20. Grenzen setzen Teil 1 (Der Privatlehrer)

a/n: Ich wollte dieses Kapitel eigentlich nicht als Zweiteiler hochladen, aber es ist doch so lang geworden, dass ich musste. Sorry! Hoffe, es gefällt dennoch. Ich wollte eigentlich auch nicht so schnell wieder was hochladen, obwohl ich im Moment total im Schreibfluss bin. Allerdings sind hier im Moment auf dieser Seite so viele Besucher, dass ich das eben doch zum Anlass genommen habe. Feedback ist wie immer erwünscht!

Josephine starrte in den Spiegel. Vor sich sah sie ein sommersprossiges Gesicht, das so viel Verwirrung und Furcht widerspiegelte, dass es ganz fremd wirkte. Alice, die ihr das Haar richtete, sprach ohne Punkt und Komma, was eher untypisch für sie war, genau wie dass sie Josephines Gemütszustand so überging. Sie war wohl wirklich aufgeregt. Josephine gelang es kaum, ihr zuzuhören. Zu befangen war sie von dem, was in ihr selbst vorging.

Alice schien so glücklich über ihren zukünftigen Bräutigam. Dabei wusste sie natürlich nicht, dass er es eben erst mit einer anderen getrieben hatte. Und erst recht nicht, dass Josephine auch noch Zeuge des Ganzen gewesen war. Sie wusste nicht, wie die beiden zueinander standen. Natalie schien Finnegan nicht zu lieben, doch beruhte das auch auf Gegenseitigkeit? Erhoffte er sich womöglich mehr?

Und selbst wenn nicht, hatte sie doch den zukünftigen Mann ihrer besten Freundin in einem unglaublich intimen Moment gesehen. Bei Gott, sie wusste, wie sein Penis aussah! Das war einfach falsch.

Und doch war die Heirat die Lösung jeder Sorge, Alice zu verlieren. Sie würde bleiben, sie würde ihren sozialen Status verbessern und war obendrein glücklich damit. Sollte sie ihr das kaputt machen? Wenn sie Alice nun die Wahrheit sagte und sie die Hochzeit darum absagte, wie ginge es für sie weiter? Andererseits hatten sie immer über alles gesprochen. Es fühlte sich allein schon komisch an, dass Alice nichts von ihrer Liebe zu John wusste. 

Josephine verkniff sich gerade so ein unglückliches Seufzen. Ihr Haar war wieder einmal wunderhübsch geflochten worden. Sie würde ja John um Rat fragen, aber dann müsste sie gestehen was sie beobachtet hatte. Das würde ihm ganz sicher nicht gefallen, oder? Sie wusste eigentlich nicht so ganz, ob er ein eifersüchtiger Mensch war. Nun gut, Peter hatte er damals ziemlich zugesetzt, aber das hatte ja doch ein wenig andere Gründe gehabt. 

„Du bist fertig“, sprach Alice schließlich und trat einen Schritt zurück. 

“Entschuldige, meine Gute, aber ich muss jetzt weiter, es sind noch so viele Vorbereitungen zu treffen. Du kommst zurecht, ja?” Sie küsste herzhaft ihre Wange und entschwand dann Josephines Stube, ohne eine Antwort abzuwarten. 

Josephine wusste gar nicht mehr wohin mit ihren Gedanken. Sie hatte sich immer an Alice gewandt, wenn Dinge schwer geworden waren, aber jetzt gerade ging das nicht. Lottie war abgeschrieben, John wollte sie nicht enttäuschen und ihr Vater würde von all dem sowieso nichts verstehen. 

Da blieb nur diese eine Person. Die, die ihr ein komisches Gefühl in der Magengegend verpasste, wenn sie nur an sie dachte. Aber sie hatte immerhin keinen Grund, sie zu belügen. Sie würde ihr sicher sagen können, was zu tun war. Sie wüsste, was Finnegan wirklich empfand. 

Zuvor galt es allerdings erst einmal, den Unterricht für heute zu überstehen. Hoffentlich war sie nicht zu unkonzentriert, sie hatte keine Lust, den Hintern voll zu bekommen. Ihren hübschen, hoffentlich zukünftigen Ehemann zu sehen, darauf freute sie sich allerdings schon. Vielleicht konnte sie ihn ja etwas becircen und das heute morgen gelernte umsetzen. Adrett genug sah sie aus, dachte sie selbstbewusst und stolzierte aus dem Raum. 

