die Bank fallen, was sollte sie jetzt bloß tun.

Auf Barrys Frage nur sagen, dass sie dagewesen wäre, was ja auch der Wahrheit entspräche, oder alles erzählen, was aber wieder ein schlechtes Licht auf Sofias Kleidungsgewohnheiten werfen würde und außerdem noch ihr ungefragtes Ausborgen ans Licht bringen oder einfach hoffen, dass um diese Zeit, zwischen Nachmittag und Abend, nicht so viele Leute da wären. Sie könnte sich ja  alles nur einmal anschauen und vielleicht ein bisschen auf den Crosstrainer gehen, den kannte sie aus der Schule.

Neugierig war sie ja schon… beim Reinkommen war ihr gleich ein Junge aufgefallen, nicht viel älter als sie, der mit seinen Freunden am Gewichte Stemmen war, der hätte ihr schon gefallen. Alleine der Gedanke ließ sie erröten…schließlich siegte die Neugier, sie drapierte das Handtuch so über ihrer Schulter, dass sowohl ihr Po, als auch ihr Bauch halbwegs bedeckt waren und begab sich auf Erkundungstour.

Das Fitnesscenter war sehr groß und in verschiedene Bereiche aufgeteilt, überall trainierten Menschen unterschiedlichsten Alters und nachdem sie niemand besonders beachtete, beschloss sie gleich mit dem Crosstrainer anzufangen.

Voll Freude stellte sie fest, dass das Gerät genau so funktionierte wie das in der Schule und Minuten später standen schon die ersten Schweißperlen auf ihrer Stirn. Während sie sich bewegte, ließ sie ihren Blick durch den Fitnessbereich schweifen. Da gab‘s schon einiges, das sie gerne ausprobiert hätte und nachdem sie fast eine halbe Stunde verschiedenen Personen zugeschaut hatte, war sie überzeugt, es jetzt auch zu können.

Zuerst legte sie sich über den Rückentrainer, fixierte sich mit den Füßen und begann ihren Oberkörper hinunter und wieder hinauf zu bewegen. Das klappte einwandfrei und so absolviert sie drei Sätze , so wie sie es beobachtet hatte.

Dabei war sie so beschäftigt, dass ihr garnicht auffiel, wie  drei junge Burschen ihr Training unterbrachen und verstohlen auf ihren Po starrten. Erst bei den letzten Wiederholungen bemerkte sie sie, als sie ihr Bild im Spiegel sah. Sofort schoss ihr wieder die Röte in die Wangen und sie beeilte sich fertig zu werden. Gerade wollte sie sich zum nächsten Gerät aufmachen, da sprach sie genau der eine von ihnen an, der, den sie schon beim Reinkommen bemerkt hatte, mit den braunen Locken und dem süßen schiefen Grinsen:“Hey wir haben dich hier noch nie gesehen, bist du neu? Obwohl…du erinnerst mich ein bisschen an ein älteres Mädchen, wie war noch ihr Name?“

„Sofia?“, stellte Mirabella mehr fest, als zu fragen. „Jaa, sehr richtig!“, freute sich der Junge, „Kennst du sie?“

„Sie ist meine Schwester!“, antwortete Mirabella und richtete verlegen das Handtuch. „Ahhh, ja, das macht Sinn!“, meinte der zweite und zwinkerte ihr zu, „Sie nimmt‘s aber nicht so ernst mit dem Sport, wie ist das denn bei dir?“

„Wir könnten dir ein bisschen helfen, wenn du magst?“, schlug jetzt der dritte im Bunde vor, „Wir sind übrigens Luca, Tom und ich heiße Mateo.“

Mirabellas Gesicht glühte mittlerweile schon und in ihr herrschte ein wilder Kampf zwischen dem Impuls einfach wegzulaufen und andrerseits einem ganz neuen Gefühl. Es gefiel ihr, dass die drei ihre Blicke kaum von ihr lassen konnten und sie hatte irgendwie Lust ein bisschen mit ihnen zu spielen.

„Na gut!“, meinte sie bemüht lässig.

Nicht ganz uneigennützig zeigten ihr die Burschen nun nacheinander lauter Übungen, die ihre Bäckchen prächtig zur Schau stellten. Mirabella hatte das sehr bald erkannt und tat ihr Übriges dazu. Natürlich setzte sie sich bei weitem nicht so in Szene wie sie das bei Sofia oft beobachtet hatte, aber der wiegende Hüftschwung beim Gehen war ihr von Natur aus gegeben und es war absolut unübersehbar, dass sie damit die Aufmerksamkeit, nicht nur der drei Burschen, auf sich zog. Diese Leggings brachten ihren Po aber auch wirklich in all seiner Schönheit zur Geltung, das hatte ihr auch ein kurzer Blick über die Schulter im Spiegel bestätigt.

Sie war gerade mit einem Satz tiefer Kniebeugen beschäftigt, als sie eine nur zu bekannte Stimme hörte:“Schau dir nur dieses junge Ding an, Madre de Dios, diese Leggings verbergen garnichts und dazu noch dieses Top!“

Sie erstarrte in der Bewegung, vorsichtig sah sie sich um.

