Anstehende Veränderungen (Truckstop Part 19)

a/n: Irgendwie irre, dass wir schon bei Teil 19 sind für eine Reihe, die ich eigentlich mal als Oneshot geplant hatte. Ich jedenfalls hatte mal wieder sehr viel Spaß beim Schreiben und hoffe, es geht euch beim Lesen ähnlich. Der nächste Teil wird definitiv etwas schneller kommen als der Abstand zwischen 18 und 19 war.

Sofìa stand an die Küchenzeile gelehnt und beobachtete schweigend das Spektakel. Nachdem der erste Schultag eigentlich ziemlich entspannt für die Patton-Schwestern gewesen war, widmete man sich nun wohl wieder der Frage, wie es mit Samantha weitergehen sollte. 

Chris und Sam diskutierten gerade wild darüber, wie nun weiter vorzugehen sei, Barry, gab immer wieder seinen Senf dazu und Mamá warf beschwichtigende Worte ein.

“Du kannst nicht dahin zurück! Unmöglich! Dein Vater ist ein unerträgliches Arschloch. Wer weiß, was er mit dir anstellt, wenn er dich nochmal in die Finger bekommt”, argumentierte Chris sichtlich besorgt.

“Ich kann doch nicht einfach von einem auf den anderen Tag abhauen. Und ich weiß nicht mal, was mit der Schule ist. Er wird wollen, dass ich zurück gehe”, murmelte Sam.

“Scheiß auf das, was er will!”, rief Chris aus. “Wir wechseln auf Sofìas High School, warum nicht du? Du bist volljährig, du kannst für dich so selbst entscheiden. Er hat dir gar nichts mehr zu sagen!” 

“Hat er sich mit seiner letzten Aktion verspielt”, brummte Barry zustimmend. “Er wird dich nicht so akzeptieren, wie du bist und diese vestockten Nonnen genau so wenig. Chris hat Recht.” 

“Ihr stellt euch das alles so einfach vor, aber er ist immer noch mein Vater!”, rief Sam aus. “Und wo soll ich bitte hin?” 

“Du bleibst bei uns”, befand Barry. 

Sam wirkte dankbar, aber auch unsicher. “Ich weiß nicht… ich muss nochmal mit ihm reden. Vielleicht ändert er ja seine Meinung.” 

Barry und Chris schüttelten unisono den Kopf. 

“Hey.” Maria trat nun an Sam heran und strich über ihre Schulter. “Ich verstehe dich. Familie ist wichtig, egal wie sie manchmal zu dir sind.” 

“Das ist ein Punkt, über den man nicht diskutieren kann, Maria!”, fand Barry. 

Sie lächelte ihm milde zu. “Ich finde schön, wie du für deine Tochter und deine Werte einstehst. Aber dieses Gehetze gegen ihren eigenen Vater bringt Sam nicht weiter, hm?” 

“Er hatte Schlimmeres verdient” murmelte Chris. 

Sam sah Maria dankbar an. “Ich würde gerne zu ihm fahren.” 

“Ich komme mit!”, warf Barry prompt ein.

“Nein!”, sprach Maria nun fast schon mahnend. “Damit ihr euch später noch prügelt? Ich will nicht, dass du etwas tust, was wir alle später vielleicht ausbaden müssen.”

Barry schwieg betreten, vermutlich weil er wusste, dass sie Recht hatte. 

“Na schön. Aber du gehst da nicht alleine hin. Ich komme mit”, beschloss nun Chris. 

“Du bist ein rotes Tuch für ihn”, seufzte Sam. “Ich glaube nicht, dass er vernünftig mit mir reden wird, wenn er dich sieht.” 

“Alleine kannst du nicht fahren”, befand nun aber auch Maria. “Chris kann im Auto warten und nur im äußersten Fall einschreiten.” 

“Der äußerste Fall ist, wenn er dir nur ein Haar krümmt”, erklärte Chris grimmig. 

Sofìa seufzte und nippte an ihrer Coke Zero. Ihr Kopf war so durch vom ganzen Liebeskummer, sie fand inzwischen sogar das irgendwie romantisch. 