Sie trafen sich bereits im Flur und Josephine lächelte ihm mit ihrem zuletzt gestern so wirksam eingesetzten Augenaufschlag entgegen. 

“Guten Morgen, Mr. Buchanan, Sir”

“Guten Morgen, Josephine”, erwiderte er und wirkte ein wenig amüsiert von ihrer offenkundig aufgesetzten Höflichkeit. Sie grinste in sich hinein.

“Ich sehe, du bist heute hochmotiviert, hm? Also, wollen wir?”


“Unbedingt, Sir”, erwiderte sie sogleich und folgte ihm ins Klassenzimmer. Er legte seine Ledertasche auf dem Pult ab, sie nahm auf der Sitzbank Platz und nahm ihn genau in Augenschein. Warum nur musste er so gut aussehen? Das und der Gedanke an Finnegan von heute morgen machten sie wirklich unruhig. Zumindest für den Moment konnte sie das schlechte Gewissen Alice gegenüber beiseite schieben. Ein bisschen Spaß würde ihr nun wirklich gut tun. 

“Beginnen wir heute mit dem Englischunterricht.”

“Shakespeare” schrieb er an die Tafel.


“Oh, ich liebe Shakespeare!”, rief Josephine sogleich aus. Er hob eine Braue. “Regel Nummer eins, junge Dame?!” 

“Ach nun komm schon, jetzt bin ich schon motiviert, hm?” 

“Na schön. Aber eins sag ich dir, wir haben die Disziplin hier in den letzten Tagen genug schleifen lassen, das muss langsam ein Ende finden.”

“Im Leben geht es nicht bloß um Disziplin, Sir. Es geht auch darum, die Welt zu erkunden, sich auszuprobieren, Spaß zu haben…”

“Du hattest 17 Jahre deines Lebens nichts als Vergnügen und wohin hat es dich geführt?” Er lehnte sich im Stehen gegen sein Pult.

Sie zog eine Schmolllippe. “Ich bin doch ganz gut geraten oder etwa nicht?”

“Durch meine Hilfe. Anfangs warst du unerträglich frech und respektlos”, erinnerte er sie. Sie biss sich auf die Lippe. Na schön. Womöglich. Aber jetzt hatte sie sich geändert, nicht? Zur Genüge, wie sie fand. Damit musste man es ja auch nicht übertreiben. 

“Anfangs warst du auch noch ein wenig humorvoller, weißt du? Im Moment scheinst du mir nur noch angespannt zu sein.”

Er sah sie ein wenig zerknirscht an. “Das hat seine Gründe.”

Sie nickte verständnisvoll, erhob sich von ihrem Platz.

“Ich glaube, ich kenne diese Gründe, Sir”, säuselte sie und näherte sich ihm langsam, wie ein Raubtier dass sich an seine Beute heran pirschte. “Und ich weiß jetzt auch allmählich, was man dagegen tun könnte.”

“Josephine”, sprach er mit drohendem Unterton in der Stimme. “Setz dich wieder hin, auf der Stelle.”

“Willst du mich disziplinieren, wenn ich nicht gehorche?”, flüsterte sie. “Fällt dir nicht langsam etwas Besseres ein, was wir anstellen könnten?” Mit diesen Worten schob sie einfach so ihre Hand zwischen seine Beine. Er stieß ein undefinierbares Geräusch aus und machte einen Schritt zurück, doch sie ließ sich so leicht nicht abwimmeln. Viel mehr folgte sie ihm das kleine Stückchen und ging auf die Zehenspitzen, um ihr Gesicht in seinem Hals zu vergraben. Sie spürte deutlich wie er eine Gänsehaut bekam. 

„Das ist deine letzte Warnung“, murmelte er mit rauer Stimme. „Du wirst das auf der Stelle bleiben lassen oder ich werde dich ein für alle Mal empfindlich für dein unangemessenes Verhalten im Unterricht bestrafen müssen“ 

Sie atmete seinen Duft ein, strich seine Hosennaht entlang, unter der sie eine deutliche Veränderung wahrnahm. Sie war vollkommen vertieft in diese Eindrücke. Es hätte ihr gerade nicht egaler sein können, was er dazu zu sagen hatte.

