2. Eine folgenschwere Verwechslung (Pirate Booty)

a/n: Hallo liebe Leser,

danke erst einmal für euer überwältigendes Feedback auf das erste Kapitel. Ich bin wirklich SO gespannt, wie es euch weiterhin gefallen wird. Und kleine Anmerkung, nicht alle Kapitel werden so kurz sein wie die ersten beiden (wenn sie auch alle nicht so umfangreich sind wie z.B. die von Truckstop). Viel Spaß!

Der Alte, den sie als den Belästiger von zuvor wiedererkannte, trat ebenfalls in ihr Blickfeld. “Wieso denn? Stimmt was nicht, Teddy?!” 

“Du sollst mich so nicht nennen! Und bist du vollkommen bescheuert?! Wie zum Teufel kommst du bloß drauf, dass DAS die Prinzessin ist?” 

“Weiß nicht, was du meinst”, erklärte der Alte schulterzuckend. Auch, als der Kapitän direkt in Lucys Gesicht leuchtete. “Du weißt doch, mein Auge… ich seh nicht mehr so gut.” 

“Nicht mehr so gut ist ja wohl ne ziemliche Untertreibung!” 

Lucy betrachtete das ganze Spektakel erst einmal mit Neugier und durch die besseren Lichtverhältnisse nun auch den Kapitän. Er war wirklich jung. Vielleicht sogar jünger als sie. Sein rotes Haar stand wild von seinem Kopf ab und weil er sich aufregte, war auch sein Gesicht rot geworden. Da er kaum größer war als der Alte, würde er wohl auch nicht sehr viel größer sein als sie selbst. Alles in allem nicht gerade das, was man sich unter einem furchteinflößenden, menschenentführenden Piratenkapitän vorstellte.

Gelungen war es ihm dennoch. Besser gesagt, seinem in die Jahre gekommenen Handlanger. Auch wenn sie gerade erfuhr, dass der ziemliche Scheiße gebaut zu haben schien. Edward der Blutige – Auch wenn der eben von ihm abgelehnte Spitzname Teddy irgendwie besser zu seinem Äußeren passte- schien das ähnlich zu sehen. 

“Joe, das ist Scheiße! Das ist riesige, gequirlte Scheiße! Und wir stecken sowieso bis zum Hals drin! Wenn die Mannschaft hiervon erfährt, ist’s endgültig aus mit mir. Das wär’ meine eine Chance gewesen, mich zu beweisen!” 

“Ich war mir wirklich sicher, dass… Bist du sicher? Ich finde, sie sieht schon sehr aus wie die Prinzessin.”

“Boah, halt die Fresse jetzt! Im Gegensatz zu dir hab ich Augen im Kopf. Die ist doch nicht mal Spanierin! Sieh’s ein, du hast nicht die Prinzessin entführt, sondern irgendne abgehalfterte Nutte.”

“Hey!”, protestierte nun aber Lucy. “Kein Grund, persönlich zu werden.” 

Er drehte sich nun wieder zu ihr um. 

“Was willst du denn? Geh mir jetzt nicht auch noch auf die Nerven.” 

“So redet man aber nicht mit einer Dame. Wir kennen uns immerhin nicht.” 

“Ach so, bist du eine von diesen Dirnen, die als “Lady” angesprochen werden will? Dann bitte ich wirklich vielmals um Entschuldigung.” 

“Ich weiß zwar nicht, warum du auf einen anständigen Beruf wie den einer Hure so herabschaust, immerhin halten die euch nach Wochen auf See bei Laune, sodass ihr eher die Finger von Frauen, die keine Lust auf euch haben, lasst… aber ich bin keine von ihnen”, stellte Lucy klar. Die Seile begannen an ihren Handgelenken zu jucken. Leider saßen sie absolut fest. Wenn dieser Joe nicht viel konnte, Knoten machen gehörte wohl zu seinen Stärken. 

“Ich sag’s dir, wie es ist. Spätestens wenn meine Mannschaft dich in die Finger bekommt, wirst du dich fühlen wie eine.” Er dachte kurz nach. “Ja, das ist wohl das Letzte, was mir noch bleibt”, meinte er zu Joe. “Müssen wir es ihnen eben so verkaufen, als hätten wir ihnen zum Vergnügen ein Mädchen geangelt. Das hält sie vielleicht wenigstens n paar Tage bei Laune.” Er seufzte. “Verschwinden wir. Ich glaub ich brauch jetzt nen Schluck.” 

Das war’s? Mit diesem Schicksal war sie aber ganz und gar nicht einverstanden! Sie musste sich dringend was einfallen lassen. “Hey, Moment mal!”, rief sie aus, als er ihr schon den Rücken zugedreht hatte. Er ignorierte sie. Mist. Sie wusste noch nicht, auf welche Masche er am besten anspringen würde. Also griff sie auf den Klassiker zurück. 

“Du bist aber kein ehrbarer Kapitän, eine wehrlose Dame einfach so hier zurückzulassen… ohne einen Schluck Wasser.” 

“Joe, stell ihr Wasser hin”, wies Edward daher an. 

