38. Beistand (Der Privatlehrer)

a/n: In letzter Zeit kam ich nicht allzu viel zum Schreiben, dennoch wollte ich euch die Fortsetzung der Privatlehrer-Geschichte nicht vorenthalten. Aber auch in anderen Sektionen geht es bald weiter 🙂

Als Josephine die Augen aufschlug, war sie nicht sicher, ob der gestrige Abend Ergebnis eines seltsamen Fiebertraumes oder Realität gewesen war. John war hier. Das musste sie sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. John Buchanan war hier unter einem Dach mit ihr. Nach vier Jahren und all den Strapazen. Sie richtete sich langsam auf, streckte sich. Ein Blick auf die Standuhr verriet ihr, dass es bereits nach acht Uhr war. Sie war selbst überrascht, wie gut sie geschlafen hatte. Das Schlafmittel, das sie eingenommen hatte, schien seine Wirkung nicht verfehlt zu haben. Sie richtete sich noch im Nachtkleid auf und warf einen Blick in den Spiegel. Sie sah verschlafen aus, aber längst nicht so blass und erschöpft wie gestern Abend noch. Kurzerhand entschloss sich Josephine, dass sie trotz der schrecklichen Umstände ja nicht aussehen musste wie sie sich fühlte. Also nutzte sie die gute Basis ihres erholten Äußeren und steckte einiges an Mühe in ihre Morgentoilette. 

Sie legte Puder auf, tippte mit den Fingerspitzen vorsichtig Rouge auf ihre Wangen und genau so einen winzigen Hauch auf ihre Lippen. Es sollte nicht aussehen, als wäre sie geschminkt, das war die Kunst dabei. Ihre Haare flocht sie nur zu einem einfachen Zopf, was sie entgegen ihrer sonstigen Frisuren doch als sehr unspektakulär empfand. Aber da sie darauf bestanden hatte, ohne ihr Stubenmädchen zu reisen – ganz zur Empörung ihres gesamten Gutshofes – musste sie wohl für heute mit einer Aufmachung zurecht kommen, die sie ohne fremde Hilfe hin bekam. Josephine betrachtete sich im Spiegel, ihr sommersprossiges Gesicht mit der Stupsnase und den großen, grünen Augen. Noch immer hätte sie gerne reifer und damenhafter gewirkt wie etwa Lottie oder Natalie. Das erste, was Männern zu ihr einfiel war “niedlich” und sie musste zwischen den Laken ordentlich nachlegen, um diese eines Besseren zu belehren. Doch alles in allem war sie bestimmt kein schlechter Fang. Sie straffte die Schultern und blickte ihrem Spiegelbild nun äußerst entschlossen und selbstbewusst entgegen.

Heute war der Tag, an dem sie all ihre Pläne in die Tat umsetzen würde. Heute wäre sie nicht mehr länger schwach und weinerlich. Das war nicht nur für ihr Wiedersehen mit John nützlich. Wenn sie ihrem Vater voller Kraft und Zuversicht beistand, konnte das nur förderlich sein. 

Josephine erhob sich vom Frisiertisch um sich anzuziehen. Sie schlüpfte in ein nachtblaues Kleid mit langen Ärmeln und weißen Abnähern. Vor allem hatte sie es ausgewählt, weil ihr die Farbe dezent genug für den Anlass erschien und man es nach vorne hin schnüren konnte, was sie somit selbst hinbekam. Noch einmal atmete sie durch, dann verließ sie das Zimmer schnellen Schrittes.

“Mademoiselle Abbott, le petit déjeuner ist für Sie im Salon fertig”, erklärte der Butler ihr in gebrochenem Englisch, als sie ihm auf dem Flur begegnete.

“Sehr schön, merci”, erwiderte sie mit einem kühlen Lächeln auf den Lippen und ging mit gemächlichem Schritt weiter. Nun fühlte sie sich fast so abgeklärt wie Natalie. Blieb nur zu hoffen, dass sie das beibehalten konnte.

Als Josephine den Salon betrat, erhob sich John vom Esstisch, an dem er scheinbar bereits auf sie gewartet hatte. Bei seinem Anblick machte ihr Herz einen Hüpfer. Zusammenreißen, mahnte sie sich selbst im Stillen. 

“Josephine, wie geht es dir? Konntest du ein wenig schlafen?”, erkundigte sich John ähnlich aufgeschlossen wie gestern und trat direkt auf sie zu.

Sie lächelte nur dünn und ging direkt an ihm vorbei, wartete demonstrativ auf den Butler, damit dieser ihr den Stuhl vom Tisch abrückte.

