a/n: Hello und nicht wundern, es gibt hier eine neue Hintergrundfarbe, die alte ist leider nicht mehr verfügbar. Einige Kapitel habe ich übrigens noch in petto, aber ich wollte nicht nach so langer Abwesenheit nur random diese Geschichte veröffentlichen. Also kommt das neue Kapitel jetzt, bevor (hoffentlich rechtzeitig) das Halloween-Special folgt 🙂
Lucy spähte um die Ecke, erst dann machte sie die ersten, vorsichtigen Schritte zurück auf Deck. Okay. Vielleicht war sie doch ein klein wenig feige. Sie hatte sich den ganzen Tag in der Küche verkrochen und Roger beim Vorbereiten der Speisen geholfen. Natürlich aus reiner Nächstenliebe, nicht, um Davenport aus dem Weg zu gehen. Verdammt, wie stellte Ted sich das eigentlich vor? Direkt nach dem einen Mal Sex mit ihm Schluss zu machen, das wirkte doch, als hätte er es im Bett nicht gebracht. Sowas war unfair. Er hatte sich so ins Zeug gelegt.
Lucy huschte weiter, immer auf der Hut. Zum Glück war der Maat groß, der ließ sich nicht übersehen.
“Hey Lucy!”, rief es da hinter ihr. Es war der kleine Zahlmeister, Pablo. “Da hat’s dich gestern ja ganz schön erwischt. Aber richte dem Kapitän mal aus, dass das n bisschen viel des Guten war! Wir wollen heute Abend gefälligst wieder unser Barmädchen!”
“Aww… ihr habt mich vermisst!”, rief Lucy gerührt aus. Ja stimmt… er hatte sie ja gestern ins Bett geschickt. Nun wirkte es natürlich, als habe er besonders hart durchgegriffen. War doch gut, wenn sie das dachten.
“Keine Sorge”, erklärte sie fröhlich. “Den Arrest hat er nur auf gestern Abend beschränkt. Heute bin ich wieder voll und ganz für euch da.”
“Bester ist’s”, murrte Pablo und stampfte weg.
Na gut. Die Sonne ging gleich unter. Vielleicht sollte sie mal schauen, wie viel Verwüstung sie gestern in ihrer Abwesenheit veranstaltet hatten.
Als Lucy die Bar betrat, sah sie eigentlich ganz respektabel aus. Es fehlten Flaschen aus dem Regal, einige sogar, aber der Boden war erstaunlich sauber. Sie trat um die Theke herum und bemerkte eine Gestalt, wie sie tief gebückt Scherben auffegte.
“Oh!”, machte sie, als sie erkannte, wer das war und Davenport fuhr hoch, stieß sich dabei den Kopf an der Theke.
“Autsch, oh nein!”, rief sie aus und eilte zu ihm.
“Schon in Ordnung”, sagte er tapfer und richtete seine Kleidung. “Ich dachte, ich sehe nach dem Rechten. Diese Rüpel haben sich an Eurer Bar vergriffen. Ich wollte allerdings alles beseitigt haben, bevor Ihr herkommt.”
“Das ist wirklich süß von dir”, sagte sie gerührt und fühlte sich prompt mies. Wusste Ted eigentlich, was er da verlangte? Es war doch echt gemein, ihn so abzusägen.
“Ich habe Euch den ganzen Tag nicht gesehen, Miss Lucy.“ Er griff nach ihrer Hand und drückte ihr einen Kuss auf den Handrücken. “Ich hoffe doch, der Kapitän war gestern nicht zu streng mit Euch?”
Entgegen sonstiger Gewohnheit wurde sie sogar ein wenig verlegen. Nicht, weil sie schüchtern war. Einfach weil er sie so verbindlich und innig ansah.
“Nein, nein”, sagte sie schnell. “Er hat sich wieder eingekriegt. Mehr oder weniger.”
Davenport wirkte skeptisch. “Was ist das zwischen euch?”
Lucy spürte Widerwillen in sich aufkeimen. Sie fand eigentlich, dass ihn das gar nichts anging. Sie ließ sich nicht gerne von einem Kerl kontrollieren. Da konnte er noch so charmant und gut im Bett sein. Hastig zog sie ihre Hand weg.