“Okay”, hauchte Sam und ließ sich von ihrer Freundin in den Arm nehmen und auf die Wange küssen. “Dann bringen wir es aber bitte jetzt gleich hinter uns. Meine Sachen sind im Auto… falls ich doch gleich dableiben muss.” 

“Du wirst nicht da bleiben!”, befand Chris sofort. 

“Chris, bitte… die Entscheidung kannst du Sam nicht abnehmen”, mischte sich Maria wieder ein. Sie kniff Barry in den Arm, der gerade zum Widerspruch ansetzte und er zwang sich, das unkommentiert zu lassen. Sofìa schüttelte ein wenig den Kopf. Sowas sollte sie bei ihm mal wagen! Ihre Mutter bekam auch jeden klein. 

“Dad, kann ich deinen Wagen haben?”, fragte Chris. 

“In Ordnung. Aber dieser Turner solls nicht wagen, den in seiner Wut noch zu demolieren. Sonst statte ich ihm höchstpersönlich nen Besuch ab.”


“Danke, Mr. Patton”, sagte Sam. “Falls ich nicht wiederkomme… will ich auch für alles andere danken, was Sie für mich getan haben.”

“Wir sehen uns schon wieder. Und du sollst mich doch Barry nennen, hm?” 

Sam lächelte. “Okay. Dann danke, Barry.” 

Sofìa rollte mit den Augen. Das war ja wie aus so nem billigen Film. Kitschige Scheiße. Sie holte ihr Handy heraus und seufzte innerlich. Normalerweise hätte sie das jetzt Jake geschrieben und irgendeinen zugegebenermaßen ziemlich lustigen, sarkastischen Kommentar zur Antwort erhalten. Sie tippte auf den Chat und überlegte, stattdessen Elena davon zu erzählen. Aber mit ihr war das einfach nicht dasselbe. 

Leider hatte sie ihn heute in der Schule auch nicht ungestört erwischt. Die ganze Zeit hatte Holly an ihm geklebt und in deren Gegenwart hätte die Konfrontation doch nur halb so viel Spaß gemacht, das war ihr bewusst.

Sie lenkte sich ein wenig mit Likes auf ihren aktuellen Instagram-Post ab. In letzter Zeit postete sie wieder mehr. Vor allem Bilder von sich, auf denen sie einfach extrem gut aussah. Jake folgte ihr und er sollte wissen, was er verpasste. 

Die Tür fiel ins Schloss und nun hörte sie nebenan im Wohnzimmer Mamá halblaut mit Barry sprechen. Da beide Räume nur durch einen offenen Torbogen getrennt waren, bekam sie eigentlich alles mit, was da geredet wurde. Nicht, dass es sie sonderlich interessiert hätte. Doch mit einem Mal wurde sie hellhörig.

“Wir überlegen es doch schon seit einer Weile. Und Sam braucht Stabilität, wenn sie zurückkommt. Ich fände es schön. Ich wäre gerne für sie da”, hörte sie ihre Mutter sagen. 

“Das finde ich wirklich großartig von dir”, erwiderte Barry. Sofìa hätte eigentlich lieber weggehört, aber der erste Satz machte sie zu neugierig. 

“Ich weiß nur nicht, ob wir das schon vor dem Umbau machen sollten. Die Mädchen müssten sich ein Zimmer teilen. Du kennst doch Sofìa. So viel kann ich sie gar nicht übers Knie legen, wie sie sich in unnötige Streits verzetteln wird.”

Sofìa wurde ganz komisch zumute. Allein bei dem Gedanken, sehr viel von Barry übers Knie gelegt zu werden. Und was meinte er mit Zimmer teilen?

“Oh doch, das kannst du!”, bekräftigte ihre Mutter obendrein. “Wenn du sie zur Raison gerufen hast, ist sie doch meistens zumindest für ein paar Wochen friedlich. Naja, der größte Fehler wäre, sie mit Mirabella zusammenstecken. Sie hatten mal als Kinder ein gemeinsames Zimmer. Das war eine Katastrophe.” 

Sofìa erinnerte sich zu gut. Mamá hatte nicht nur einmal einen Schlappen nach ihnen geworfen. Abgesehen davon gefiel ihr gar nicht, in welche Richtung sich das Gespräch gerade entwickelte.

