24. Une affaire douloureuse (Der Privatlehrer)

a/n: Hier ist im Moment ja nicht viel los. Womöglich sind alle schon in Sommerpause 😀 Ich sorge heute dennoch mal für Nachschub. Heute kommt etwas brisante Hintergrundgeschichte.

“Bonjour, Monsieur” Das waren die ersten Worte, die sie ihm entgegen hauchte. Er spürte die Hitze in seine Wangen kriechen, während er sie nicht weniger verstohlen ansah als sie ihn. Noch nie hatte er so einem schönen Mädchen gegenübergestanden. Mit ihrem dunklen, seidigen Haar und den stahlblauen Augen, die sich unter dichten, schwarzen Wimpern verbargen, wirkte sie, als wäre sie einem Maler geradezu aus der Leinwand geklettert.

“Kannst du nicht sprechen?”, fragte sie kess, als er ihr auch nach einem ganzen Moment noch keine Antwort gab.

“Doch… doch”, stammelte er. “Bonjour. Madame… Laperte, richtig?”

Sie kicherte. “Wirke ich auf dich wie eine alte Frau? Mademoiselle heißt das, Dummerchen.”

“Oh. Das tut mir so leid… ich wollte nicht…”

“Schon vergessen. Komm schon, ich zeig dir alles.” Wie selbstverständlich legte sie ihre kleine, weiße Hand in seine und zog ihn, sobald sie ihn gepackt hatte, mit erstaunlich festem Griff mit sich.

Sein Herz pochte wie verrückt, während sie in ihrer hellen, engelsgleichen Stimme erzählte und erzählte. Er versuchte, alles aufzunehmen, was sie sagte, wollte um jeden Preis jedes noch so kleine Detail wissen, doch er war viel zu nervös.

“Wieso schwitzt du denn so sehr?”, fragte sie neugierig, als sie das bemerkte. “Leg doch deinen Mantel ab.” Sie winkte einen Diener heran, der ohne eine Frage zu stellen den Mantel von seinem Körper zog. John war beeindruckt. Von der Souveränität des Mädchens, ihrer Entschlossenheit, ihrer Schönheit, ihrer Fürsorge.

Eine Stunde nach ihrem ersten Zusammentreffen wusste er bereits, dass er sie liebte. Wie könnte er auch nicht.

“Das hat Spaß gemacht”, befand sie und strahlte ihm entgegen. “Ich zeige dir jetzt dein Zimmer. Wenn du dich anständig verhältst und deine Arbeit gut machst, wirst du lange hier bleiben dürfen. Sagt Papa”, fügte sie verstohlen hinzu und zwinkerte. Ihm wurde schwummerig.

Von nun an sahen sie sich jeden Tag. Meistens besuchte sie ihn, wenn er Arbeiten verrichtete. Sie verkürzte ihm die Zeit beim Schuhe putzen durch zahlreiche Abenteuergeschichten und Märchen, sie setzte sich auf die Treppe wenn er die Dielen schrubbte und erzählte ihm von fernen Ländern, in die sie reisen wollte, sie saß auf der Schaukel, während er die Gartenarbeit verrichtete und sprach von einer gemeinsamen Zukunft mit ihm.

“Du gefällst mir so, John”, erklärte sie eines Tages. Er grub das Beet für neue Setzlinge um und sie lehnte an einem Baum nicht weit von ihm und aß Kirschen. Die Kerne spuckte sie in die Gegend.

“Ich wünschte wirklich, ich könnte dich heiraten und nicht so einen edlen, reichen Pinkel, der sich nur für sein Geld interessiert.”

John wischte sich über die nasse Stirn. Trotz der schweren Arbeit strahlte er ihr entgegen.

“Das wünschte ich auch, Natalie.”

“Kannst du dann nicht Jean-Luc für mich vertreiben? Oh bitte, er ist schrecklich eingebildet und sein Atem riecht nach Thunfisch.”

John kräuselte die Nase, angewidert von dem Gedanken. “Sag doch deinem Vater, dass er gehen soll.”

“Das habe ich schon. Interessiert ihn nicht. Typisch. Jean-Lucs Familie ist ja soo reich… es wird unser Ansehen stärken. Pfui, was interessiert mich das, wenn ich so einen Fischmund küssen soll!”

“Ich helfe dir”, sprach John eifrig, er steckte mit beiden Armen tief in der Erde.

“Prima! Am Besten wäre es, er hätte einen Unfall. Ein gebrochenes Bein etwa, etwas, das ihn abschreckt und lange außer Gefecht setzt.”