“Wir müssen da über etwas reden, Samuel. Mindestens darüber, dass du mich nach dem Sex immer noch “Miss Lucy” nennst. Ich meine… das ist echt befremdlich.”
“Oh. Verzeihung. Macht der Gewohnheit. Ich versuche, Respekt zu zeigen.”
“Du übertreibst es etwas mit dem Respekt”, erklärte sie.
“Also gut, Lucy. Ich werde es ändern.” Noch immer lächelte er. Das war gar nicht gut. So hatte sie die Intimität zwischen ihnen nur mehr unterstrichen, oder? Sie musste das Ganze offensiver angehen.
“Ich hatte bisher nichts mit Ted, das habe ich dir gesagt. Aber wenn es doch so sein sollte, will ich deswegen kein Drama. Die Sache ist, ich bin nicht auf der Suche nach etwas Festem. Tut mir leid, falls ich da falsche Hoffnungen in dir geweckt habe.”
Sein Gesicht verdüsterte sich. “Ich verstehe.”
Lucy schnaubte. Sie hasste dieses schlechte Gewissen. Obendrein war es unfair.
“Ich meine, wie kommst du überhaupt auf sowas? Ich tanze bei dir an und frage nach Sex und du denkst, wir segeln jetzt in den Sonnenuntergang? Komm schon.”
“Andererseits habe ich meine Gefühle dir gegenüber doch recht deutlich ausgedrückt und das nicht erst gestern. Dass du dich daraufhin auf mich einlässt, hat mich hoffen lassen, du könntest sie erwidern. Ist das wirklich so töricht?” So persönlich hatte er noch nie mit ihr gesprochen. Sie hatte nicht gewusst, dass er ein derart mulmiges Gefühl in ihr auslösen konnte. Bisher hatte sie ihn immer für harmlos und ein wenig naiv gehalten. Zumindest im Bezug auf sie.
“Na schön, mag sein…”, räumte sie ein.
“Der Kapitän hat uns bereits seinen Segen gegeben”, erklärte Samuel weiter. “Hätte ich gewusst, dass ich für dich nicht mehr als ein Abenteuer bin, hätte ich mir zumindest den Weg zu ihm gespart.”
“Er hat was?”, fragte Lucy nun aber entrüstet. “Was soll das denn?”
“Wieso regt dich das so auf?”, fragte er trocken. “Hast du doch Gefühle für ihn?”
“Nein! Nur…” Jetzt konnte sie ja schlecht sagen, dass es Teds Idee war, dass sie Schluss machte. Sonst hätte sie ihn als den rückgratlosen Trottel enttarnt, der er offensichtlich war und dann wäre ihr ganzer schöner Plan dahin. Ohne Davenport hatte Ted nicht die geringste Chance gegen seine Crew. Was hatte er sich bloß dabei gedacht? Davenport sah sie ungeduldig an. Sie brauchte schnell eine Antwort.
“Na schön… ja, habe ich. Aber sag ihm das bloß nicht! Ich halte nicht noch eine Abfuhr aus.”
“Also war ich nur dein Trostpflaster. Ich hätte es wissen müssen.” Davenport klang gefasst, aber dennoch tief enttäuscht. In seinen Augen erkannte sie, dass sie ihm gerade das Herz gebrochen hatte. Sie schluckte. Dafür war Ted ihr echt was schuldig!
“Du bist mehr als das, Sammy.” Sie griff nach seinem Arm, doch er nahm einen Schritt Abstand zu ihr.
“Bitte lass es gut sein. Ich gehe jetzt zu meiner Kajüte. Ich schätze, ich brauche etwas Zeit zum Nachdenken.” Er wandte sich von ihr ab. Lucy trat von einem Bein auf das andere. So ein Mist! Das hatte sie sich aber anders vorgestellt.
“Hey, du warst einer der besten Ficks meines Lebens!”, rief sie ihm nach. Kurz blieb er stehen, doch dann schritt er weiter hinaus, ohne sich noch einmal umzudrehen. Sie seufzte und ließ die Arme hängen. Das war wohl kein sonderlich guter Trost gewesen…
Der Abend war in vollem Gange. Lucy war heute selbst ihr bester Kunde und trank selbst Pete unter den Tisch. Immerhin, der Crew gefielen die Trinkspiele und ihre ausgelassen hervorgebrachten Anekdoten.