Umso mehr schreckte sie auf als er selbst in ihren Nacken packte, sie ein Stück zu sich hoch zog und an ihr Ohr flüsterte „Geh an den Wandschrank und hol mir, was darin steckt, du unartiges Mädchen.“ 

„Nein…“, hauchte sie und versuchte, sich aus dem Griff zu winden, mit der er ihre Hand energisch aus seinem Schritt schob. 

Ebenso entschlossen stellte er Josephine ein Stück von sich entfernt auf dem Boden ab.

„Oh doch“, sprach er sehr ernst und sehr streng. 

Sie musterte ihn verärgert. Langsam wurde sie aber richtig sauer. In ihr flammte die Wut dieses Mädchens auf, das sein Leben lang stets seinen Willen bekommen hatte. 

„Jetzt habe ich endlich mal den Mut, einen Schritt weiter zu gehen und du willst mich dafür bestrafen. Weißt du wie unfair das ist?!“ 

„Sehe ich durchaus. Aber das hier ist Unterricht. Ich will, dass du etwas lernst, Disziplin und Durchhaltevermögen zeigst, einmal in deinem Leben.“

„Ich halte es wirklich lange schon mit dir Eisklotz aus, findest du nicht?! Das nenne ich Durchhaltevermögen“, erwiderte sie ungehalten. 

„Also langsam glaube ich, unser kleines Stelldichein hat dir überhaupt nicht gut getan. Was ist nur in dich gefahren?! Du wirst von Tag zu Tag wieder dreister und ungehobelter, junge Dame!“ Er trat nun wieder an sie heran, gefährlich nahe. Er wirkte nicht wirklich zornig, eher grimmig-entschlossen. Irgendetwas sagte ihr, dass das hier kein schönes Ende für sie nehmen würde. Doch sie war weit davon entfernt, jetzt klein beizugeben.

„Du hast mir doch den Kopf verdreht, es ist allein deine Schuld, dass ich jetzt mehr von dir will! Oder darf eine Frau das nicht, Sex wollen? Das dürft nur ihr Männer, ja?!“ 

„Was redest du da nur… Ich darf das noch viel weniger als du, ich bin deine Erziehungsperson.“

Sie öffnete wieder den Mund, da gab er ihr einfach so einen Klaps auf den Allerwertesten. Ihr wurde ganz heiß und schwummerig. 

„Na schön, Josephine, ich werde dir da gerne ein paar Dinge erklären. Und dann wird es eine ordentliche Tracht Prügel setzen, denn ich habe das Gefühl, die brauchst du dringend um mal wieder auf die Spur zu kommen“

Sie lehnte sich gegen sein Pult, verschränkte die Arme und sah ihn widerwillig an. 

„Na auf die Erklärung bin ich gespannt.“

„Du hättest in deinem Leben schon so einige Gelegenheiten gehabt, einen Mann zu finden, ist es nicht so? Die rauschenden Feste mit den jungen Kerlen, mit denen du deine Spielchen getrieben hast… Wieso ist es mit keinem von ihnen ernst geworden?“ 

„Ich weiß nicht…“, erwiderte sie etwas zögerlich.

„Ist es dir ernst mit mir?“ 

„Natürlich!“, erwiderte sie wie aus der Pistole geschossen. Er schmunzelte. 

„Es geht mir ähnlich. Nur weißt du selbst, dass das alles nicht gerade einfach wird. Wir können nicht zu deinem Vater gehen und herausposaunen, dass wir einander zugetan sind. Wir müssen Zeit verstreichen lassen. Ich muss dich ordentlich zu Ende unterrichten. Alles andere würde unser beider Ansehen ruinieren.“

Sie biss sich auf die Unterlippe. Ihr Herz schlug gerade unglaublich schnell. Es war ihm so ernst wie ihr. Eine wunderbare Erkenntnis. Das half tatsächlich augenblicklich gegen den Frust. 