John wurde blass. Er hatte gedacht, er sollte diesen Jean-Luc vielleicht mal in den Schwitzkasten nehmen oder ihm höchstens einen Kinnhaken verpassen.

“Ein gebrochenes Bein? Muss das denn sein?”, fragte er vorsichtig an. Natalie hatte sich vom Baum abgestoßen und sich ihm Schritt für Schritt genähert.

“John”, flüsterte sie verschwörerisch. “Ich liebe dich, hörst du? Und wenn ich sehe und spüre, dass du meine Liebe erwiderst, steht ihr nichts mehr im Weg, hm?”

Noch bevor er eine Antwort geben konnte, küsste sie genüsslich seinen Nacken. Ein wohliger Schauer durchfuhr ihn. Ehe er genau verstand, wie ihm geschah, hatte sie um ihn herum gegriffen und strich über seine Hosen, genau dort, wo sich der Schritt allmählich auszubeulen begann.

“Wir haben lange genug wie Bruder und Schwester nebeneinander her gelebt, ma cher” flüsterte sie an sein Ohr. Alles an ihr fühlte sich so schön und gut an. “Es wird Zeit, deine Nähe zu spüren. Ganz und gar. Wenn nur die Sache mit Jean-Luc erledigt wäre…”

Das wäre nicht sein erstes Mal, dachte er mutig. Vor der Überfahrt von England nach Frankreich hatten seine Schiffskumpanen -alle erheblich älter als er- befunden, dass er unmöglich als Jungfrau Fuß in Frankreich fassen konnte. Also hatten sie ihn mit einer Menge Rum abgefüllt und ihn noch in Dover zu einer der Hafenhuren gebracht. Es war eine schwitzige, äußerst unangenehme Angelegenheit gewesen, zumal gut und gerne 5 gröhlende Männer um ihn herum gestanden hatten. Nach den paar zielführenden Stößen hatten sie ihm anerkennend auf die Schulter geklopft und ihm noch mehr Schwarzgebrannten eingeflößt, sodass er kaum mehr selbstständig aufs Schiff hatte laufen können.

Hier, in diesem wunderschönen Garten, mit diesem noch viel schöneren Mädchen schien all das so fremd und fern. Doch trotz der grauenhaften Erinnerungen an dieses Erlebnis war er froh, Natalie nun zumindest nicht unerfahren gegenüberzutreten.

Mit einem Mal drehte sie ihn zu sich um, sah ihn mit einem Feuer im Blick an, das er von ihr nicht kannte. „Los John… berühr mich“, hauchte sie.

„Meine Hände sind ganz schmutzig“, stammelte er, doch sie packte sie und legte sie auf ihre von der Corsage hochgeschnürten Brüste.

Plötzlich ertönte ein empörter Schrei und der oberste Hausdiener kam ihnen beiden entgegen gewetzt. Er warf mit allerlei französischen Worten um sich, die John nicht verstand und riss ihn auf seine Füße, prügelte mit seinem Gehstock wüst auf ihn ein. Nach einer Salve Schläge auf Beine und Rücken fand er eine neue Position, klemmte Johns Kopf zwischen seinen Oberschenkeln ein und drosch auf sein so hochgerecktes Hinterteil ein. John waren Prügel zwar nicht unbekannt, doch die Härte und der Überraschungseffekt trafen ihn so stark, dass er sich selbst gedämpft schreien hörte wie am Spieß. Was nur würde Natalie denken, dachte er dann plötzlich. Sie musste ihn für eine Memme halten! Durch seine Beine hindurch sah er sie, an der Brust beschmiert mit Erde stand sie dort und beobachtete stumm das Spektakel. Und dann plötzlich sah er ein kleines, zufriedenes Lächeln auf ihren Lippen. Das musste er sich einbilden!

Endlich ließ der Alte ihn los, jedoch nur um ihn mit dem Stock und allerlei Beschimpfungen ins Haus zu treiben.

Am Abend konnte er sich kaum regen, lag bäuchlings auf dem Bett und verfluchte diesen gestrengen Hausdiener. Sicher würde das seine Chancen bei Natalie zunichte machen. Doch plötzlich klopfte es an der Zimmertür und sie trat ein. Mit ihrem bodenlangen, weißen Nachthemd und der mitfühlenden Miene sah sie aus wie ein Engel.

„Mein armer Schatz“, hauchte sie. „Sieh, ich hab dir eine lindernde Salbe mitgebracht.“ Sie begann behutsam, die Striemen an seinem nackten Rücken einzureiben und griff dann plötzlich geschickt unter ihn, schnürte seine Hose auf.

