Blaubart

a/n: Und wieder eine neue Märchenadaption von mir. Und nein, ich suche meine Märchen nicht nur nach den seltsamen Bärten ihrer Titelgeber heraus.

Von diesem hier gibt es mehrere Adaptionen, unter anderem der Brüder Grimm, die ursprüngliche Version stammt aber wohl von Charles Perrault (Fand aber schon immer, dass Barbe bleu sehr viel weniger episch klingt)

Und nun wird es heute durch meine eher eigenwillige Interpretation erweitert. Viel Spaß!

Es war einmal ein alter Mann, der lebte mit seinen zwei Söhnen und zwei Töchtern am Waldesrand und sie lebten gerade so von der Hand in den Mund. Die Brüder waren tüchtige Burschen, sie hacken Tag für Tag Holz und fuhren in die Stadt, um es dort zu verkaufen. Von den Talern, die ihre Arbeit einbrachte, konnten sie gerade so fünf Mäuler stopfen. 

Eines Tages kam ein Wagen angefahren, geschmückt mit goldenen Radkappen und reichen Verzierungen. 

Neugierig spähte die jüngere der Schwestern durch das Fenster, während die Brüder hinausgingen und nachschauten, was es mit der fremden Kutsche wohl auf sich hatte. 

“Sieh nur, Marlen! Der Kutscher spricht mit Hans und Jakob. Es sieht ganz aus, als wäre bei einem der Kutschräder eine Speiche gebrochen.” 

“Rosa, ich bitte dich, tritt doch ein Stück vom Fenster weg, ja? Du weißt genau, dass Neugierde sich nicht geziemt”, erklärte ihre Schwester behutsam. Die Ältere der beiden hatte ein sanftes Gemüt und tadelte nicht gerne. Doch in ebensolchem Maße wie Marlen Ruhe in sich trug, war bei Rosa das Temperament ausgeprägt.

“Oh, die Tür geht auf. Wer wohl herauskommen wird? Ein Edelmann? Oder gar eine echte Prinzessin?” Rosa schien sich gar nicht mehr beruhigen zu können.

“Ach herrje… der sieht aber ernst aus. Und dieser Bart, so dunkel, er sieht gar blau aus. Und sein Gesicht ist ganz verdeckt davon. Da schaudert es mir ja.” 

“Rosa, was redest du da nur? Ein blauer Bart? So etwas gibt es doch gar nicht.” Nun trat auch Marlen ein Stück in Richtung Fenster und erblickte sogleich den Fremden, der just im gleichen Augenblick zu ihr herüberblickte. 

Der Bart verlieh dem sonst so edel anmutenden Fremden tatsächlich etwas Wildes und Marlen schlug das Herz in der Brust gleich schneller.

Der Edelmann sprach den Bruder an, der gerade nicht am Kutschrad hantierte und machte eine Geste in ihre Richtung.

“Oh nein, er hat uns bemerkt!”, rief Rosa aus und duckte sich gleich weg, im festen Glauben, ihr stünde Schelte bevor. 

Doch Marlen blieb wie angewurzelt stehen. Ihr Bruder und der Blaubart sprachen kurz, ehe ihr Bruder sie mit einer Geste heran winkte. 

Ohne zu zögern und doch mit bangem Gefühl trat Marlen vor die Tür. 

“Was tust du?”, rief ihre Schwester ihr nervös hinterher, doch sie schenkte dem keine Beachtung.

“Schwesterchen, hierher!”, rief ihr älterer Bruder aus. “Baron Falbrich möchte dich auf seiner kurzen Rast hier näher zu Gesicht bekommen. Er ist auf Brautschau.” 

“Oh”, machte Marlen. Schüchtern hielt sie den Blick gesenkt. 

“Sie gefällt mir”, brummte der Fremde. Seine Stimme war tief und grollend. Marlen ging sie durch Mark und Bein. “Ich werde sie mitnehmen und zu meiner Frau machen.” 

Erschrocken sah Marlen ihren Bruder Jakob an. Doch dieser schien zufrieden.

“Es wäre uns eine Ehre, Baron. Doch mit einer Mitgift kann unsere Familie kaum aufwarten.” 

“Das stört mich nicht”, erklärte der Edelmann und steckte sich dabei eine große Pfeife an. “Der Reichtümer habe ich mehr als ich zählen kann. Was ich brauche, ist ein Eheweib. Ich werde in drei Tagen wiederkommen und dich holen.” 

Marlen wusste, ihre Familie hätte ausgesorgt, wäre sie erst die Frau des Barons. Was also sollte sie dagegen sagen? Dass es ihr gruselte, wenn sie nur flüchtig in seine Richtung sah? 