“Es war ganz angenehm, danke der Nachfrage”, sprach sie und nahm Platz.

John tat es ihr gleich, hob dabei direkt eine Braue, sah sie mit einem Blick an, als hätte er schon eine gewisse Ahnung, dass das Blatt sich gewendet hatte. Richtig so. 

“Das ist gut. Dann lass uns eine Kleinigkeit essen, ehe wir aufbrechen. Falls du überhaupt etwas runter bekommst.”

“Das werde ich schon. Mit leerem Magen sollte man nicht in den Tag starten, nicht?” Josephine pflückte eine Traube von dem Bund ab und schob sie sich in den Mund, musterte ihn eingehend. Dieses Funkeln in seinen Augen verpasste ihr direkt ein Kribbeln in der Magengegend. Sie wusste, dass er sich benehmen würde. Immerhin lag die Schuld auf seiner Seite.

“Hast du dir nach unserem Wiedersehen die ganze Situation noch einmal durch den Kopf gehen lassen?”, fragte John nun geradeheraus. Ein wenig imponierte ihr, wie wenig er ins Schwitzen geriet. 

“Ich weiß nicht, von welcher “Situation” du sprichst. Gestern war ich wohl zu müde, um es deutlich zu machen. Ich habe dich nicht hierher eingeladen, damit wir alte Geschichten aufwärmen. Es geht mir einzig und allein darum, dass du meinen Vater noch einmal sehen kannst. Nicht mehr und nicht weniger.”

Mit einem Mal sah John sie an wie ein getretener Hund. Das hatte gesessen. Sie konnte sich ein selbstgefälliges Lächeln nicht verkneifen. Genau so hatte sie sich das vorgestellt. 

“Ich verstehe”, erwiderte er nüchtern. “Nun, ich danke dir für diese Möglichkeit, trotz allem, was war.” 

Wie jetzt? Was sollte das denn? Wo zur Hölle war sein Kampfgeist? Enttäuscht zupfte Josephine ein Stück von ihrem Croissant ab und stopfte es wenig ladylike in ihren Mund. 

“Hätte ich mir ja denken können, dass du in dem Brief nur hohle Phrasen gedroschen hast. Schreiben kann man wohl eine Menge”, murrte sie mit halbvollem Mund.

“Wie bitte?!”, erwiderte John nun stirnrunzelnd. 

“Na dieses “Ich werde für immer auf dich warten”- blabla, damit ist es ja nicht sehr weit hin wenn du dich von ein paar Worten gleich abwimmeln lässt, oder?”

“Wer hat gesagt, dass ich mich abwimmeln lasse?”, erwiderte John schlicht. Sie schielte überrascht zu ihm herüber und erneut spürte sie dieses Kribbeln. Sie wusste nun wieder, was sie an ihm fand. Bei all den anderen Männern, mit denen sie sonst etwas gehabt hatte, war das einfach anders gewesen. Diese Entschlossenheit, in die hatte sie sich verliebt.

Pokerface, befahl sie sich selbst und meinte dann “Also hast du vor, dich über meine Wünsche hinweg zu setzen?!”

“Nein, das ist definitiv nicht, was ich vorhabe.” John sah sie unnachgiebig an. Ihr wurde komisch zumute und sie starrte nun stattdessen auf ihren Teller, spürte, wie ihre Wangen heiß wurden. Dabei hatte er nicht einmal etwas gemacht.

“Das ist ja mal ganz was Neues”, nuschelte sie. So viel zu ihrer Abgeklärtheit. 

“Ich bin nicht länger dein Lehrer”, erklärte John. “Die Dinge haben sich grundlegend geändert.”

“Das haben sie”, erwiderte Josephine und fühlte sich dabei wehmütig und verbittert zugleich. Sie vermisste ihn nicht nur als ihren potentiellen Geliebten, sie vermisste auch den alten Posten, den er inne gehabt hatte, so absurd es auch sein mochte. Mit schmerzlicher Nostalgie verfiel sie gedanklich so oft zurück zu ihren gemeinsamen Unterrichtsstunden und sie wünschte sich, die Zeit zurückdrehen zu können. “Du hast alles kaputt gemacht”, murmelte sie dann und bedauerte dass sie sich so traurig fühlte, statt wütend zu sein, wie sie es eigentlich sollte..