„Nicht!“, wehrte er mit heißem Gesicht ab. Sie sollte nicht sein nacktes Hinterteil in diesem Zustand sehen. Doch statt sich gar zurückzuhalten gab sie ihm einen Klaps auf die Hand.

„Ich will dir nur helfen, stupide“ Wohl oder übel ließ er also zu, dass sie seine Hose herunterriss und geräuschvoll durch die Zähne pfiff. „Oh ja, das sieht schlimm aus. Du musst ja schrecklich leiden.“

„Es geht schon“, knirschte er. Der Stock hatte dicke, lila-blaue Striemen hinterlassen, die sie nun begann, mit den Fingern einzureiben. Viel mehr knetete sie seinen Hintern und die wunden Stellen ordentlich durch. Er wollte keine Memme sein, doch so manchen Aua-Laut konnte er sich nicht verkneifen.

„Es ist nur zu deinem Besten, ma Cher“, säuselte sie. „Es wird dir gut tun.“ Das fiel ihm schwer zu glauben. Sein Hinterteil pochte nun schlimmer als je zuvor.

„So, das war’s“ Sie gab ihm mit der flachen Hand einen Klaps, der ihm durch Mark und Bein ging und ihn noch einmal schmerzlich zum Seufzen brachte. „Und jetzt dreh dich um. Wollen wir mal sehen wie wir dich wieder glücklich bekommen.“

Leise ächzend drehte er sich auf den Rücken. Sie sorgte dafür, dass er sich flach aufs Bett legte. So schien er gerade jede einzelne Strieme überdeutlich zu spüren.

„Dieser Grobian“, flüsterte Natalie mitfühlend, dann ließ sie ihre Hand über sein bestes Stück gleiten.

An diesem Abend spürte er zum ersten Mal die geschickten Hände einer Frau an seinem Schwanz, er spürte, wie ihre warme Mundhöhle ihn aufnahm, ihre Zunge, die seine Länge entlang glitt. Sie schienen Ewigkeiten in diesem Schlafzimmer verbringen, denn jedes Mal wenn er dieses gewisse, beinahe unerträgliche Kribbeln spürte, machte sie eine Pause und begann dann von vorne. Hätte seine Rückseite bloß nicht so sehr wehgetan…

„So mein Großer, nun komm für mich“, flüsterte sie schließlich und ließ ihn erneut in ihrem Mund verschwinden, saugte kräftig an ihm und züngelte über seine Spitze. Diese Intensität gab ihm den Rest. Geräuschvoll ließ er seinen Höhepunkt verlauten, krallte sich ins Bett. Unfassbar, wie gut sie das konnte. Dabei war sie doch gerade erst 16 Jahre alt.

“Und sorg dich nicht wegen des Hausdieners”, flüsterte sie ihm noch zu, bevor sie ging. “Ich habe mit ihm gesprochen und ihn daran erinnert, dass ich genau weiß, wie er des Nachts die Hausbar plündert. Er wird meinen Eltern nichts verraten.”

Mit einem zarten Kuss auf seine Wange ließ Natalie ihn verschwitzt, erschöpft und verwirrt im Bett zurück.

Von nun an besuchte sie ihn beinahe jede Nacht. Manchmal vergnügte sie sich wie am ersten Abend mit seinem besten Stück, dann wieder zog sie sich selbst aus und ließ ihn ihren makellosen Körper berühren. Er lernte in kürzester Zeit viel von ihr, während sie ihn ihre Nippel lecken und Finger und Zunge in ihr versenken ließ. Zum Beispiel, dass es darauf gar nicht so sehr ankam, sondern dass das kleine, perlenförmige Stückchen Haut, das dort saß, wo ihre Schamlippen sich trennten, ganz besonders viel Aufmerksamkeit brauchte.

Oft genug war sie jedoch auch besonders unvorsichtig und kam ihm näher, während er seine Arbeiten im Haus verrichtete. Zunächst glaubte er ihr, dass sie dem Drang einfach nicht widerstehen konnte, ihm nahe zu sein, doch nachdem sie dabei jedes Mal erwischt wurden und er regelmäßig Prügel vom Hausdiener kassierte, keimten in ihm erste Zweifel auf. Vor allem weil sie in den Nächten, wenn er am Stärksten malträtiert worden war, ganz besonders ausgiebig mit ihm zu spielen schien.