Da war Rosa auch schon aus dem Haus gesprungen und ihrer Schwester zur Seite geeilt.

“Eine Heirat?”, fragte sie. “Ich werde mitkommen und meiner geliebten Schwester nicht von der Seite weichen.”

Hans hatte seine Arbeit am Wagenrad gerade verrichtet und gesellte sich zur Runde. “Das ist Rosamund, unser Küken. Ihr müsst entschuldigen, sie ist ein wenig vorlaut.”

“Ich… ich möchte, dass sie mich begleitet”, brachte Marlen stotternd hervor. Der Gedanke, ihre Schwester an ihrer Seite zu wissen, spendete ihr zumindest ein wenig Trost. 

Der Blaubart musterte beide. “Also gut”, sprach er schließlich. „Ich bin viel auf Reisen, da soll sie dir Gesellschaft leisten. Aber sie wird wie du meinen strengen Regeln unterliegen.” 

“Sicher doch, werter Herr”, versicherte Rosa sogleich und machte einen Knicks. 

Er brummte im Gegenzug etwas Unverständliches und drückte Hans einige Münzen in die Hand, ehe er wieder in seine Kutsche stieg und davonfuhr. 

“Was für ein komischer Kauz”, rief Rosa aus. “Kein Wunder, dass er noch ungebunden ist.” 

“Rosa!”, mahnte Jakob. “Dein loses Mundwerk bringt uns noch alle in Teufels Küche. Sieh bloß zu, dass du dich mäßigst, wenn du erst bei den feinen Herrschaften lebst.” 

“Das werde ich schon”, versprach Rosa munter. “Ihr werdet sehen, aus mir wird noch eine ganz feine Dame.”

Marlen war es nun ganz bang, doch was sollte sie tun, als sich ihrem Schicksal ergeben und der Dinge harren?

Doch Hans reichte ihr eine Pfeife und sagte: “Fürchte dich nicht. Sollten du oder Rosa je in Schwierigkeiten geraten, so pfeife hier hinein und Jakob und ich eilen euch zur Hilfe, so schnell wir nur können.”