“Sie versteht sich wirklich gut mit Louise. Ich denke, das könnten die Mädchen teils sogar unter sich regeln. Aber was ist mit Chris und Sam? Als frisch verliebtes Pärchen in Miras Zimmer? Das können wir der Kleinen unmöglich antun”, fand Barry.

“Wir könnten den Dachboden aufräumen. Wenn wir uns alle Mädchen zur Hilfe nehmen, ist das innerhalb eines Tages erledigt. Spätestens am Wochenende haben wir Zeit. Sam und Chris ziehen dort nach oben und sobald du die Zeit hast, beginnen wir mit dem geplanten Anbau.” 

“Klingt tatsächlich gar nicht übel”, fand Barry. “Und wäre auch ein kürzerer Weg zur neuen Schule für Chris und Louise.”

Sofìa spürte, wie ihr schlecht wurde. Das war doch jetzt echt ein verdammter Scherz. Sie alle unter einem Dach? Wahrscheinlich hätte sie früher oder später damit rechnen müssen, aber doch nicht von einem Tag auf den anderen! 

Eigentlich wäre sie am liebsten herübergestürmt und hätte den beiden die Meinung gegeigt. Aber nach Mamás bekräftigende Worte an Barry eben verspürte sie dazu doch keinen sonderlichen Drang. Stattdessen entdeckte sie etwas auf dem Sideboard. Einen leeren Teller. Sheila Davis hatte ihnen letztens selbstgebackene Kekse vorbeigebracht. Waren wirklich lecker gewesen. Sofìa atmete einmal durch, dann schnappte sie sich den Teller, ihren Schlüssel vom Schlüsselbrett neben der Haustür und eilte aus dem Haus. 

Sie kam an dem traurig umgeknickten Briefkasten vorbei und grinste prompt in sich hinein. Zum Glück würde sie sich jetzt aufheitern und ablenken können. 

Nach kurzem Klingeln öffnete Sheila ihr die Tür. Sie schien ehrlich überrascht, sie zu sehen. Jakes Mutter war hübsch für ihr Alter und gab sich auch einiges an Mühe dafür. Gegen ihre eigene Mom wirkte sie mit ihrer kinnlangen Föhnfrisur und ausgestellten Kleidern vielleicht etwas weniger modern, aber Sofìa konnte ihren eigenen Stil durchaus wertschätzen. 

“Sofìa, meine Süße! Ich hab dich ja ewig nicht gesehen!”, rief sie begeistert aus und schloss sie sogleich kräftig in die Arme. “Toll siehst du aus”, befand sie und kniff ihr in die Wange. 

“Ich wollte dir nur deinen Teller zurückbringen”, erklärte Sofìa und hielt ihn wie ein Alibi vor sich. 

“Ach danke, das hätte aber nicht geeilt”, lächelte Sheila. “Komm doch bitte rein.” Sie machte Platz und Sofìa trat ins Innere. 

“Willst du einen Tee?”

“Nein, danke”, winkte Sofìa ab. “Ist Jake da?” 

“Der hat Hausarrest. Er darf keinen Besuch empfangen.” 

“Schade”, erwiderte Sofìa, auch wenn sie sich innerlich diebisch über die Demütigung freute. Nur überwog ein bisschen das Bedauern, ihm die jetzt nicht unter die Nase reiben zu können. “Ich hab schon gehört, dass er ziemlich Ärger hatte.” 

“Das kannst du wohl laut sagen!”, erwiderte Sheila ein wenig grimmig. “Mal wieder einen anständigen Hintern voll. Den hatte er sich auch redlich verdient.”

“Ach so?”, gab sich Sofía überrascht. “Ich wusste gar nicht, dass Jake noch immer so bestraft wird.”

“Oh doch. Man wünschte ja, es wäre nicht mehr nötig, aber ab und an muss es einfach sein. Und am Freitag war so ein Tag. Ich dachte noch, der Kochlöffel zerbricht mir auf seinem Hinterteil, so gründlich wie ich ihn eingesetzt habe, aber er leistet mir glücklicherweise schon seit Jahren treue Dienste.” Bei dem Gedanken erkannte man eine gewisse Zufriedenheit in ihren Zügen. Sie musterte Sofìa, die ein zufriedenes Grinsen über die Erzählung von Jakes Mom kaum verbergen konnte. Sheila legte ihr das aber wohl eher als freundliches Lächeln aus.