Eines Nachts kam sie selbst mit ihrer Reitpeitsche bewaffnet in sein Schlafzimmer, behauptete, er habe ihrem Dienstmädchen schöne Augen gemacht. All seine Beteuerungen, dass er nur Augen für sie hatte- was aus vollstem Herzen der Wahrheit entsprach- schmetterte sie ab und war erst zufrieden als er beipflichtete, sich von ihr für sein schlechtes Benehmen bestrafen zu lassen. Das bereute er schnell, denn sie striemte sein Hinterteil und seine Schenkel daraufhin sehr gründlich durch und ließ die Lederspitze der Reitgerte sogar auf seinen Hoden klatschen. Danach rieb sie sich nackt an seinem Schwanz, bis sie beide zum Höhepunkt kamen.

“Es wird Zeit, Jean-Luc loszuwerden”, erklärte sie, während er völlig entkräftet im Bett lag und versuchte, seine Schmerzen wegzurationalisieren, die nach der abgeebbten Erregung nun wieder besonders präsent waren. “Ich will endlich richtig mit dir schlafen, diese Trockenübungen sind nun wirklich kein Zustand mehr.”

“Wir könnten es sofort tun”, sprach er gierig und brachte sich über sie. Zur Antwort drückte sie ihr Knie unsanft gegen sein Gemächt.

“Nein. Nicht so schnell. Das darfst du erst wenn du ihn mir vom Hals geschafft hast, hörst du?!” Er atmete schwer und wich dem von ihr ausgeübten Druck aus.
“Na schön. Ich könnte ihn unter einem Vorwand auf das Scheunendach locken. Ihm vielleicht einige lose Ziegel zeigen oder etwas in der Art.”

“Warum sollte Jean-Luc sich die Finger wegen ein paar losen Ziegeln schmutzig machen? Ich werde mit ihm auf dem Dach ein Picknick machen und du wirst zufällig dort sein, um etwas zu reparieren.”

Er nickte. Ihm war mulmig zumute. Jean-Luc war sein Konkurrent und damit zu beseitigen, doch im Grunde hatte er sich ihm gegenüber stets freundlich verhalten. Außerdem war er erheblich kleiner als er und wog vielleicht die Hälfte, ein verwöhnter Hänfling, der keine körperliche Arbeit kannte. Er hatte eigentlich nicht die geringste Lust, den armen Kerl ernsthaft zu verletzen. Doch das alles sagte er nicht. Er sah in das unvergleichlich schöne Gesicht seiner Geliebten und spürte dabei jeden noch so großen Widerstand dahinschmelzen.

Am Nachmittag des nächsten Tages geschah es wie von ihnen abgesprochen. John hantierte am Dach des Schuppens herum, als Natalie und Jean-Luc die kleine Leiter hinauf geklettert kamen.

“Können wir nicht an einem netteren Ort picknicken?”, fragte Jean-Luc besorgt. “Ich mag Höhen nicht besonders wie du weißt.”

“”Hör auf zu jammern. Wenn du mich heiraten willst, musst du ein Mann sein”, schmetterte sie ihn kühl ab, dann tat sie überrascht, als sie John ansah. “John, guten Tag. Was tust du denn da?”

“Ich repariere das Dach, Mademoiselle Laperte. Einige Ziegel sind lose.”

“Ach herrje”, Sie kletterte zu ihm herüber und Jean-Luc rief mit angehaltenem Atem “Vorsicht, Chérie!”

“Da hast du aber noch viel Arbeit vor dir, du Ärmster. Und das in der prallen Sonne. Jean-Luc, kannst du ihm nicht etwas zur Hand gehen?”, fragte sie mit sanftem Wimpernaufschlag. John stockte der Atem. Wie konnte man nur gleichzeitig so schön und so durchtrieben sein?

“Ich denke, das schafft der englische Junge schon ganz gut ohne mich”, murmelte Angesprochener. Obwohl er auf der flachen Mitte des Daches saß, klammerte er sich fest und war leichenblass.

“Nun sei kein Feigling!”, rief Natalie ungehalten. “Lass dich das Stück herunterrutschen, jedes Kind könnte das.”

“Lass ihn doch”, murmelte John. Er bekam zunehmend ein schlechtes Gewissen. Diese schmächtige Gestalt tat keiner Fliege etwas zuleide, was wäre er für ein Mensch, ihm das anzutun? Er wollte Natalie beeindrucken und er wollte auch endlich das letzte bisschen Nähe zu ihr, doch gerade wurde ihm klar, dass er einen zu hohen Preis dafür zahlen sollte.