Da wurde es Marlen sogleich ein wenig leichter ums Herz. Sie steckte die Pfeife ein und umarmte ihren Bruder herzlich. 

~~~

Genau drei Tage später holte der Baron seine Braut mitsamt ihrer Schwester ab und brachte sie zu seinem prächtigen Schloss. Marlen und Rosa staunten nicht schlecht, als der Baron sie ins Innere führte. Solch Glanz und Reichtum hatten sie noch nie in ihrem Leben zu Gesicht bekommen. 

Der Bräutigam wandte sich seiner frisch Angetrauten zu und reichte ihr einen Schlüsselbund.

“Hiermit kannst du jedes Zimmer in meinem Reich betreten. Sieh dich nur richtig um und bestaune, was immer dein Herz begehrt. Nur betritt niemals den Keller, zu dem dieser kleine goldene Schlüssel gehört.” 

“Wieso nicht?”, fragte Rosa, noch ehe Marlen etwas sagen konnte.

“Weil ich es sage”, erwiderte Blaubart scharf. 

Die jüngere Schwester ließ sich jedoch nicht beirren. “Was ist denn in diesem Raum?”, wollte sie wissen. 

“Rosa! So hör doch auf damit”, bat Marlen, da sie sah, wie die Züge ihres Mannes düsterer wurden als ohnehin schon. “Natürlich werden wir deinen Wunsch respektieren, Liebster.” 

“Gut. Ich sage dir eins, halte deine vorlaute Schwester im Zaum, sonst wird es ihr schlecht ergehen. Und nun folgt mir. Ihr müsst erschöpft von der Reise sein. Ich führe euch zu euren Gemächern.” 

Diese waren sogar noch prachtvoller als die Eingangshalle und die beiden jungen Frauen konnten sich an all den schönen Dingen gar nicht sattsehen. 

“Abendessen gibt es bei Sonnenuntergang”, erklärte der Baron, ehe er die beiden zurückließ.

“Sicher gibt es nur die feinsten Speisen. Ich werde mir den Bauch vollschlagen!”, rief Rosa aus. 

“Bitte benimm dich dennoch gebührlich”, erinnerte Marlen sie leise. “Wir sind nun unter Edelleuten.” 

“Du bist viel zu anständig”, fand Rosa. “Genau wie in dieser Sache mit dem geheimen Keller. Findest du das nicht seltsam?”

“Ein wenig”, gab Marlen zu. “Doch er wird sicherlich seine Gründe haben.” 

“Es ist sehr verdächtig”, insistierte die Jüngere. “Würde mir dieser Schlüsselbund überreicht werden, ich könnte jedenfalls keinen Tag warten, um herauszufinden, was dort unten ist.” 

“Darum wirst du es auch schwer haben, einen Mann zu finden.” 

“Das stört mich nicht. Ich möchte ohnehin nicht von dir getrennt sein. Doch ich denke, ich sollte genau wissen, wen meine Schwester geheiratet hat. Wenn er etwas verbirgt, finde ich es heraus.” 

“Rosa, ich bitte dich. Tu es nicht. Er wirkte vorhin bereits zornig. Ich könnte mir nie vergeben, wenn dir etwas zustieße.” 

“Mir wird schon nichts passieren. Also, gibst du mir die Schlüssel?” Rosa streckte die Hand aus.

Und obgleich Marlen das Gewissen plagte, überwog doch ihr Unvermögen, ihrer kleinen Schwester etwas abzuschlagen. Und ein wenig war wohl auch sie neugierig, was ihr Gatte so dringend verstecken wollte. Also reichte sie Rosa den Schlüsselbund und diese machte sich sogleich auf den Weg. 

Auf dem Weg durchschritt sie die großzügigen Flure und schloss hier und da Türen auf, um hinein zu spähen. Die Zimmer waren gefüllt mit Kostbarkeiten und allerlei schönen Dingen und Rosa hätte am liebsten alles genau erkundet. Doch sie musste sich ein wenig eilen, wenn sie den Keller vor Sonnenuntergang erreichen wollte. 

Schließlich stand sie in der großen Eingangshalle und blickte sich um, ehe sie die Holztür mit schmiedeeisernen Aufschlägen aufdrückte. Der Weg führte sie die Treppe hinab. Sie war erst einige Schritte gegangen, als sie von oben eine Stimme grollen hörte.

“Was tust du da?”

Sie erschrak. Blaubart stand am Treppenaufgang und winkte sie heran. 

“Ich habe gar nichts getan!”, sagte sie. “Ich wollte nur sehen…” 

“Und ich sehe den Schlüsselbund in deiner Hand, du vorwitziges Ding!” 

Kaum war sie an ihn herangetreten, packte er sie und klemmte sie unter seinem Arm. Ehe sich Rosa versah, hatte er seine große, mächtige Hand auf ihrem zappelnden Hintern aufgebracht. Dass dieser von mehreren Lagen Stoff geschützt wurde, half dabei weniger, als sich vermuten ließe. 

“Du hast dort unten nichts verloren, Rosamund!”, erinnerte er streng, während er sie gründlich ausklopfte. “Gerade betrittst du mein Haus und schon brichst du die einzige Regel, die ich euch auferlegt habe!” 

Da half kein Betteln und kein Flehen, Blaubart versohlte Rosa den Allerwertesten ganz gehörig. Als er sie endlich zurück auf die Füße stellte, war Rosa gar nicht mehr nach Erkundungen zumute. Sie rieb sich die frisch versohlten Backen wenig damenhaft, die Tränen liefen nur so über ihr Gesicht. So gründlich war sie in ihrem Leben noch nicht verdroschen worden. Dabei waren ihre Brüder bisher nicht gerade zimperlich mit ihr gewesen. 