“Ich weiß, welche Fehler ich begangen habe und ich kann dir nur aus tiefstem Herzen versprechen, dass ich sie nicht wiederholen werde”, erklärte John und legte seine Hand auf ihre. Sie zog sie weg weil sie spürte, wie sie plötzlich mit den Tränen kämpfte. Und so schnell bröckelte ihre Fassade. Verdammt, warum hatte sie diese Unterredung zu diesem Zeitpunkt in ihrem Kopf für eine gute Idee gehalten? Sie war ein emotionales Wrack, eigentlich war alles, woran sie jetzt denken sollte, ihr Vater. 

“Ich kann es dir nicht so einfach machen”, erklärte sie und spürte, wie der dicke Kloß in ihrem Hals sie kaum reden ließ.

“Ich verstehe”, erwiderte John mit ernstem Blick. 

“Nein, du verstehst überhaupt nichts!”, erwiderte sie und mit einem Schlag kam nun doch die Wut, sie überrollte sie wie eine Lawine. “In den letzten vier Jahren hast du nichts getan, um deine Fehler gutzumachen bis auf diese dämlichen Briefe… weißt du, dass ich keinen einzigen von ihnen gelesen habe?! Ich habe sie alle in meinem Kamin verbrannt. Ja, schau mich bloß nicht so an. Ich hatte nicht das geringste Interesse daran, zu hören, was du mir zu sagen hast. Allein diesen einen Brief habe ich geöffnet, meinem Vater zuliebe. Weil ich wissen wollte, wo du steckst.” 

“Ich wollte dich nicht bedrängen”, erklärte John.

“Blödsinn! Du hattest einfach die Hosen voll, mir nach dem, was du getan hast, noch in die Augen zu sehen! Das ist absolut jämmerlich, weißt du das?! Ich habe dich mal für einen Mann gehalten, eine Respektsperson… und dann habe ich dich mit dieser Schlampe im Bett gesehen und all das war auf einen Schlag verschwunden.” Josephine spürte, wie sie sich in Rage redete. Und wie gut es tat, das alles endlich mal in aller Deutlichkeit auszusprechen. 

“Für eine Zeitlang konnte ich mir wirklich nicht vorstellen, dir noch in die Augen zu sehen”, räumte John ein. “Und ich kann mir nur vorstellen, was dieser Anblick in dir ausgelöst haben muss…”

“Nein… oh nein. Du hast nicht die geringste Ahnung, wie es sich angefühlt hat!”, zischte Josephine. “Ich habe alles dafür getan, dass mir das nie wieder passiert! Weißt du, wie ich die letzten vier Jahre verbracht habe? In so vielen fremden Betten, wie ich nur konnte. Ich wollte nicht die betrogene Frau sein. Ich wollte die sein, mit der die Männer ihre Frau betrügen.”

“Josephine!”, erwiderte John und in seinem Blick steckte ernsthafte Entrüstung. “Du hast nicht ernsthaft…” Oh, das fühlte sich so gut an… genau so hatte sie es sich vorgestellt. Sie hatte zwar keine Ahnung, wie diese Nummer hier ausgehen sollte, aber fürs Erste war das viel besser, als ein trauriges Wrack zu sein. 

“Mademoiselle Abbott?” Der Butler platzte im unpassendsten Moment in den Salon. “Der Kutscher ist da, Docteur Benin schickt ihn mit der Bitte, Sie ins Krankenhaus zu holen.”

“Wir reden später darüber”, sprach John leise zu ihr und erhob sich dann vom Tisch.

“Von mir aus”, erwiderte Josephine schnippisch, auch wenn ihr nun komisch zumute wurde. Er würde sie ja wohl kaum dafür bestrafen, nachdem sie ihm klar gemacht hatte, dass das alles seine Schuld gewesen war. Würde er sich überhaupt rausnehmen, sie zu bestrafen? Wie bereits erwähnt war er nicht länger ihr Lehrer und sie wusste, wie überkorrekt er in solchen Dingen zu sein pflegte. Nicht, dass sie das überhaupt je zugelassen hätte… 

Schweigend verließen sie den Salon und sie warf ihm immer wieder Blicke zu. Sie wollte nicht bereuen, dass sie ihr Herz auf der Zunge getragen hatte, aber ein wenig schwer fiel ihr das gerade schon. Es hatte sich gut angefühlt, die Dinge klar auszusprechen, aber es fühlte sich gar nicht mal so toll an, damit wiederum Johns Gefühle zu verletzen. Und dass sie das getan hatte, daran gab es nichts zu rütteln. Das sah sie in seinen Augen.