“Auf keinen Fall!”, zischte diese jedoch und kletterte zurück zu Jean-Luc, packte ihn am Bein und zerrte ihn so hinab zur Dachrinne.

“Natalie!”, schrie dieser auf. “Was tust du?!”

“Na los, wenn du mich liebst, zeigst du es mir jetzt!” Sie sah John fordernd an. In ihren hellen, schönen Augen, blitzte etwas Kühles. Sie zog keine Grimasse, sie sah ihn nur fordernd an und dennoch fand er gerade etwas an ihr unglaublich hässlich. Er spürte, wie genau in diesem Moment die naive, bedingungslose Zuneigung, die er empfunden hatte, einen tiefen Riss bekam.

Er sah zu Jean-Luc, leichenblass und zitternd, der mit Leibeskräften an den Dachziegeln Halt suchte.

“Nein”, sprach er schlicht. Sie gab einen zornigen Laut von sich, gerade wie eine wilde Löwin, der man die Beute entrissen hatte, dann zerrte sie Jean-Luc am Arm und gab ihm einen beherzten Schubser. Er strauchelte, schrie panisch auf, fiel zurück und wäre um ein Haar von der Dachrinne gestürzt, hätte John ihn nicht seinerseits am Schlafittchen gepackt und zurückgezogen.

“Was tust du denn da?!”, schrie sie ihm unbeherrscht entgegen.

Er sagte kein Wort mehr. Stattdessen sprach er beruhigend mit dem völlig verstörten Jean-Luc und half ihm die Leiter herab.

“Du bist so ein Idiot, John Buchanan!”, zeterte sie während seines Abstiegs. “Du hättest alles haben können und wirfst es weg, um hier den Helden zu spielen! Ein Trottel bist du, nicht mehr! Dass du dir überhaupt eingebildet hast, dass ich dich haben wollen würde, so einen mittellosen Versager ohne Rückgrat!”

Jedes ihrer Worte traf ihn wie ein Dolch, doch davon versuchte er sich nichts anmerken zu lassen. Er brachte Jean-Luc ins Haus, wo ein Arzt nach ihm sah. Er und seine Familie reisten noch am selben Tag ab.

Natalie strafte ihn von diesem Moment an mit Ignoranz. Schnell fand sie einen neuen Mann, einen reichen Industriellen mit Namen Fournier. Sie stolzierte mit ihm überall dort entlang, wo er gerade Arbeiten zu verrichten hatte und lachte kokett über jeden noch so schlechten Witz, den dieser von sich gab.

John war nun, da nicht mehr auf ihre allabendlichen Besuche wartete, fast jeden Abend in schäbigen Spelunken unterwegs. Er verspielte und vertrank all das großzügige Gehalt der Lapertes, doch immerhin verbesserte er hier ganz ohne es zu beabsichtigen seine Französischkenntnisse beim Kartenspielen mit den Einheimischen.

Er lernte Mädchen kennen, mehr als nur eine, doch sein Herz war gefüllt mit Frust und Trauer über den Verlust seiner ersten, großen Liebe.

Eines Nachts- er war mal wieder vollkommen betrunken in voller Montur ins Bett gefallen- weckten ihn unsanfte Rüttler gegen die Schulter. Verwirrt öffnete er die Augen und sah in Natalies Gesicht. Sein Atem stockte. Er hatte es seit Wochen vermieden, sie so genau anzusehen wie gerade jetzt.

“Ich hatte ehrlich gesagt etwas mehr Kampfgeist von dir erwartet”, flüsterte sie. Dann küsste sie ihn einfach, rutschte auf seinen Schoß. Ehe er richtig verstand, wie ihm geschah, hatte sie ihn mit wenigen, gezielten Handgriffen hart bekommen und dirigierte ihn ohne Umschweife in sich hinein.

Er stöhnte hemmungslos und ließ sich ohne jede Gegenwehr von ihr reiten. Dieses kleine Vergnügen, auf das er so lange hingefiebert hatte, war genau so schnell vorbei wie es begonnen hatte. Ihr Tempo war so schnell und unnachgiebig, dass er rasch seinen Höhepunkt fand. Doch auch die Laute, die sie von sich gab, zeugten davon, dass sie auf ihre Kosten kam.

“Das war überfällig”, befand sie schließlich und kletterte von ihm herunter. Sie gab ihm einen tätschelnden Klaps auf die Wange. “Trink nicht so viel. Und kämpf um mich, wie es sich gehört, verstanden?” Mit diesen Worten verließ sie den Raum wieder.