“Und ohne sich vernünftig vorzustellen!” 

Er drehte sich wieder um, machte ein paar Schritte auf sie zu.

“Hör mal, ich habe gerade andere Probleme am Hals!” 

“Schön, dass du es dir anders überlegt hast”, erwiderte sie und brachte ihn damit ein wenig aus dem Konzept. Sie lächelte ihr niedlichestes Lächeln. “Hi. ich bin Lucy.” 

“Naja. Ich bin Edward”, stammelte er ein wenig. Hatte sie es sich gedacht. Er wirkte auf sie wie ein Kerl, der nicht viel mit Frauen am Hut hatte. Er wollte wohl vor allem weg von ihr, weil sie ihn unsicher machte. Das musste sie versuchen zu ändern, wenn sie hier auf einen grünen Zweig kommen wollte. 

“Und wie nennt dich deine Crew?”

“Ted”, erklärte er einsilbig. “Hör mal. So hatte das hier nicht laufen sollen. Hast du ja wohl selbst gehört.” Er winkte Joe, er solle ruhig gehen, doch der kniff die Augen zusammen und kam wieder näher. 

“Hast du mich rangewunken, Chef?”

“Nein… weg von mir… geh schon!”, knurrte Ted. 

“Ist gut.” Der Alte verschwand. Sie waren jetzt allein. Das war schon mal gut. Er schien zwar sehr vertraut mit seinem Handlanger, aber ohne ihn könnten sie ungestörter reden. Lucy hing jetzt hier fest, doch sie hatte die Absicht, das Beste daraus zu machen. Und das war bestimmt nicht, ein Stück Fleisch für einen Haufen Piraten zu werden. 

“Du bist noch nicht lange Kapitän, oder?” Das konnte sie allein an seinem Alter ausmachen. 

“Geht dich überhaupt nichts an!” Er kniete sich vor sie. “Hör mal, du bist ziemlich neugierig.” 

“Ich will einfach wissen, wer hier gerade mein Leben in der Hand hat.” 

Er hielt inne, gerade so, als hätte er darüber bisher nicht mal nachgedacht. 

“Ich töte keine Mädchen”, erklärte er. 

“Beruhigend”, erwiderte sie und lächelte nun wieder betont. “Wenn du ein Mann von Ehre bist, wirst du doch auch sicher nicht zulassen, dass eine Jungfrau in Nöten derart beschmutzt wird… und das alles nur wegen eines dummen Missverständnisses.” 

“Du hast ja keine Ahnung. Ich hab keine Wahl.”

Dass er das alles direkt so ausplauderte, war ein Zeichen, dass er wen zum Reden brauchte. Kein Wunder, wenn sein bester Mann dieser einäugige Tattergreis war, der eine Ratte nicht von einer Taube unterscheiden konnte.

Sie legte den Kopf ein wenig schief. “Und warum nicht? Hm… kann es sein, dass sie dich noch nicht respektieren, wie sie sollten? Nur weil du jung bist?” 

Er murrte. “So jung nun auch wieder nicht. 25 immerhin.” 

“Ah, wir sind etwa gleich alt”, erklärte Lucy, um das Gespräch möglichst am Laufen zu halten und vertraulich werden zu lassen. Genau genommen war sie zwei Jahre älter, aber wenn er sowieso schon so empfindlich mit seinem Alter war, wollte er ausgerechnet das bestimmt nicht hören. 

“Soll ich dir was sagen? Dein Joe hat gar nicht so nen üblen Fang gemacht.” 

“Ach ja?”, brummte Ted und musterte sie dabei eingehend. Sie bemerkte, wie sein Blick an ihren Brüsten festhing und er leicht errötete. Das war ja fast schon süß. 

“Ich arbeite in einer Bar”, erklärte sie und wartete dann erst einmal seine Reaktion ab. Er zuckte mit den Schultern. “Und weiter?”

“Hey, ich bin Profi im Drinks ausgeben und Longdrinks mixen. Ich hab ne Menge witziger Geschichten auf Lager und Kurven an den richtigen Stellen, bin also auch noch nett fürs Auge.”

“Sehr bescheiden”, kommentierte er trocken. “Ich dachte, du bist so jungfräulich.” 

“Es ist doch viel reizvoller, eine Dame nur anzuschauen, statt gleich an ihr rumzutatschen.” 

“Das stimmt vielleicht so lange, bis man dann ein paar Tage auf See ist. Dann ist es, als würde ich ihnen ein saftiges Steak vor die Nase halten und sagen, sie dürften aber keinen Bissen davon nehmen.” 

“Ich werde jeden Tag mit solchen Kerlen fertig. Vertrau mir.” 

Er hielt inne. “Weißt du was? Die ganze Geschichte mit dir tut mir irgendwie leid.”

Sie lächelte. “Ist schon okay.” 

“Das Beste, was dir passieren kann, ist, dass keiner dich findet. Ich kann’s nicht garantieren, aber zumindest versuchen.”

Lucy verzog das Gesicht. Der Gedanke, weiter hier gefangen zu sein, war nicht wirklich reizvoll. Dieser Ted traute ihr einfach zu wenig zu. 