Der Kutscher hielt ihnen die Tür auf und sie beide kletterten hinein. Josephine versuchte dabei, John ins Gesicht zu sehen, aber er erwiderte ihren Blick nicht. Verdammt… meinte er das jetzt ernst?!

Frustriert ließ sich Josephine auf die Sitzbank plumpsen. Eigentlich hatte sie gerade ja auch ganz andere Sorgen.

“Meinst du, sie operieren meinen Vater jetzt schon?”, fragte sie.

“Möglich. So etwas fängt ja oft schon früh am Morgen an und sie werden ihn nicht so lange nüchtern warten lassen”, war Johns Prognose. Nun sah er sie wieder aufmunternd an. Josephine schluckte. Dann erhob sie sich von ihrer Sitzbank und nahm direkt neben ihm Platz, schnappte sich seinen Arm und harkte sich selbst ein, legte ihren Kopf an seine Schulter. Das tut viel zu gut, dachte sie wehmütig. 

Er hob eine Hand und strich damit über ihren Haarschopf. Sie schloss kurz die Augen.
“Bild dir aber jetzt bloß nichts hierauf ein”, murmelte sie. “Das hat nicht das Geringste zu bedeuten, hörst du? Ich habe einfach Angst um meinen Dad.”

“Das verstehe ich doch”, erwiderte John mit sanfter Stimme. Sie schluckte etwas. Okay, was sie ihm da eben gesteckt hatte, hatte ihm bestimmt nicht sonderlich geschmeckt. Aber er war nicht von ihr abgeschreckt. Vielleicht ein bisschen entsetzt.

“Hör mal, was ich da vorhin gesagt habe…”, murmelte sie dann. 

“Josephine. Denk jetzt nicht daran. Du hast Recht, es geht gerade nur um deinen Vater. Alles andere können wir später besprechen.”

“Mhhm”, machte Josephine zustimmend. Vor diesem Später hatte sie schon einen Heidenrespekt. Was für eine Gratwanderung das eben gewesen war! Sie hatte ihre eigenen Gefühle unterschätzt. Denn so sehr sie ihn noch liebte, so sehr hasste sie ihn auch für das, was er ihr angetan hatte. Sie hatte Angst, dass sie darüber nicht hinweg kommen würde. Dabei fühlte es sich so gut an, hier bei ihm zu sitzen, seinen vertrauten Duft in der Nase und den Kopf an seiner breiten Schulter. 

Die Fahrt dauerte viel zu kurz. Hier, in der Enge der Kutsche, hatte sie sich für einen Moment fallen lassen können. Als John ihr beim Aussteigen half, musste sie wieder stark werden. Sie musste sich bereit machen für jede erdenkliche Nachricht, die die Ärzte ihr nun im Bezug auf ihren Dad überbringen würden. 

John bot ihr seinen Arm an und sie hakte sich nach einem kurzen Zögern ein.

“Das mache ich aber nur weil ich mich gerade wackelig auf den Beinen fühle”, erklärte sie ihm leise. Er nickte nur zur Antwort und ging dann mit ihr auf das große Gebäude zu. Sie fragten sich am Empfang weiter und wurden zu der Station geschickt, in der ihr Vater untergebracht war.

“Guten Morgen, Mademoiselle Abbott!”, hörte sie da hinter sich. Docteur Benin kam aus einem Zimmer, lächelte ihnen beiden entgegen. “Ich habe schon gehört, sie haben gestern Abend noch Gesellschaft bekommen. Der berühmte Mr. Buchanan, was? Ihr Ruf eilt Ihnen voraus”, sprach der Arzt mit einem Augenzwinkern.

“Tut er das?”, fragte John und schüttelte dann die ausgestreckte Hand des Arztes. Josephine war angespannt. Ihr war jetzt nicht nach solchen Belanglosigkeiten zumute. 

“Gibt es schon Neuigkeiten von meinem Vater?”, fragte sie mit einem gewissen Flehen in der Stimme. 

Der Doktor sah sie milde lächelnd an.

“Wir haben eine erfolgreiche Operation hinter uns, Mademoiselle.”

“Was… schon?! Aber sie wollten mich doch informieren. Moment… erfolgreich, ja?” Josephine wusste gar nicht, wie ihr geschah. Ihre Gefühle überschlugen sich. 

“Sie schienen mir so angespannt, ich hielt es so für das Beste. Wir haben Ihrem Vater ein Magengeschwür in Handtellergröße entfernt. Das ist medizinisch tatsächlich recht ungewöhnlich. Es ist nicht verwunderlich, dass ihr bedauernswerter Herr Vater so gelitten hat.”