“Ach weißt du was, sei’s drum! Du warst so lange nicht mehr hier seit Jake diese… Holly angeschleppt hat.” Aus ihrem Mund klang der Name wie ein Schimpfwort. “Na los, geh ruhig zu ihm. Deine Gesellschaft tut ihm gut.”

“Danke”, lächelte Sofìa zuckersüß, voller Genugtuung, dass Sheila sie eindeutig für die bessere Partie für ihren Sohn hielt. Beschwingt eilte sie die Treppenstufen hinauf. 

Sie klopfte an die Zimmertür und hörte ein missmutiges “Ja?”. Sofìa machte die Tür auf und trat in sein Zimmer. Er saß mit dem Rücken zur Tür, Headset auf dem Kopf und zockte irgendetwas. Als er sich herumdrehte, weiteten seine Augen sich vor Überraschung. Rasch warf er die Kopfhörer beiseite und sprang auf. Das Spiel lief im Hintergrund weiter und seine Figur wurde abgeschlachtet. Das schien er aber nicht einmal zu bemerken.

“Sofìa! Das ist aber ne Überraschung!” Offensichtlich freute er sich, sie zu sehen. Sie wusste nicht, ob sie das wiederum freuen oder ärgern sollte. So oder so, das würde sie ihm gleich gründlich versauen.

„Naja, ich muss doch mal nach dem Straftäter sehen. Du hättest deine hohle Freundin wohl besser nicht ans Steuer gelassen.”

“Nenn sie bitte nicht hohl… abgesehen davon… woher weißt du das?”

Sofìas Laune sank sofort, als er sie in Schutz nahm, also ging sie gleich in die Vollen. “Ich hab den Unfall Freitag Abend zu sehen bekommen. Und von Mamá gehört, wie das Ganze für dich ausging.” 

“Du hast was?”, fragte Jake einigermaßen entsetzt. 

“Naja, sie hat es dem ganzen Buchclub erzählt”, erklärte Sofìa fröhlich. “Wie Holly euren Briefkasten umgefahren hat und deine Mutter dich dafür übers Knie gelegt und dir sehr gründlich den nackten Hintern versohlt hat, bis du alles zusammengeschrien hast.”

Jake starrte sie entsetzt an. Sein Gesicht hatte ordentlich Farbe angenommen. Sofìa verschränkte selbstzufrieden die Arme. 

“Ich… ähm…” Er schien ausnahmsweise mal sprachlos zu sein. 

“Ganz schön unehrlich von dir. Sie sagte gerade zu mir, sie hätte das ‘mal wieder’ getan…”

“Sie hat eben auch noch mit dir darüber gesprochen?”, fragte er, als würde das jetzt noch einen Unterschied machen.

“Das schien ihr eine ziemliche Genugtuung gewesen zu sein. Kann man ihr nicht verdenken. Aber sag mal, hast du nicht immer behauptet, das letzte Mal, dass du einen Hinternvoll kassiert hättest, sei Jahre her?” 

“Es war mir eben peinlich!”, stieß Jake aus und fuhr sich mit den Händen durch die dunklen Locken. “Ist es immer noch”, ergänzte er. 

“Ach so und du denkst, mir ist es nicht peinlich, dass Barry mich regelmäßig verhaut? Ganz zu schweigen von den beiden Malen, als du bei Chris und meiner Mutter sogar zugesehen hast!”

“Du lässt das klingen, als hätte ich es mit Absicht gemacht”, sagte er abwehrend.

“Naja, meine heißen Kurven hast du dir dabei nur allzu gerne angesehen, das kann man dir nicht verdenken”, sagte Sofìa leichthin und strich sich dabei die Haare über die Schulter. Er schwieg zur Antwort, was ihr gar nicht passte. Sie war Komplimente von ihm gewohnt. 

“Jedenfalls… war das ziemlich unehrlich. Ich hätte Besseres von dir erwartet.” 

“Für einen Mann ist sowas unangenehmer”, erklärte er. Sie prustete. 

“Ich seh hier keinen Mann. Dafür einen ungezogenen Jungen, dem der Hintern sicher immer noch weh tut.”

“Hey! Kein Grund, gemein zu werden”, murrte er. 