„Ach und dann kommen wir zu einem weiteren, wichtigen Punkt. Ich war von Anfang an nicht gerade zimperlich mit dir, nicht wahr?“ 

„Nein“, flüsterte sie verlegen. „Wirklich nicht.“ 

„Nun, ich scheine diesen anderen Männern, denen du nahe warst trotzdem etwas voraus zu haben, huh? Ich sage dir eines, das hier wird sich nicht ändern. Wenn du dich wie eine ungezogene Göre benimmst, werde ich dich wie eine behandeln, ob es dir gefällt oder nicht. Gestern gefiel es dir. Das heute ist definitiv eine „Oder nicht“-Situation. Ich werde dich bestrafen und es wird dir nicht immer gefallen. Es soll dir sogar nicht immer gefallen.“

Sie schluckte und obwohl ihr Mund widersprechen wollte, spürte sie in ihrem tiefsten Innersten, dass ihrem Herzen nicht danach war. 

„Wir verstehen uns, hm? Also geh jetzt an den Schrank und hol mir heraus, was darin ist.“ 

Mit klopfendem Herzen folgte sie nun seinem Befehl. Dabei ließ sie sich seine Worte durch den Kopf gehen. Also meinte er, sie wollte ihn mehr als alle anderen Männer weil er so streng mit ihr war? Das war sicher nicht der Grund… Das konnte nicht der Grund sein! Würde er ihr Liebe schenken, bräuchte sie kein bisschen Prügel mehr! Oder? 

Josephine öffnete den Wandschrank und entdeckte dort ganz frisch platziert im Regal einen kleinen Teppichklopfer, ein Lederding, das der Tawse aus Lotties Haushalt verdächtig ähnelte, sowie ein Feldmesser. Sie fragte sich gerade, wozu das letzte wohl nötig war, als er rief „Alles, bitte.“ 

Mit Blick über die Schulter sah sie ihn fragend an, dann nahm sie alle drei Utensilien heraus.

„Leg sie hier aufs Pult.“ 

Josephine tat, wie ihr geheißen. 

„Wenn du mir jetzt irgendwas abschneiden willst, wäre das tatsächlich außergewöhnlich hart“, befand Josephine und spielte etwas mit dem Messer herum. 

„Weißt du, wo Alice ist?“, war seine für sie überraschende Erwiderung. 

„Ich denke sie bespricht mit ihrer Mutter gerade ihre anstehende Hochzeit. Wieso?“ 

„Wenn sie einen Moment entbehren kann soll sie dir draußen zeigen wie man eine gute Haselrute für eine Züchtigung zurecht schneidet.“

Josephine bekam große Augen. Bisher hatte ihre Freundin ihr diese Form der Bestrafung nur in den schillerndsten Farben geschildert und sie war froh gewesen, dass diese ihr selbst erspart geblieben war. Sie überlegte für einen winzigen Moment, ob sie nicht versuchen sollte, ihn mit dem Messer zu überwältigen. Aber dann seufzte sie tief und meinte „Dann… Bis gleich“. 

„Lass dir besser nicht zu viel Zeit“,mahnte er noch und sie warf ihm einen giftigen Blick zu, ehe sie hinaus trottete. Da fügte man sich schon mal direkt seinem Willen und bekam trotzdem eins reingedrückt.

Sie trat gerade um die Ecke, als sie und ihr Messer um ein Haar in Finnegan hinein gerannt wären. Sie stieß einen kleinen, erschrockenen Schrei aus, der auch ihn aufzucken ließ. Sekunden später, als ihr klar wurde, wie lächerlich ihr Verhalten wirken musste, errötete sie. 

„Was machst du denn hier im Haus?!“, platzte ungehalten aus ihr heraus. 

„Ich bin hier drin bald öfter, Lady Abbott. Aber ich hab eigentlich nach Ihnen gesucht.“ 

„Nach mir?“, erwiderte sie perplex. 

„Ja, können wir mal kurz alleine sprechen?“ 

Was er wohl wollte… Eigentlich kam das gerade sehr ungelegen, doch sie war zu neugierig um ihn jetzt zu vertrösten. 

„Ich habe zu tun“, sprach sie und gab sich betont kühl. „Aber na schön, du darfst mich nach draußen begleiten.“ Hatte das jetzt zu sehr wie eine Imitation von Mademoiselle Laperte geklungen? 

„Sehr wohl“ Er folgte ihr die Treppen hinab, durch die Hintertür in den Garten. 

„Also?“ Sie drehte sich zu ihm um sobald sie ein Stück in den Rosenhecken verschwunden waren. 

Er rieb sich im Nacken. „Wissen Sie, ich hab da ne Bitte.“ 

Sie wurde auf einen Schlag nervös. Immerhin hatte sie ihm bereits zweimal beim Liebesakt zugesehen. Nicht dass er sich da jetzt etwas Falsches draus zusammenreimte. Abwehrend hob sie das Messer etwas mehr vor ihren Körper.