Von nun an sprachen sie wieder miteinander, doch das selbe magische Gefühl wie am Anfang wollte nicht mehr in John aufkeimen. Wenn sie ihm Geschichten erzählte, fragte er sich nun, welche von ihnen überhaupt stimmten. Wenn sie sich ihm näherte, machte er schon einen Schritt von ihr weg, weil er hinter der nächsten Ecke einen Anstandswauwau vermutete. Er konnte sich ihr nicht ganz entziehen, ihre Schönheit und Anmut waren weiterhin betörend, doch er konnte auch nicht vergessen, wie sie den wehrlosen Jean-Luc vom Dach geschubst hatte.

Wenn sie ihn jedoch des Nachts besuchte, gab es für ihn nicht die geringste Chance, sich dem Zauber zu entziehen. Sie hatten großartigen Sex, hemmungs- und rücksichtslos. Immer seltener schaffte sie es ihn zu überrumpeln wie beim ersten Mal und das ständige Spiel um die Oberhand war unglaublich reizvoll.

“Ich werde Fournier nächsten Monat heiraten.” Als sie nach dem Sex eng umschlungen im Bett lagen, sagte sie diesen Satz. Obwohl er glaubte, sich von ihr entfernt zu haben, zumindest was seine Gefühle betraf, fühlte er sich wie vom Donner gerührt.

“Wie bitte?!”, murmelte er.

“Oh, keine Sorge. Das ist eine reine Formsache. Ich brauche Sicherheit. Natürlich bleibst du hier bei mir und wir machen genau weiter wie zuvor, mein Schönster.” Sie strich mit den Fingern sein Kinn entlang.

“Und wenn mir erst Fourniers Erbe zusteht, bist du diesmal ja vielleicht ein wenig mutiger…”, flüsterte sie dann kess.

Augenblicklich richtete er sich auf, schob sie von sich.

“Was ist denn jetzt los?!”, fragte sie irritiert und auch etwas verärgert.

“Ich werde dich verlassen”, sprach er ernst. Er schlüpfte wieder in seine zuvor noch überall verstreute Kleidung. Ihren fassungslosen Blick ignorierte er.

“Du machst Witze”, sprach sie trocken. “Niemand verlässt mich, hörst du?!”

“Es gibt für alles ein erstes Mal, schätze ich”, erwiderte er betont gleichmütig und schloss seine Hose.

“So ein Kerl bist du also? Zum Ficken bin ich dir gut genug und jetzt, wo du mich hattest, machst du dich aus dem Staub?!”

“Wir beide wissen genau, dass das nicht die Wahrheit ist”, erwiderte er. “Ich bin nicht dein Spielzeug, Natalie. Nicht mehr.”

“Das wirst du bereuen!”, zischte sie. “Bei Gott, ich schwöre dir, du willst mich nicht zum Feind haben!”

“Ich habe dich lieber zum Feind als dein Komplize zu sein. Mach dir doch zur Abwechslung selbst die Finger schmutzig. Wie es aussieht, scheint dich da wenig zu hemmen.” John schlüpfte in seine Schuhe. “Ich hole morgen meine Sachen ab. Adieu, Natalie.”

Sie sprang vom Bett auf und pfefferte ihm eine heftige Ohrfeige ins Gesicht, packte ihn am Arm und funkelte ihn an. “Du bleibst genau wo du bist! Ich vergesse deine Gemeinheiten und du reißt dich jetzt gefälligst zusammen, hörst du?!”

John riss sich unsanft von ihr los. “Lass es. Du machst dich lächerlich.” Mit diesen Worten ließ er sie stehen. In ihm kochte es. Sein Inneres war bei weitem nicht so gelassen wie seine Fassade weismachen wollte. Nach all den Nächten hatte er geglaubt, es wäre doch mehr zwischen ihnen. Vielleicht hatte er sogar gehofft, es könnte wieder sein wie am Anfang. Dass er sie umkrempeln konnte, zu seiner Frau machen, einer ehrbaren Frau, die Männer nicht nach ihrem Belieben ausnutzte. Wie naiv.

Die Nacht verbrachte er in der Kneipe, betrank sich bis zur Besinnungslosigkeit. Am Morgen erwachte er am Tresen der Bar, sein Kopf schmerzte höllisch und er schien kaum noch Kraft für irgendetwas zu haben. Er sollte sich seine Kleidung und den Lohn der letzten Wochen abholen und dann gut überlegen, wie er weiter machte. Zurück nach England? Einen neuen Job hier in der Gegend suchen? Er hatte so viel von Frankreich noch nicht erkundet. Der Gedanke an das Anwesen der Lapertes verursachte Bauchschmerzen. Er wollte Natalie nicht noch einmal gegenüber treten. Doch ihm blieb wohl kaum etwas anderes übrig. Also machte er sich auf den Weg.