“Komm schon. Du machst dich sonst selbst über alles und jeden lustig”, erklärte sie leichthin und nahm dann auf seinem Bett Platz, schlüpfte aus den Schuhen. 

“Wie bist du eigentlich hier reingekommen?” Sie wunderte sich nicht, dass Jake das Thema wechselte. “Meine Mom hat…” Er unterbrach sich selbst.

“Besuch verboten?”, ergänzte Sofìa. “Sie wollte bestimmt nur ein paar Tage Ruhe von Hollys dummem Gelaber.” Und ihren Sexgeräuschen, fügte sie in Gedanken hinzu und verpasste sich dabei selbst einen Stich. 

“Vielleicht ist sie gerade wirklich nicht so gut auf Holly zu sprechen”, räumte Jake ein. “Es war nicht ihre Schuld. Ich hätte sie nicht fahren lassen sollen.” 

“Niemand sollte das jemals”, fand Sofìa und streckte sich. “Ihr Fahrprüfer gehört hinter Gittern.” 

“Sei doch nicht so gemein.” 

“Ich bin nur ehrlich”, erklärte sie und sah ihn dann traurig an. Einerseits störte es sie, dass er Holly immerzu in Schutz nahm, andererseits war sie nunmal seine Freundin und Sofìa hätte Respekt vor ihm verloren, wenn er jetzt über sie herziehen würde. 

“Die Pattons ziehen zu uns”, erzählte sie dann, um sich selbst mit etwas anderem zu beschäftigen. Auch wenn es nicht sehr viel erfreulicher war.

“Das ging jetzt aber plötzlich”, erwiderte Jake überrascht und nahm ihr gegenüber auf dem Drehstuhl Platz. Im Hintergrund zeigte der Bildschirm noch immer Du bist gestorben

“Du hast ne Menge verpasst”, merkte Sofìa an und erzählte ihm eine Kurzfassung der ganzen Nonnengeschichte mit Sam und Chris. 

“Deswegen sind sie jetzt an unserer Schule! Hab mich schon gewundert”, wandte Jake ein. Sie wunderte sich hingegen, dass er gerade keine Witze über heißen Lesbensex riss, wie es sonst seine Art gewesen wäre.

“Naja jedenfalls… heute morgen haben sie rumdiskutiert, ob Sam zu diesem Arschloch von Vater zurück soll oder nicht. Alle außer Sam waren dagegen. Sie und Chris sind jetzt hingefahren. Ich glaub, aber nicht, dass sie da bleibt.”

“Ja, klingt auch nach ner Scheißidee”, ergänzte Jake. 


“Richtig. Naja, jedenfalls haben meine Mutter und Barry, als sie weg waren, darüber diskutiert, dass sich alle jetzt brauchen und wir unter einem Dach viel glücklicher wären, das ganze Blabla.”

“Und du hast Angst, was passiert, wenn Barry dich ständig im Blick hat”, schlussfolgerte er. 

“Nicht nur! Ich hab auch keine Lust auf den ganzen Happy Family-Kram”, seufzte Sofìa. 

“ Ist jetzt wohl unausweichlich”, stellte Jake wenig tröstend klar. “Aber ich versteh, dass das nervt. Und die Veränderung einem auch Angst macht.”

Sofía nickte ein wenig. 

“Vielleicht wird es ja besser, als du denkst. Immerhin seid ihr jetzt sowas wie Freundinnen, oder? Zumindest Louise und du.”

“Chris ist auch gar nicht so übel”, räumte Sofía ein. “Auch wenn das Rumgekuschel mit ihrer Freundin einem auf die Nerven fallen kann. Ich hasse frisch Verliebte.” Sie seufzte und sah ihn dann an. 

“Was ist?”, fragte er.

“Normalerweise würde ich sagen, ich hänge dann öfter bei dir rum, wenn sie mich alle zu sehr abfucken… aber du bist ja keine Minute mehr allein.”