„Ähm… Können Sie das vielleicht weglegen? Ist jetzt beim Reden nicht so entspannend“, warf er ein. 

Na schön. Sein Humor hatte einen gewissen Mut. Verlegen schob sie das Messer halb hinter ihren Rücken. 

„Jetzt sprich schon. Was für eine Bitte soll das sein?!“ 

„Ich hab das mit Alice und mir grade erst erfahren und ich bin wirklich froh. Nur frag ich mich seitdem… Naja sie haben das alles mit Mistress Laperte mitbekommen.“ 

„Zweimal“, gab Josephine prompt zurück. Zu ihrer Überraschung nickte er nur, statt sich von dieser Spitze ärgern zu lassen. 

„Schauen Sie mal, Miss Abbott. Ich will ehrlich sein, ich hab schon viele Frauen… naja gehabt.“

Josephine spürte, wie die Nervosität immer mehr in sie kroch, je länger dieses Gespräch ging. Sie bekam eine Idee, worum es gehen sollte und wusste nicht, wie sie reagieren würde, wenn es zur Sprache kam. 

„Ich will da auch ehrlich zu Alice sein und ihr nichts vormachen. Aber das mit der Mistress, kann das unter uns bleiben?“ 

Sie verschränkte die Arme um Dominanz zu demonstrieren und sah ihn an. 

„Ich habe vor meiner Freundin normalerweise keine Geheimnisse. Ich weiß nun wirklich nicht, wie ich das beiseite schieben soll. Ich habe dich nackt gesehen.“ 

„Oh kommen Sie! Der ganze Gutshof hat Sie nackt gesehen!“ 

Josephine starrte ihn empört an. Am Liebsten hätte sie ihm für diese Dreistigkeit eine gescheuert, aber sie hielt sich gerade so zurück. 

„Hör mal, so redest du nicht mit mir! Ich bin deine Herrin und du willst auch noch etwas von mir. Was fällt dir ein!“

„Entschuldigung“, erwiderte er prompt, wenn auch eher halbherzig. 

„Du kennst überhaupt keine Umgangsformen, ich weiß nicht, wer dich für qualifiziert genug gehalten hat, unser neuer oberster Hausdiener und schlimmer noch, Alice’s Ehemann zu werden.“

„Mir wurde gesagt ich kann mich recht gut durchsetzen und begreife schnell.“ 

„Auf jeden Fall hast du ein großes Mundwerk.“ 

„Wer im Glashaus sitzt…“, murmelte er. Nun reichte es ihr aber wirklich. Sie holte aus, um ihm eine Ohrfeige zu verpassen, da rief auf einmal jemand „JOSEPHINE! WAS ZUM TEUFEL TREIBST DU DA?!“ 

Sie schreckte heftig auf und sah nicht weit von sich zum Gebäude hinauf, wo Mr. Buchanan an dem geöffneten Fenster stand. 

„Ich… Komme gleich, Sir!“ 

„Nichts da, gleich, jetzt sofort! Oh du bist so was von reif, Fräulein“ 

Oh Gott. Na das unterstrich ihre Position an diesem Hof ja ganz wundervoll. Sie sah mit puterrotem Gesicht zu Finnegan, der den Kopf ein wenig schieflegte.

„Wir müssen ein andermal darüber reden. Na los jetzt, schneid mir eine Haselgerte ab!“ Sie drückte ihm hektisch das Messer in die Hand. Er wusste sicher, wie das ging. 

Mit einem wissenden Grinsen meinte er „Kommen Sie mit“ und sie folgte ihm in Richtung Stallungen, wo er vor einem Haselstrauch Halt machte. Er befühlte die Äste und schnitt ihr dann gleich zwei Stück gleich am Stamm ab. 

„Ich brauche nur einen“, widersprach sie, während sie ihm gewissermaßen fasziniert dabei zusah, wie mit flinken Fingern mithilfe des Messers die Stöcke von ihren Trieben befreite. 

„Bei einer heftigen Bestrafung kann schnell mal etwas entzwei gehen. Sicher ist sicher“, erwiderte er, bearbeitete auch den zweiten Stock und reichte ihr dann beide. Sie bekam eine Gänsehaut, als sie diese genauer in Augenschein nahm. 