“Oh mein Gott”, flüsterte Josephine. Bei der Vorstellung, dass dieses Ding in ihrem armen Vater herangewachsen war, drehte sich ihr selbst der Magen um. John hielt ihre Hand, die auf seinem Arm lag, mit der anderen fest gedrückt. Sie versuchte ruhig zu atmen. 

“Aber nun ist alles wieder in Ordnung? Jetzt wird er wieder ganz gesund?”

“Das hoffen wir. Ihr Vater ist allerdings nicht mehr der Jüngste und sein Allgemeinzustand hat durch die Umstände rapide abgebaut. Wir müssen ihn hier behalten um ihm Infusionen zu geben und ihn zu ernähren, sobald es wieder möglich ist, damit er zu Kräften kommt.”

“In Ordnung”, erwiderte Josephine prompt. “Er kann so lange bleiben, wie es nötig ist. Hauptsache, er wird wieder gesund.”

“Ich möchte Ihnen nichts versprechen. Zunächst einmal muss er aus der Narkose aufwachen. Es gibt zudem viele weitere Hindernisse auf seinem Weg der Gesundung.”

Josephine spürte einen Kloß im Hals. Sie fühlte sich lächerlich, als hätte sie sich zu früh gefreut.

“Kann ich zu ihm?”, fragte sie leise.

“Noch nicht. Er muss erst einmal zu sich kommen. Zudem ist er vollgepumpt mit Schmerzmitteln. Er wird wohl noch eine Weile die rosa Kaninchen sehen…  Wenn Sie hier warten möchten.” Er wies auf eine Reihe Stühle auf dem großzügig gebauten Gang.

Josephine nickte und ließ sich von John den Rücken streicheln. Es war wirklich beruhigend.

“Ich hoffe, meine Unterkunft war zu Ihrer Zufriedenheit, Mademoiselle”, wechselte Docteur Benin nun wieder geschickt das Thema, als hätte er ihr gerade nicht verkündet, dass ihr Vater nach all den Strapazen vielleicht doch sterben könnte. Man musste wohl Arzt sein, um derart unbeschwert in einem Gespräch springen zu können. “Lassen Sie uns drei heute Abend zusammen das Dinner einnehmen.” 

“In Ordnung”, murmelte Josephine abwesend.

“Sehr schön, dann schaue ich jetzt nach unserem Patienten.“ Der Doktor lächelte ihnen beiden noch einmal zu, sprach dann “Mademoiselle Abbott, Monsieur Buchanan”, ehe er den Gang entlang in Richtung Patientenzimmer entschwand. Sie beide nahmen auf den angebotenen Stühlen Platz. 

“Dein Vater ist stark”, redete John ihr nun gut zu. “Hoffen wir das Beste, hm?”

“Du hast ihn die letzten Monate nicht gesehen”, flüsterte Josephine. “Er war nur noch ein Schatten seiner selbst. Und er hat unglaublich viel abgenommen. Immer habe ich mit ihm geschimpft wegen seinem Wohlstandsbauch und jetzt…? Er ist nur noch Haut und Knochen.”

John legte den Arm um sie und sie bettete erneut ihren Kopf auf seine Schulter, ließ sich nur allzu gerne in diese halbe Umarmung ziehen. 

“Er ist hier in den allerbesten Händen. Sie werden gut für ihn sorgen”, sprach John leise. Josephine nickte und kuschelte sich etwas mehr an ihn. Sie wollte diesen Worten des Trostes glauben. 

“Das hier ist aber eine Ausnahme… eine große Ausnahme”, musste sie dennoch klarstellen, wenn auch nur mit leiser, weicher Stimme. Ihr Kopf war inzwischen zu seiner Brust gerutscht und sie legte die Wange auf seinem festen Oberkörper ab.

“Hab ich verstanden”, erwiderte John ganz ruhig, dann legte er beide Arme um sie und hielt sie so fest. Sie nickte und ließ es mit einem innigen Seufzen geschehen.

