Drosselbart oder die Zähmung der eitlen Prinzessin (Teil 2)

Die ersten Tage vergingen wie im Fluge. Hans bemühte sich redlich, ihr alles beizubringen, fegte die Stube, feuerte den Ofen an, kochte das Essen und lieferte ihr dabei allerlei Erklärungen. Sie stellte sich als äußerst ungeschickt heraus, ließ den Krug fallen, setzte das eigene Kleid in Brand, ließ das Essen verkochen, kurzum, er sollte bald zu spüren bekommen, dass er sich nun wirklich keine geschickte Hausmagd angeschafft hatte.

28. Vulkanausbruch (Der Privatlehrer)

John hob das Glas an die Lippen und nahm einen tiefen Zug. Es war vermutlich ohnehin besser gewesen, sich für diesen Tag nicht wiederzusehen. Also hatte er sich bei Mr. Abbott krankheitsbedingt entschuldigt und war zurück zu seiner Kutsche gegangen. Gerade als er losgefahren war, hatte er jedoch eine Beobachtung machen müssen, die sein Blut in Wallung brachte, auch jetzt noch. Josephine war Hand in Hand mit Natalie in Richtung Haus marschiert. War er so einfach zu ersetzen? Weil er nicht wollte, nahm es sich Josephine also woanders? Das nagte unheimlich an ihm.

24. Une affaire douloureuse (Der Privatlehrer)

“Bonjour, Monsieur” Das waren die ersten Worte, die sie ihm entgegen hauchte. Er spürte die Hitze in seine Wangen kriechen, während er sie nicht weniger verstohlen ansah als sie ihn. Noch nie hatte er so einem schönen Mädchen gegenübergestanden. Mit ihrem dunklen, seidigen Haar und den stahlblauen Augen, die sich unter dichten, schwarzen Wimpern verbargen, wirkte sie, als wäre sie einem Maler geradezu aus der Leinwand geklettert.

Zwischenkapitel: Offene Karten (Der Privatlehrer)

Gerade, als er die Treppen hinauf gehen wollte, bemerkte er in der hintersten Ecke des Hofes einen Rappen, der dort erhaben stand. Ein Pferd konnte einen eigentlich nicht abschätzig anblicken, allein der Gedanke war lächerlich, dennoch fühlte es sich so an. Ein mulmiges Gefühl beschlich John. Er schob es beiseite und bestieg die knarrenden Stufen hinauf zu seinem Wohnraum. 

23. Außerhalb der Schulbank (Der Privatlehrer)

Ein weiterer Vorteil an diesem Tag bestand darin, dass sie John nicht sehen musste. Sie freute sich eigentlich immer darauf, das Klassenzimmer zu betreten und in sein Gesicht zu schauen, doch heute war alles anders. Sie schämte sich, seine aufgestellten Regeln so missachtet zu haben und sie schämte sich noch mehr dafür, dass sie es trotz all der Gegenstimmen in ihrem Kopf wieder tun würde. Morgen konnte sie der Situation nicht mehr aus dem Weg gehen. Doch für heute tat es gut, durchzuatmen und all die Gefühle und Gedanken erst einmal für sich zu sortieren.

22. Reitstunde (Der Privatlehrer)

Ausgerechnet heute - und das hatte sie unter all dem Stress bereits vollkommen verdrängt- sollte die erste Reitstunde mit Mademoiselle Laperte stattfinden. Josephine hatte nicht die leiseste Idee, wie sie sich heute noch in einen Sattel schwingen sollte, doch einer sprunghaften Dame wie Natalie wollte sie sicher nicht kurzfristig absagen. Beim letzten Aufeinandertreffen war sie zwar deutlich netter gewesen, doch das fühlte sich mehr als alles einfach nur unberechenbar an.