“Bist du deswegen so auf Abstand, oder…” 

“Was denkst du denn? Wenn man nicht geil auf Holly ist, will man keine zehn Minuten mit ihr in einem Raum verbringen.” Sie schwieg. Eigentlich wollte sie noch so viel mehr sagen. Dass sie zutiefst bereute, was sie an dem Karaokeabend gesagt hatte. Dass sie ihn vermisste. Dass der Kuss ihr sehr wohl was bedeutet hatte. Aber nichts davon kam ihr über die Lippen. Sie hatte einfach zu viel Angst, dass ihm das egal sein könnte. Ihm ging es schließlich gerade gut, ganz im Gegensatz zu ihr. 

“Ich kann sie auch mal nen Abend nicht hier haben”, erwiderte Jake. “Und wir hängen ab, schauen dumme Filme, zocken irgendwas…” 

Das klang verdammt gut, wenn sie ehrlich war. Ihr fiel gerade nicht mal irgendwas Fieses ein. Aber sie hatte auch Angst, dass es irgendwie weh tun würde, ihn wieder an sich ranzulassen, solange sie noch diese Gefühle hatte.

“Okay. Ja mal schauen, vielleicht”, hielt sie sich deshalb unbestimmt. “Ich sollte jetzt auch mal wieder rüber. Ich hab denen nicht gesagt, dass ich gehe. Kein Bock auf Ärger.” Sie erhob sich vom Bett und schlüpfte wieder in ihre Schuhe. 

“Alles klar. War schön, dich zu sehen”, sagte Jake leichthin, doch sie kannte ihn gut genug, um zu merken, dass er nervös war. Das gefiel ihr nicht. Sie wollte einfach, dass es war wie sonst immer. 

“Freu dich nicht zu sehr. Ich war eigentlich nur hier, um dir das mit deiner Strafe unter die Nase zu reiben”, erklärte sie ihm neckend. Sofort wurde er wieder rot.

“Na von mir aus. Dann muss ich mich wohl öfter verdreschen lassen, um dich zu sehen.” 

Nun war es an ihr, rot zu werden. 

“Tolle Idee!”, sagte sie, um es zu überspielen. “Ich werd’s deiner Mom ausrichten. Man sieht sich, Loser.” 

“Bis dann, Miststück!”, rief er ihr nach. Trotz allem musste sie in sich hineingrinsen, als sie die Treppe herunter ging. Dieses warme Gefühl der Vertrautheit breitete sich in ihrer Brust aus. Vielleicht sollte sie doch über sein Angebot nachdenken.


“Ich geh jetzt rein”, kündigte Sam an, nachdem sie schon viel zu lange im geparkten Wagen vor dem Haus gestanden hatten. Sie drückte Chris’ Hand fest und atmete noch einmal durch.

“Okay. Du schaffst das, Baby. Und rufst mich sofort, wenn du mich brauchst”, flüsterte diese verschwörerisch. Sam nickte und beide gaben sich einen Abschiedskuss. Sie stieg aus dem Wagen und ging mit klopfendem Herzen auf die Haustür zu. 

Statt ihren Schlüssel zu benutzen, klingelte sie. Besser, sie würde sofort mit ihrem Dad reden.

Nach einem Moment öffnete er die Tür. Als er sie sah, verhärteten sich seine Züge noch mehr.

“Wo zum Teufel hast du gesteckt? Ich war krank vor Sorge!” 

“Kann ich reinkommen?”, fragte sie nervös.

“Oh, du wirst reinkommen, ganz sicher sogar!” Er packte sie am Arm und zog sie ohne Umschweife ins Innere. Im Augenwinkel sah sie, wie Chris prompt aus dem Wagen stieg. Sie stieß beim Eintreten mit dem Fuß gegen die Tür, sodass diese einen Spalt weit offen blieb. Zum Glück bemerkte ihr Dad nichts davon. 

“Dad, hör mal… ich hab dir doch geschrieben, dass ich bei den Pattons bleibe. Ich hatte einfach zu viel Angst, nach Hause zu kommen, nach allem, was passiert ist.”

“Und das zu Recht! Dir werd ich die Abreibung deines Lebens verpassen, nach allem, was du dir geleistet hast!” 

“Kannst du mir vielleicht mal für einen Moment zuhören?”, stieß Sam verzweifelt aus. “Ich wollte doch auch nicht, dass das alles passiert. Dass es in der Schule war… das war dämlich von uns. Aber du musst auch verstehen, dass wir uns nur versteckt haben, weil ich nicht wusste, wie ich es dir sagen soll.”

