21. Nachspiel (Pirate Booty)

a/n: Nachschub war hier mal wieder überfällig. Daher viel Spaß mit dem neuen Kapitel! Hab auch dringend Lust, hier mal wieder weiterzuschreiben, auch wenn es noch ein paar Kapitel auf Vorrat gibt

“Ted! Ted!” Lucy hämmerte an seine Tür. “Jetzt schmoll nicht und mach mir schon auf!” 

Es war inzwischen mitten in der Nacht, er war in seine Kajüte gegangen und hatte eigentlich für heute genug von Drama. Aber wenn sie hier das ganze Schiff zusammenbrüllte, würde er dem auch nicht entkommen. 

Also öffnete er die Tür. “Ich schmoll nicht, ich versuch zu schlafen. Veranstalte hier nicht mitten in der Nacht so nen verdammten Krach!” 

“Ich versuch ja nur, ins Bett zu gehen”, erklärte sie. “Lässt du mich rein?”

“Warum pennst du nicht bei dem schockverliebten Lackaffen? Den hast du jetzt sowieso für den Rest deiner Tage am Arsch kleben.” 

“Eben deswegen, Ted… und weil ich nicht mit dir zerstritten schlafen gehen wollte”, fügte sie schnell hinzu. 

“Kann ich aber nicht garantieren”, murrte er, machte aber trotzdem Platz, sodass sie hineingehen konnte. 

“Ich versteh schon, wenn du jetzt sauer bist…”, setzte Lucy an. 

“Ich kapier dich nicht, Lucy! Du hast mir immerhin gesagt, dass du nichts mit ihm anfangen willst, weil es nur alles unnötig kompliziert machen würde. Heute Nacht war das aber egal, weil du scharf warst oder was?” 

Er schaute sie missbilligend an. Eine Frau wie sie war ihm auch noch nicht untergekommen. Na klar, Huren kannte er. Aber die machten es für Geld. Und dann gab es abgesehen von denen natürlich auch Frauen, die auch mit jedem Dahergelaufenen ins Bett sprangen. Aber die taten meistens, als seien sie tugendhaft. Lucy hatte wohl wenig Ambitionen, sich in der Hinsicht zu verstellen. 

“Wir hätten ja auch einfach Spaß haben können, Ted… aber du bist immer so stur. Eigentlich ist es streng genommen auch ein bisschen deine Schuld.” 

Er spürte, wie sein Blut in Wallung geriet. “Boah ich beförder dich gleich mit nem Arschtritt wieder hier raus! Es geht nicht um mich, es geht drum, dass du ihm falsche Hoffnungen machst.” 

“Ist ja gut, ich meine, du hast nen Punkt…”, räumte Lucy ein, während sie hinter den Paravent huschte. “Es könnte schon sein, dass Davenport sich jetzt mehr erhofft… ich werd’s ihm schonend beibringen.” 

“Er ist einer der wenigen mit Hirn hier an Bord, der die Sachen zumindest noch halbwegs im Griff hat und mich obendrein als Kapitän für voll nimmt! Ich brauche ihn und kann echt nicht gebrauchen, dass er vor Liebeskummer nichts mehr geschissen kriegt. Das hätte gar nicht erst passieren sollen. Was hast du dir nur gedacht?” 

“Keine Sorge.” Lucy warf die Kleidung über die Abtrennung. “Ich werd einfach weiter Sex mit ihm haben. Dann halte ich ihn zumindest bei Laune.” 

“Du willst WAS?” 

“Brüll hier nicht so rum, es ist spät.” Lucy kam nun wieder hervor, sie trug eines seiner Hemden und ihre lange Unterhose. Immerhin nicht dieses aufreizende Stück Stoff, das sich Unterkleid schimpfte. “Es hat sich herausgestellt, er ist ziemlich gut in Bett. Das lässt sich schon aushalten.” 

Das nagte mehr an ihm, als er zugeben wollte. Aber das war jetzt gerade auch nicht der Punkt. “Hast du mir überhaupt zugehört?”, fuhr er sie an. “Er ist verknallt in dich! Damit machst du es doch nur schlimmer.” 

“Was denn jetzt? Soll ich ihn jetzt bei Laune halten oder ihm das Herz brechen? Du wolltest doch nen zuverlässigen Maat. Ich such nur nach ner Lösung.” 