9 Kommentare zu „38. Beistand (Der Privatlehrer)

  1. Ich liebe deine Geschichte einfach. Ich hoffe du bringst bald wieder neue raus wie gesagt würde ich mich freuen wenn du eine Tribute von Panem Fanfiction schreiben würdest(kennst du das Buch?) Wenn du es nicht kennst könntest du es lesen oder du schreibst einfach eine Harry Potter Fanfiction. Tut mir leid dass ich so viele Wünsche habe ich würde es mir nur einfach cool vorstellen wenn du sowas schreiben würdest LG like p.s. du kannst mir gerne auf diese Nachricht antworten und ich hoffe das war hilfreich für dich

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    1. Hey, erst einmal Dankeschön und das freut mich zu hören 🙂 also wie ich dir in der letzten Antwort schrieb habe ich weder die Bücher gelesen noch die Filme gesehen. Wäre auch etwas weit hergeholt, das nur unter der Prämisse, dass ich ne Spankingstory dazu schreibe, das Ganze konsumiere. Also muss ich an der Stelle wohl passen. Aber vielleicht hast du ja Lust, dahingehend selbst kreativ zu werden? Mich hatte nur interessiert, welcher Chara in deiner Vorstellung wen bestraft.
      Zu Harry Potter: Ich weiß nicht ob da noch eine Fortsetzung kommt. Bisher ist nichts geplant. Ich schreibe ja auch eher selten Fanfiction, ich konzentriere mich gerade eher auf meine eigenen Projekte.

      Glg
      rbg

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      1. Okay das kann ich verstehen, ich finde auch du hast Recht es war vielleicht etwas überstürzt von mir dir diesen Vorschlag zu geben da du die Bücher und die Filme ja noch nicht kennst, ich werde natürlich weiterhin unter deine Geschichten kommentieren und sie lesen Punkt trotz dessen finde ich deine Geschichten echt sehr cool ich mag vor allem Josie und Chef, Truck Stop und umgewandelte Märchen von dir die du umgeschrieben hast. LG like

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  2. Endlich geht es weiter! Wieder eine tolle Geschichte und ich hoffe sehr, dass Josephines Vater überlebt! Auch wenn er nur eine Nebenfigur ist, mag ich ihn. Das zeichnet deine Geschichten übrigens aus, dass selbst deine Nebenfiguren nicht platt sind. Ich bin gespannt, wie es weiter geht und hoffe, dass John, obwohl er nicht mehr Josephines Lehrer ist, durchaus wieder handfest zur Tat schreitet ;-).

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    1. Hey Luise,

      Schön, dass dir die Fortsetzung gefällt. Ja, ich mag auch alle meiner Figuren, selbst die noch so kleinen Nebenrollen und Josephines Vater hat so etwas Reines und Unbedarftes, dass man ihm sicher nichts Schlechtes wünscht.
      Na, wer weiß, wie das noch weitergeht. Fest steht, John hält sich meistens recht streng an auferlegte Regeln 😉

      Glg
      Rbg

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  3. Endlich wieder ein neues Kapitel! Ich habe sehnsüchtig gewartet und wurde nicht enttäuscht! Dein Schreibstil packt mich einfach so sehr, wie du die Szenen und Charaktere beschreibst, wow!

    Ich hoffe auch sehr, dass Josephines Vater nochmal auf die Beine kommt und dass Josephine und John bald zu alter Dynamik zurück finden 😜

    Danke!

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    1. Hallo Frieda,

      na das sind doch mal Komplimente, die runtergehen wie Öl 🙂 freut mich natürlich riesig.

      Und ebenso freue ich mich, dass ihr alle so fleißig mitfiebert. Ich denke, es wird interessant bleiben, mehr verrate ich an der Stelle mal nicht 🙃

      Glg
      rbg

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  4. Ja, ich habe auch sehr lange gespannt auf eine Fortsetzung gewartet und ich muss sagen es hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht, das neue Kapitel zu lesen. Ich hoffe wirklich, Josephine und John Buchanan werden wieder die „alten“.
    Danke für diese tollen Geschichten, ich liebe sie einfach.
    Freue mich schon darauf, dases in den anderen Projekten auch weitergeht aber iwie mag ich die Geschichte mit dem Privatlehrer am meisten. 🙂

    Vielen Dank nochmal und meinen Lob an dich! 😉

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    1. Hi,

      Sehr schön, ich glaube, auch als Leser bemerkt man schnell, dass diese Geschichte einfach meine Herzensangelegenheit und mein „Baby“ ist. Deswegen würde ich sagen, es fällt mir immer am leichtesten, an ihr weiterzuschreiben. Wenn mir jemand eine einsame Hütte und alle Zeit der Welt geben würde, würde ich mich wahrscheinlich unglaublich wohl damit fühlen, endlos an dieser Geschichte zu schreiben 😉

      Umso schöner, wenn sie so gut ankommt, auch wenn nicht immer etwas mit Spanking hier zu lesen ist.

      Glg
      rbg

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