“Und dann… und dann… hat er sich seine Unterhose über den Kopf gezogen und gesagt ‘Was für eine schäbige Spelunke, ich werde keinen Fuß mehr hier herein setzen. Warten Sie nur, bis König George davon erfährt!’ Natürlich kam er am nächsten Tag wieder, hat sich an nichts mehr erinnert.”
Die Truppe lachte. Lucy kicherte und schenkte sich nach, da bemerkte sie, dass Ted an die Bar herangetreten war.
“Hey”, murmelte er.
“Heeey Teddy, altes Haus!”, schrie sie und fiel ihm über die Theke hinweg um den Hals. Dabei schwappte etwas Rum aus ihrem übervollen Glas auf seine Uniformjacke.
“Upsi”, kicherte Lucy und sah ihn mit verschwommenem Blick an. “Ich habs dir noch nie gesagt… du hast so eine süße Nase.”
“Du bist ja stockbesoffen”, stellte er missbilligend fest.
“Ohh… Mister Moralapostel. Trink mal lieber mit.” Sie ließ ihn los, um ihm ein Glas hinzustellen, das sie großzügig füllte.
“Lief wohl nicht so gut, dein Gespräch. Oder flüchtest du dich aus deiner Verantwortung, indem du trinkst?”
“Verantwortung, Schmerantwortung”, tat sie es ab. “Prost, Kapitän!” Sie hob ihr Glas und kleckerte sich dabei voll. “Ohh… schon wieder. Der schöne Rum.”
“Okay, du hattest genug”, beschloss Ted. Ohne Umschweife nahm er ihr das Glas aus der Hand. Sie protestierte jammernd, hatte aber auch nicht die Kraft, ihn aufzuhalten. Er war ja so gemein! Entschlossen kam er um die Theke herum.
“Kannst du noch laufen?”, fragte er und ergriff sie am Arm. Sie seufzte zur Antwort nur tief.
“Ich muss nicht laufen. Ich schlaf heut Nacht hier. Bei meinen Freunden.” Dabei gestikulierte sie in Richtung der Flaschen an der Wand.
“Sei nicht albern. Na komm.” Er versuchte sie auf den Arm zu heben wie ein Bräutigam seine Braut, doch weil er dabei unter ihre Achselhöhle griff, musste sie furchtbar kichern und windete sich wie ein Aal. “Aufhören!”, quietschte sie.
Ted rollte mit den Augen, packte sie also an der Hüfte und warf sie sich über die Schulter. Diesmal protestierte Lucy nicht. Irgendwie hatte das gerade was Angenehmes.
“Ach komm!”, rief Pablo aus, als er das Schauspiel bemerkte. “Es war gerade so lustig mit ihr!”
“Jaaa!”, pflichtete Pete bei. “Sei kein Spielverderber!”
“Ihr alle solltet auch nicht ständig saufen wie die Löcher. Es sind zwar nur noch vier Tage bis Porto, aber bei eurem Tempo kriegt ihr die Vorräte trotzdem früher leer”, merkte Ted an. “Und ich will euch nicht aushalten, wenn ihr bald auf dem Trockenen sitzt.”
Mit diesen Worten trug er Lucy davon. Das Geschaukel war zunächst angenehm, aber dann wurde ihr allmählich ein wenig schlecht davon.
“Bitte… langsam!”, flehte sie. Ted blieb stehen.
“Was hast du dir bloß dabei gedacht, dir dermaßen die Kante zu geben?”, fragte er über seine Schulter hinweg.
Lucy stöhnte betroffen. “Ich bin ne verdammte Herzensbrecherin… ne mittellose Herzensbrecherin. Ich brauch Geld. Viel Geld. Dann geht’s mir wieder besser.”
“Du bist doch bescheuert”, murrte Ted und ging mit ihr im Schlepptau weiter.
Wie durch ein Wunder schafften sie es in die Kajüte, ohne dass sie sich übergab. Mehr bekam sie nicht mehr mit. Kaum dass ihr Kopf das Kissen berührte, fiel Lucy in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
Wieder eine tolle Geschichte 👍🤗🤗
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