“Wow… du bist echt abgebrüht”, stellte er fest. 

“Ein bisschen”, räumte sie ein. “Aber mein Ziel Nummer eins ist eben, aus dir einen erstklassigen Kapitän zu machen.” Sie hob die Hand, um ihm eine Strähne von der Stirn zu streichen, doch er machte einen Schritt zurück. 

“Ted… komm schon. Ich bin nicht gut in Reue und sowas. Okay… ich hätte wahrscheinlich nicht mit ihm schlafen sollen. Aber jetzt ist das Kind nunmal in den Brunnen gefallen. Ich versuch nur, taktisch zu denken.”

“Wenn du so taktisch bist, kannst du ihm ja gleich die große Liebe vorheucheln”, murrte er und ging in Richtung Bett. 

“Wenn es dich stört, lasse ich es”, erklärte sie, ihm folgend. Sie nahm direkt neben ihm auf dem Bett Platz und sah ihn fragend an. “Aber du hast mir vorhin eigentlich sehr eindeutig klar gemacht, dass zwischen uns nichts passieren wird. Also versteh ich das Drama auch nur so halb.” 

“Man kann dir keinen Meter über den Weg trauen, das ist das eigentliche Problem”, erwiderte Ted. “Deine Priorität Nummer eins ist dein eigener Vorteil.” 

“Falsch” Sie kniete sich hinter ihn und legte die Hände auf seine Schultern. Er schüttelte sie ab. “Meine höchste Priorität ist unermesslicher Reichtum”, erklärte sie in einem schwärmerischen Ton. “Denk nur an den Schatz im Achterdeck… Ach so und ich muss dringend zurück nach Hause. Denn diese blöden Ziegen, die mit mir in der Bar arbeiten, greifen sich in meiner Abwesenheit den Anteil von meinem Lohn ab! Das kann ich auf keinen Fall zulassen”, erklärte sie ernsthaft aufgebracht.

Was sollte man da noch sagen.. “Du hast nen Sockenschuss, Lucy”, murmelte Ted und legte sich ins Bett zurück. “Aber ich sag dir eins: Davenport ist vieles: Verstockt und ein Paragraphenreiter, er geht mir immer wieder tierisch auf den Sack. Aber er ist ein anständiger Kerl. Nutz ihn nicht aus, sondern beende die Geschichte. Alles andere wäre einfach gemein.” 

“Du bist mir echt ein feiner Pirat, Ted”, gähnte Lucy neben ihm. “Aber verstanden, Herr Kapitän.. Ich folge deinem Befehl. Wenn du dafür versprichst, mich nicht mehr zu hassen.” 

“Ich hasse dich nicht”, murrte er. “Ich versteh dich nur nicht.” Mit diesen Worten drehte er sich auf die Seite und versuchte, in den Schlaf zu finden. 

“Na gut. Soll mir für heute reichen.” Mit diesen Worten kringelte sich Lucy auf die andere Seite und schlief prompt ein. 


Als Ted die Augen aufschlug, war das Bett neben ihm leer. Direkt beschlich ihn ein mulmiges Gefühl und die Erinnerungen an gestern kamen hoch. Sie hatte es echt mit Davenport getrieben. Sei’s drum. So angespannt er auch war – vor allem wenn sie ständig halbnackt vor ihm rumwackelte und an ihm herumtatschte – es war definitiv gut, dass er sich nicht auf sie eingelassen hatte. Nicht dass er sich in so ein skrupelloses Mannsweib verknallen würde wie dieser Trottel Davenport… aber nein, Sex bedeutete immer Ärger. Er wünschte nur, es würde ihm mehr am Arsch vorbei gehen.

Er rieb sich die Augen. Wo sie wohl steckte? Ja wohl hoffentlich nicht in aller Frühe bei ihrem Ex-Lover in spe, um ihn abzusägen. Verdammt, warum musste er sie eigentlich ständig suchen? Als hätte er nicht genug eigene Probleme. 

Ted unterzog sich einer Katzenwäsche, zog sich an und betrachtete sich noch einmal im Spiegel, ehe er den Weg an Deck antrat. Beinahe sofort bemerkte er Davenport, der an der Reling stand und wie immer irgendwas in sein Buch kritzelte. Am liebsten hätte er kehrt gemacht, aber der Maat hatte ihn bereits bemerkt.