Als er auf den Innenhof wankte, war John noch immer speiübel. So bemerkte er kaum den am Eingang Spalier stehenden Bediensteten, erst als dieser ihn am Arm packte und ihm “Dass du dich noch hierher wagst” entgegen spie, überkam ihn ein ganz seltsames Gefühl. “Ich hab ihn! Ruft die Lapertes hierher!”

Augenblicklich füllte sich der Hof mit all den bekannten Gesichtern, mit denen er nun seit über einem Jahr Tag für Tag zusammen gearbeitet hatte. Keines von ihnen sah ihn auch nur eine Spur freundlich an.

“Da ist er also wirklich.” Monsieur Laperte, ein eindrucksvoll großer Mann von schmaler Statur, der einen stolzen Schnäuzer trug und dessen Stimme stets tragend wirkte, als sei alles, was er sagte, Gesetz, trat aus der Tür. Hinter ihm seine hübsche, zierliche Ehefrau und noch ein Stück nach dieser Natalie, die eine Decke um ihre Schulter geschlungen hatte und wie ein getretenes Tier scheu um sich blickte.

“Du dreckiger Straßenköter vergreifst dich an meiner geliebten Tochter und besitzt dann noch die Stirn, nach diesem Vorfall erneut hier aufzukreuzen!”, wetterte Monsieur Laperte. “Doch im Grunde ist es egal, wohin du gehst. Ich werde dafür sorgen, dass du in ganz Frankreich keinen Fuß mehr auf die Erde bekommst!”

“Täter kehren stets an den Ort ihres Verbrechens zurück”, erklärte der oberste Hausdiener neunmalklug. “Dieser Lüstling war mir noch nie ganz geheuer, Monsieur…”

John starrte ausdruckslos in die Runde. Es gab keinen guten Weg, dieser Situation zu entkommen, nicht die geringste Chance, dass er auch nur ein Wort hervor bringen würde, dem einer der Anwesenden Glauben schenkte.

“Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen, Scheusal?”, rief Natalies Mutter nun aber dennoch aus.

“Es war nie meine Absicht, Ihrer Familie Unannehmlichkeiten…”, setzte John an, da hatte er eine Faust im Gesicht. Wie automatisch drehte sich sein Magen um und er übergab sich auf seine eigenen Schuhe.

“Widerlich!”, spie der Hausdiener und trat auf ihm zu, hieb ihm den Stock in die Magengrube. Ehe John richtig wusste, wie ihm geschah, prügelten zahlreiche Fäuste und Gegenstände auf ihn ein. Und bevor er zu Boden ging sah er sie wieder. Natalie, die lächelte. Nur diesmal wusste er, es war keine Einbildung. Jetzt erkannte er die tiefe Zufriedenheit, die sein Zustand des höchsten Schmerzes bei ihr auslöste.

13 Kommentare zu „24. Une affaire douloureuse (Der Privatlehrer)

  1. Hallo,
    da hast Du mit einer interessanten Fortsetzung das Sommerloch gestopft!
    Ich war jetzt einige Episoden im Rückstand und habe dies heute nachgeholt. Dabei ist mir spontan ein Bild dieser Mademoiselle Laperte vor Augen gekommen, und zwar jenes der – interessanter Zufall im Vornamen – Natalie Dormer in ihrer Rolle als Mrs. Appleyard in der Neuverfilmung von „Picknick am Valentinstag“ als TV-Serie.
    In dieser Rolle zeigt die Schauspielerin einige der auch bei Dir zutreffenden Charaktereingenschaften, und Epochemässig liegt die Story gar nicht so weit zu Deiner auseinander.
    LG Libertineros
    PS: von kommt auch bald wieder eine neue Geschichte.

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Libertineros,

      Oh also Natalie Dormer finde ich ziemlich toll und könnte ja auch optisch ganz gut von der Beschreibung her passen 🙂 Auf jeden Fall klingt das interessant und ich denke ich werde in die Serie mal reinschauen wenn man da irgendwo dran kommt.