„Sind die nicht etwas zu dick? Kleinere würden es doch sicher auch tun.“

„Glauben Sie mir, die haben eine gute Größe. Also, kann ich mich bei der Sache auf Ihr Schweigen verlassen?“, fragte er dann wie beiläufig. Dumm war er ja wirklich nicht. 

„Ich habe jetzt keine Zeit für dich, außerdem muss ich darüber nachdenken“, erwiderte sie ein wenig unwirsch. „Wir treffen uns bei Sonnenuntergang am Stall. Nur wir beide, verstanden?“ 

„Klar“ 

Sie schnappte sich noch das Messer, dann nahm sie die Beine in die Hand um zum Klassenzimmer zurückzukehren. 

8 Kommentare zu „20. Grenzen setzen Teil 1 (Der Privatlehrer)

  1. Hallo Autorin
    Kein Zufall, dass du derzeit so viele
    Besucher hast.
    Schreibst ja auch Klasse.
    So in dieser Geschichte, die ja vom
    doppelten Spannungsbogen lebt.
    Zum einen, ob Josephine ihre
    Kenntnis über Finnegans Sex ausplaudert. Aus meiner Sicht,
    wenn dieser noch nichts von der
    Eheschließung mit Alice wusste,
    Welcher Vorwurf ist ihm zu machen?
    Soll er denn keusch leben??
    Der andere Spannungsbogen bezieht
    sich darauf, wann endlich Josephine
    Ihre verdiente Dresche bekommt.
    Wenn sie die Grenze zwischen Schülerin und potenzieller Geliebter
    Nicht ziehen will, muss sie halt den Preis dafür zahlen.
    Verbleiben für mich eine große
    Und eine kleine Frage:
    Die kleine: wann erwischt es endlich
    wieder den Hintern von Alice? Viel
    Zu lang ist sie ungeschoren geblieben!
    Die große Frage lautet natürlich:
    Wann endlich endlich landet
    Josephine mit ihrem Privatlehrer
    Im Bett??

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Lorenzen,

      Danke für deine lieben Worte und auch deine Perspektive zu der Geschichte.
      Ich kann dir versprechen, dass ich all deine Fragen im Laufe der nächsten Kapitel mehr oder weniger beantworten werden. Einige sehr zeitnah, manche vielleicht eher später.
      Im Grunde ist denke ich die Frage eher ob Josephine sagen sollte dass sie Zeugin des Ganzen war oder nicht.
      Josephine wird jedenfalls demnächst nichts zu lachen haben!

      Zu deinem anderen Kommentar, nein, das nehme ich schon mal vorweg, Josephine wollte Finnegan zwar in dem Moment für seine Dreistigkeit eine scheuern, aber sie trifft ihn nicht, um ihn zu verprügeln. Viel mehr hatte sie ja ihre Entscheidung noch nicht mitgeteilt, was sie wegen Alice machen will.

      Glg
      rbg

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  2. Den Schreibfluss merkt man der Story an – im positiven Sinne.

    Die Entwicklung der Szenerie gelingt Dir sehr gut, indem Du mit der vorbereitenden Beschreibung auf das eigentliche Geschehen (das dann wohl im nächsten Teil stattfinden wird) erst einmal die Phantasie und das Kopfkino des Lesers anwirfst.

    Gefällt 1 Person

  3. Oh … ich bin neidisch welch komplexe Storylines Du ersinnen kannst (und in meinem Kopf herrscht gerade Leere, was neue Geschichten angeht).

    Ich kann meinen Vorrednern nur zustimmen: Das macht neugierig auf die Fortsetzung der verschiedenen Handlungsstränge – und natürlich auch darauf, wie Josephine wohl auf die Haselrute reagiert.

    Gefällt 1 Person

    1. Hey,
      Oha, Neid ist die höchste Form von Anerkennung, heißt es so nicht? 😀 Allerdings wünsche ich dir (und mir als Leserin) doch, dass dich bald wieder die Muse küsst. Ich glaube, ich fände es im Gegenzug richtig schwierig, mir immer neue Szenarien auszudenken, daher bewundere ich dahingehend dich.

      Ich hoffe, die Fortsetzung der Handlung UND Josephines Reaktion werden dir gefallen 😉

      glg

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