“Guten Morgen, Sir”, grüßte er und Ted erwiderte “Morgen.” 

“Dürfte ich Euch kurz auf ein Wort zu mir bitten?” Urgh… unangenehm. Ted ging die paar Schritte auf ihn zu, betont lässig.

“Klar, was gibt’s?” 

“Es geht um die Situation gestern Nacht”, sprach Davenport halblaut “Ich hoffe, dass dieser unangenehme Zwischenfall nun nicht unserem Arbeitsverhältnis im Wege steht.” Er sah ihn eindringlich an. Ted wurde mal wieder schmerzhaft bewusst, dass sein Gesprächspartner gut einen Kopf größer war als er selbst. Das half der Autorität, die er grundsätzlich gerne ausgestrahlt hatte, nicht gerade. 

“Ach nein… nein, nein.”, sagte er schnell. “Kein Problem. Lucy hat noch nicht mit Ihnen geredet, oder?” 

“Nein. Hat sie denn etwas zu Euch gesagt, Sir?” Diese Hoffnung in seinen Augen. Das tat schon echt ein bisschen weh. 

“Nicht wirklich. Wir sind dann nur noch schlafen gegangen”, erklärte Ted. “Ich finde nur… also so als Kapitän… dass man mit Beziehungen an Bord wirklich vorsichtig sein sollte, Davenport. Ich meine, alle denken auch, dass sie meine… naja Begleiterin ist.” 

“Ich werde mich diskret verhalten”, versprach Davenport. “Meine Intention ist sicherlich nicht, Unfrieden zu stiften. Nur… das Herz will nunmal, was es will. Ihr versteht?” 

“Ja…”, sagte Ted unangenehm berührt und starrte auf die Wellen, um ihn nicht ansehen zu müssen. Was hatte sich Lucy nur gedacht? 

Doch sein Gegenüber deutete das wohl falsch und legte in aufmunternder Geste die Hand auf seine Schulter. “Es tut mir leid, wenn ich Eure Gefühle verletzt habe. Auch ich war schon unglücklich verliebt. Es ist nicht leicht.” 

Ted wusste irgendwie nicht so richtig, was er sagen sollte, also nickte er, womit das Ganze nur zusätzlich bedeutungsschwanger wirkte. Er brachte es nicht übers Herz, ihm zu sagen, dass ihm das unmittelbar bevor stand.

“Ihr nehmt es mit viel Würde. Davor habe ich großen Respekt.” Mit diesen Worten ging Davenport. Ted kratzte sich am Nacken. Der Kerl war zu anständig für sie alle hier. So viel stand fest. 

“Kapitän! Da seid ihr ja!” Anderthalbaugen-Joes krächzige Stimme ertönte unverkennbar. Ted drehte sich um. Na, der hatte ihm gerade noch gefehlt. 

“Das war ja vielleicht ein Spektakel gestern Abend!”

Was? Woher… ach so… er meinte die Aktion beim Abendessen. 

“Ähm. Ja. Ich hab Lucy ordentlich die Leviten gelesen. Manchmal ist das eben nötig.”

“Pass nur auf, dass du damit nicht übers Ziel hinaus schießt. Ich hab mal von nem Kapitän gehört, der prügelnde Jeffrey…”

“Natürlich hast du das”, stöhnte Ted. “Joe. Bitte heute keine Geschichten. Ich hab viel zu tun.”

“Naja. Die Männer waren einigermaßen sauer, dass du Lucy ins Bett geschickt hast, statt sie an der Bar ausschenken zu lassen. Pass besser auf, dass du nicht übers Ziel hinausschießt. Sonst endet das noch wie mit dem prügelnden Jeffrey, der nämlich hat…”

“Ich schau mal nach Quentin. Wie der sich so am Steuer macht. Bis dann, Joe.” Ted ließ den beleidigten Alten stehen und beeilte sich, davonzukommen. So ein Mist! Nicht mal ihr blöder Plan war aufgegangen. Und das war nur Lucys Schuld, weil die gestern hatte rumvögeln müssen, statt ihrer Arbeit nachzugehen. Das würde er ihr vom Lohn abziehen! Damit könnte er sie wenigstens treffen… 

Hinterlasse einen Kommentar