„Was ist los, kannst du nicht mehr, die paar schaffst du sicher noch!“, spornte Luca sie an und sah sie aufmunternd an. „Sschscht!“, zischte Mirabella aufgebracht in seine Richtung, aber es war schon zu spät.

„Dios mio! Mirabella! Barry, das ist Mirabella!“, rief Maria aus und Mirabella war sicher, dass absolut jeder sie gehört hatte. „Wie siehst du nur aus und wer sind diese drei Jungs? Mirabella, wie kannst du mir das nur antun?“, mit anklagendem Blick und Barry im Schlepptau baute sich ihre Mutter vor ihr auf. Barry nahm Maria auf der einen Seite und die verzweifelt dreinschauenden Mirabella auf der andren um die Schultern und bugsierte sie, beruhigend auf sie einredend, zur Rezeption. „Mike, können wir kurz in dein Büro?“, fragte er den Chef, mit dem ihn schon eine lange Freundschaft verband, „Wir müssen dringend etwas besprechen.“ „Kein Problem, ich bin da heute schon fertig, lasst euch ruhig Zeit!“, gab dieser umgehend sein Okay.

Ein wenig abgelegen im unteren Stockwerk führte Barry sie zu einem geräumigen Zimmer, das neben einem Schreibtisch mit Sesseln auch mit einer gemütliche Sitzgarnitur aufwartete.

Erbost baute sich Maria vor ihrer Tochter auf:“ Mirabella!“ begann sie.  „Ich red‘ noch ein paar Takte mit den Jungs!“, warf Barry schnell ein, bevor er Richtung Halle verschwand.

„Du siehst aus wie ein Flittchen und du benimmst dich auch so, ich hab es ganz genau gesehen, komplett schamlos, aber dir werd ich helfen, das machst du nicht noch einmal!“, legte Maria nun mit vor Ärger blitzenden Augen los. Mirabella mit sich ziehend, ließ sie sich auf den Sessel fallen und plazierte die unablässig Protestierende über ihrem Knie. „Aber Mamá, das war doch garnicht so, die Jungs haben mir nur geholfen!“, versuchte sie ihre Mutter zu beschwichtigen, da landete mit einem satten „Patsch“ der erste Schlag auf ihrer Kehrseite. „¡cállate! Ich will nichts von dir hören!“, schimpfte sie und setzte ihr Werk mit erstaunlicher Kraft fort. Eine Zeit lang war nichts zu hören außer dem stetigen Patschen von Marias Hand auf die prallen Bäckchen der unglücklichen Mirabella. Eigentlich hatte die sich fest vorgenommen, keinen Laut von sich zu geben, aber mit wachsender Intensität gab sie doch das eine oder andere “Au, au Mamá, nicht so fest, ich hab doch garnichts so Schlimmes angestellt! Auuuu!“ von sich.

„Ahh, du verstehst garnichts, ich bin offensichtlich noch viel zu lieb! Los auf mit dir und runter mit der Hose!“, forderte Maria energisch.

Während Mirabella widerstrebend und „Aber Mamá, es reicht schon, ehrlich!“ wiederholend dem Befehl nachkam, blickte sich Maria suchend nach einem Meinungsverstärker um. Voll Freude schnappte sie sich ein sehr solide aussehendes Holzlineal vom Schreibtisch, das würde ihr gute Dienste leisten!

Schnell hatte sie Mirabella wieder in der kopfunter Position über ihrem Knie liegen, diesmal allerdings mit einem Bein fixiert.

„Mirabella ich liebe dich und ich will nicht, dass du dich wie ein billiges Flittchen anziehst und jetzt schon mit Jungs so rummachst! Wenn du das nicht einsehen willst, muss ich zu andren Mitteln greifen!“, erklärte sie entschlossen, strich bedächtig noch einmal über die bereits mit einem schönen Rotton überzogenen Bäckchen ihrer Tochter, bevor sie das Lineal sprechen ließ. Sofort kam Bewegung in die kleine Übeltäterin. „Au au aii, Mamá nicht, das tut weh bitte!“, war von unten herauf zu hören und mit fortschreitender Behandlung schließlich auch „Ich mach‘s nicht mehr, ehrlich, wirklich, bitte Mamá!“

Maria gab ihr noch ein paar ordentliche Hiebe als Reminder, dann ließ sie es gut sein.

Sowie sie ihren Griff lockerte, sprang Mirabella auf und rieb sich wie wild ihren geschundenen Po.

Sie konnte garnicht verstehen, wie Sofia das aushielt, sie würde auf jeden Fall nie wieder etwas ausfressen, das sie noch einmal in diese Lage brächte, das schwor sie sich!

Erleichtert dass alles vorbei war, ließ sie sich von ihrer Mutter in den Arm nehmen.

Ein Kommentar zu „Geschichtenwettbewerb Beitrag 6: Die Freuden des Sports

  1. Die Prämisse der Geschichte mit dem Fitnessstudio fand ich echt super! Auch den Zwiespalt, den Mirabella empfunden hat, wie sie mit der Situation umgehen soll.

    Das Einbauen von spanischen Begriffen bei Maria war ein schönes Detail 😁

    Ein schöner Beitrag zum Wettbewerb!

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