      Danke für die Empfehlung und dass du deine Gedanken mit mir geteilt hast.

      glg

      p.s.: Ich schau bestimmt mal rein 🙂

      Gefällt 2 Personen

  2. Die Hintergrundgeschichte der beiden ist wirklich interessant, aber wäre ich John gewesen hätte ich dieser Furie noch auf dem Dach den Hintern versohlt.
    Und wann kriegt eigentlich Josephine endlich wieder was hinten drauf? Ihrem Popo ist sicher schon ganz langweilig.

    Gefällt 2 Personen

    1. Hey, ja das hätte sie auch definitiv verdient! Dass sie diese Gefühle in dir ausgelöst hat zeigt dass ich mit meiner Geschichte etwas nicht ganz verkehrt gemacht habe 😉
      Wie schon erwähnt hätte John sich als ganz junger Kerl das so noch gar nicht getraut und musste wohl erst so seine Lebenserfahrungen machen um an den Punkt zu kommen.
      Im nächsten Kapitel, versprochen 😛

      glg

      Gefällt 1 Person

  3. Mir gefällt immer, wenn ein wenig
    Hintergrund erläutert wird.
    Und jetzt kennen wir zumindest den
    Anfang der langen Geschichte von
    John und Natalie. Ja, mir wäre es
    Lieber gewesen, wenn John sie
    ordentlich durchgehauen hätte unter
    besonderer Berücksichtigung der
    beiden strategischen Stellen zwischen
    den Beinen. Aber vielleicht kommt das
    Noch, denn die beiden kommen
    erkennbar nicht voneinander los.
    Jedenfalls weiß jetzt John, dass die
    beiden Damen Spaß miteinander
    hatten und für eine Beichte ist es jetzt
    zu spät. Mal sehen, wie die fällige
    Aussprache der beiden läuft und endet.
    Noch mal zu Natalie.
    Ich fand und finde es gut, dass sie zu
    ihren sexuellen Gefühl steht und sie
    Umsetzt. Aber sonst hat sie einen
    miesen und kriminellen Charakter.
    Allerdings: warum muss sie als Tochter
    der Herrschaft als Reitlehrerin
    arbeiten??
    Ansonsten:
    Ceterum censeo:
    Alice ist überfällig!!!

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Helmut,

      Es freut mich dass du Hintergrundgeschichten gerne magst und somit ja auch einen guten Einblick erhalten hast. Verdient hätte es Natalie allemal, das ist ja auch definitiv einer der Aspekte der Geschichte 😉 Zum Glück sind ja inzwischen einige Jahre vergangen, in denen John mutiger, selbstbewusster und erfahrener geworden ist und sich somit ja auch schon getraut hat, sie übers Knie zu legen, auch wenn das vergleichsweise kurz war.
      Oh ja, John ist jetzt im Bilde und es gefällt ihm sicher so gar nicht, was da ablief.
      Natalie hat definitv ihre starken Seiten, aber sie ist schon extrem hintertrieben. Wer weiß. Ich glaube allerdings weniger dass sie das muss sondern eher dass sie es tut weil sie Lust dazu hat wie alles in ihrem Leben. Es wurde ja schon mehrmals erwähnt, dass Natalie selbst einen großen Gutshof besitzt den sie selbstständig geführt hat.
      Alice ist schon nicht vergessen worden. Aber sie kam ja in den letzten Kapiteln kaum vor und es hätte auch nicht in die Geschichte gepasst.

      Danke für deinen Kommentar und glg

      rbg

      Gefällt 1 Person

  4. Hat mir gut gefallen! Anders als andere Kommentatoren fand ich es vollkommen „in character“, dass in dieser Situation Natalie dominant aufgetreten ist und John ihr eben nicht als Antwort darauf den Po versohlt hat.

    Hmm, ich glaube, ich mag weibliche Charaktere, die eiskalt und durchtrieben sein können.

    Gefällt 2 Personen

    1. Vielen Dank, das freut mich sehr zu hören! ich weiß ja, warum ich was wie schreiben will, aber es muss eben auch beim Leser rüberkommen 😉 Freut mich, dass das in deinem Fall gelungen ist.

      Ja, ich kann das gut verstehen, für mich übt sie auch eine gewisse Faszination aus, obwohl sie eigentlich schon gewissermaßen die Antagonistin der Geschichte ist 😀

      Gefällt mir

  5. Hey,
    Die Geschichte ist wie immer echt schön und macht wirklich Spaß zu lesen. Ich bin gespannt wie es weitergeht und hoffe Josephine bekommt in der nächsten Geschichte auch wieder ihren Teil ab :-). Und ich bin sehr gespannt wie es mit den beiden als Paar weitergeht 👍🏻

    Gefällt 1 Person

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