“Mir was sagen sollst? Dass du ne verdammte Lesbe bist? Bist du nicht! Nicht meine Tochter, hörst du?” 

Sam rang nach Luft. “Chris hatte Recht. Das hier hat wirklich keinen Sinn”, stellte sie eher traurig als ängstlich fest. “Ich hol meine Sachen von oben und dann verschwinde ich.” 

Sie versuchte an ihm vorbei zu kommen, doch er stemmte die Hände in die Hüften und versperrte ihr den Weg. “Du gehst nirgendwo hin! Außer zurück zur Schule, wo du dich nochmal ordentlich für dein Verhalten entschuldigen wirst.”

“Die haben uns rausgeworfen. Wegen deinem Verhalten”, konnte sie sich nun doch nicht verkneifen. Da sah sie, dass er seine Hand auch schon zu einer Ohrfeige hob.


“HEY!”, brüllte es da quer durch den Raum. In der Haustür stand Chris, ihr Gesicht mindestens genau so wutverzerrt wie das ihres Dads noch vor einem Moment. Dieser schaute nun eher perplex drein.

“Warum legen Sie sich nicht nicht mit wem in Ihrer Größe an, alter Mann?” Mit diesen Worten stürmte Chris auf Sams Dad zu. “Ich sags Ihnen nur einmal, behalten Sie Ihre dreckigen Hände bei sich, wenn ich sie Ihnen nicht brechen soll!”

“So redest du in meinen eigenen vier Wänden nicht mit mir, du verfluchtes Mannsweib!” 

Sam drückte sich nun gegen Chris, die ihrem Dad bereits gefährlich nah war. “Komm schon… lass uns einfach verschwinden”, murmelte sie. “Du hattest Recht, es hat keinen Sinn.” 

“Hey! Du gehst nirgendwo hin!” Ihren Vater schien dieser Anblick ordentlich aufzuwühlen, jedenfalls packte er sie grob am Arm und zerrte sie zurück zu sich. “Du gehörst hierher, wo noch Zucht und…”

Weiter kam er nicht. Denn Chris schlug ihm mit voller Wucht ihre Faust ins Gesicht. Ein dünner Blutfaden kam aus seiner Nase und er schaute eher perplex als alles andere drein. Er ließ sich auf die Treppenstufe hinter sich plumpsen und starrte beide fassungslos an. 

“Ich hatte Sie gewarnt”, sagte Chris und schüttelte ihre Hand aus. “Na komm. Wir gehen.” 

“Moment mal”, stammelte Sams Vater im Hintergrund.

Sam drehte sich nicht noch einmal um. Ein wenig perplex, aber ganz und gar nicht unzufrieden nahm sie die Hand ihrer Freundin und verließ mit ihr das Haus in dem wunderbaren Gedanken, niemals hierher zurückzukehren. 

5 Kommentare zu „Anstehende Veränderungen (Truckstop Part 19)

  1. Danke. Ich war schon gespannt, wie diese zwei Storylines weitergehen würden. Ich find’s schön, dass Sofía und Jake wieder normaler miteinander reden können. Ich würde ihnen wünschen, dass sie irgendwann doch wieder zusammenkommen, denn ich glaube beide wissen, was sie aneinander haben.

    Und Sams Vater macht seinem Wesen als toxische Person alle Ehre. Respekt für Chris, dass sie so tatkräftig dazwischengeht. Gerade in den USA kann man ja nicht wissen, ob er nicht eine Waffe griffbereit hat. Ich hoffe, das hat nicht später noch Konsequenzen für Chris. Jemanden niederschlagen, egal wie moralisch gerechtfertigt, ist ja immer noch Körperverletzung.

    Nun bin ich gespannt, wie das zukünftige Patchworkfamilienleben so laufen wird.

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    1. Ja, ich habe es auch sehr genossen, beide interagieren zu lassen, definitiv eine meiner liebsten Stellen an diesem Kapitel.

      Allerdings, er ist wirklich ein unerträglicher Typ, daher hat er das mehr als verdient, muss man an der Stelle einfach so sagen. Stimmt, so betrachtet war es gar nicht so ohne. Ja, wir werden sehen

      Danke danke, freu mich auch darauf, das fortzusetzen

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