“Das wird nicht nötig sein. Wenn ich erst das Vertrauen der Crew habe…”

“Das sind alte Nörgler, Skeptiker und Griesgräme. Die vertrauen nicht mal ihrer linken Hand.” Er schüttelte ein wenig den Kopf. “Du bleibst hier. Ich werd dich verstecken und am nächsten Hafen schleichst du dich vom Schiff, sobald alle Anderen draußen sind. Das ist grade das Beste, was ich für dich tun kann.” Er erhob sich.

“Und wie lange dauert das?”, fragte Lucy nervös. 

“So etwa zwei, drei Wochen. Joe bringt dir gleich Zwieback und was zu trinken. Und nen Nachttopf.”

“Hey! Nein. Das ist eine ganz miese Idee!”

Er musterte sie noch einmal nachdenklich und sie hatte schon die Hoffnung, er wäre zur Vernunft gekommen, da nahm er ein grobes Stück Leinen und warf es über sie.

“So ist’s besser.”

“Das Teil stinkt! Nimm es runter. Überleg dir mein Angebot!” 

“Mach nicht so einen Krach. Du willst doch nicht, dass dich einer findet.” Und mit den Worten ließ er sie allein im Dunkeln zurück.

12 Kommentare zu „2. Eine folgenschwere Verwechslung (Pirate Booty)

  1. Ich liebs SO sehr. Ziemlich schnieke der Typ 😉 Irgendwie süß, witzig und authentisch. Ich glaube ich bin da etwas anders, aber bei Spankingszenen in Filmen habe ich die Typen immer gehasst. Mr Nolan bei Dead Poets Society oder Rachin bei Les Choristes sind jetzt nicht gerade Sympathieträger und ich finde es total schön, dass vermehrt in Spankinggeschichten auch die charakterliche Diversität abgebildet wird. Mir gefällt die vielschichtige Dynamik zwischen den beiden, einerseits ist Ted immerhin Piratenkapitän, andererseits längst nicht so ausgebufft wie Lucy. Und Ted erinnert mich sehr an den einzigen Menschen, mit dem ich Spanking länger ausgelebt habe ohne mit ihm zusammen zu sein 😊

    Gefällt 2 Personen

    1. Das hört man doch gerne! 🙂
      Naja… wer mag die Spanker in Filmen schon. Sind ja meistens die Bösewichte und nicht gerade jemand wie Scar in König der Löwen oder Dustin Hoffman als Hook, für die man insgeheim irgendwie rootet 😀
      Einer meiner Grundgedanken bei dieser Story war, die üblichen Klischees aufzuweichen und einen typischen Charakter darzustellen, wie ich ihn damals in meiner Anime-Zeit immer geliebt habe. Deswegen bin ich selbst auch sehr happy über Ted und sicher, dass es mal was ganz Anderes wird. Wenn es dann für jemand anderen auch noch passt und bestenfalls mit was Gutem verknüpft ist, kann es besser kaum für mich sein. Daher danke ich dir für dein Feedback.

      glg

      Like

      1. Haha true. Meist sind die Klischee-Spanker so uncool, da fehlt nur noch der gehäkelte Klopapierhut 😂 Die Vorstellung ausgeschimpft zu werden, weil man sich amtlich weggedübelt hat ist jetzt nicht so toll. Lässiger wenn man einen Kerl zur Hand hat, der in allen Belangen Gas geben kann, nicht nur auf dem Hintern ☺️ Ich mags einfach wenn jemand ein bisschen selbstironisch rüberkommt und dieses Klischee ein Spanker müsse „streng“ sein geht mir ohnehin ziemlich auf die Eierstöcke 😅 Insofern rennst du da bei mir offene Türen ein

        Like

  2. Wieder eine tolle Geschichte von dir liebes @redbottomgirl ich wünsche dir einen schönen Abend 🌆🌇 noch und morgen einen guten Start in die neue Woche. Und bin auch wieder gespannt 🤩 auf eine neue Geschichte von Truck 🚛 Stop.LG Jörg

    Gefällt 1 Person

  3. Lucy continuing to be a likeable heroine – and a smart one – though I get the feeling there are some unexpected misadventures in her near future.

    It’s sometimes funnier when the smartest character is the one who gets… 🤔😯🤫

    Gefällt 1 Person

  4. Da war meine erste Assoziation („Möchtegern-Piraten“) bei der Lektüre des ersten Teils ja gar nicht so falsch. 🤣 Lucy gefällt mir extrem gut als Charakter. So wie sie mit Ted umspringt, werden die nächsten Teile dieser Reihe bestimmt sehr kurzweilig. Ich bin gespannt…

    Gefällt 1 Person

    1. Nein, wirklich nicht! 😀 Ach das freut mich, denn Lucy ist wirklich ein sehr spezieller Charakter. Ich glaube, mit ihr wird es niemals langweilig, das hoffe ich zumindest. Danke dir für das Feedback.

      Like

Hinterlasse eine Antwort zu redbottomedgirl Antwort abbrechen