“Sollte ich dich noch einmal hier erwischen, wird die nächste Tracht Prügel nicht so glimpflich ausfallen”, drohte der Baron. “Und nun geh und gib deiner Schwester ihre Schlüssel zurück.” 

Rosa eilte zurück in Marlens Gemächer, den Kopf voll der Sorge, dass er das als glimpfliche Tracht Prügel bezeichnet hatte. Sie berichtete, wie sich alles zugetragen hatte. Marlen spendete ihrer kleinen Schwester Trost, doch fand auch insgeheim, dass es ihr recht geschähe. 

“Ich hoffe, du lernst daraus”, sagte sie schließlich. “Wir sollten die Regeln meines Gatten respektieren.” 

Und so geschah es. Über die nächsten Wochen hinweg lebten sich Marlen und Rosa gut in ihrem neuen Zuhause ein. Es gab vieles zu erkunden, jeden Tag schienen sie in den Zimmern neue, kleine Wunder zu entdecken. 

Marlen legte nach und nach jede Furcht vor ihrem so düster anmutenden Ehemann ab. Er sprach nicht viel, doch auch sie war schüchtern und so genoss sie die ausladenden Spaziergänge in seinen wundervoll angelegten Gärten mit ihm. Hier und da vermutete sie sogar ein Lächeln unter seinem vollen Bart und dann musste auch sie lächeln. 

Auch fand sie, dass er sich tadellos gegenüber ihrer Schwester verhielt. Er ließ Rosa keine groben Ungebührlichkeiten durchgehen, doch an ihr loses Mundwerk hatte er sich längst gewöhnt und beantwortete sogar hier und da geduldig die neugierigen Fragen der jungen Frau. Nur wenn sie allzu sehr über die Stränge schlug, setzte es hier und da etwas, wenn auch längst nicht gründlich, wie bei der ersten Prügel, die sie von ihm bezogen hatte. Aber es half, sie eine Weile wieder artig zu machen.  

Es fehlte ihnen an nichts und auch ihren Brüdern und dem Vater ließ Blaubart einen großzügigen Teil zukommen, sodass sie ausgesorgt hatten. 

So hätte es bleiben können, wäre nicht Rosas Neugier wieder aufgeblüht. 

“Nun haben wir alle Zimmer des Schlosses erkundet.” sagte sie eines Tages zu Marlen. “Nur dieses eine nicht, zu dem der goldene Schlüssel passt.” 

“Und das werden wir auch nicht”, erklärte Marlen ihr ernst. “Mein Gatte verbietet es und so werden wir seinem Wunsch folgen.” 

“Ach bitte!”, rief Rosa aus. “Nun hast du ihm dein Herz geschenkt und weißt doch nicht alles von ihm. In einer guten Ehe sollte es keine Geheimnisse geben.” 

Marlen ließ sich von dem Gebettel ihrer jüngeren Schwester wie eh und je erweichen und sagte schließlich: “Also gut. Aber warte bis morgen. Da verlässt er das Schloss und kommt für einige Wochen nicht wieder.” 

“So mein Plan!”, rief Rosa zufrieden aus, denn eine weitere Tracht Prügel wollte sie sich fürwahr ersparen. 

Und so kam es, dass am nächsten Morgen Marlen ihren Ehegatten liebevoll verabschiedete. Sogar Rosa sprang ihm um den Hals und wünschte ihm eine gute Reise, ganz in dem Wissen, dass seine Abwesenheit ihr zugute käme. 

Kaum hatte er das Haus verlassen, da streckte sie die Hand vor und ließ sich von Marlen den Schlüsselbund reichen. 

“Kommst du mit?”, fragte Rosa. 

“Ach nein, tu du es nur ohne mich”, sagte Marlen, der doch ein wenig davor graute, was ihre Schwester hinter der geheimen Tür womöglich finden würde. 

Also trennten sich die Wege der beiden, Marlen ging zurück in ihre Gemächer und Rosa stieß erneut die Tür zum Keller auf, um endlich den geheimen Raum zu erkunden. Als sie jedoch gerade dabei war, den passenden Schlüssel aus dem riesigen Schlüsselbund herauszusuchen, hörte sie ein Geräusch am Treppenaufgang. Sie fuhr herum und erschrak, als sie dort Baron Blaubart stehen sah. 

“Schwager! Ihr seid aber früh zurück!” piepste sie, doch er grollte nur “Rosamund! Hierher!” 

Was sollte Rosa also tun, als zu ihm zu gehen, auch wenn sie wusste, was ihr nun bevorstand. 

“Habt Ihr etwas vergessen?”, fragte sie unverfänglich. 

“Ganz richtig und was muss ich sehen? Eine offene Kellertür und ein dummes Ding, das seine Nase in fremde Angelegenheiten steckt.”

“Immerhin geht es hier um die Belange meiner Schwester!”, beharrte Rosa, was ihrer Lage nicht zu helfen schien. 

“Beim letzten Mal war ich wohl zu nachsichtig mit dir”, brummte er “Das wird mir nicht wieder passieren.” 

Er versprach nicht zu viel. Dieses Mal bekam Rosa nicht die Gnade, die Prügel auf ihr von Röcken geschütztes Hinterteil zu beziehen. Blaubart schlug ihr die Röcke hoch und verdrosch ihr die unbekleideten Backen, dass ihr Hören und Sehen verging. Und er kündigte an, sie von nun an nur noch auf diese Weise zu bestrafen. “So wirkt es besser”, sagte er. 

Ihr Wehklagen schall bald durch die ganze Eingangshalle, doch Blaubart ließ sich nicht beirren und gab ihr ihren Teil. 

Rosa zappelte und strampelte in seinem Griff und beteuerte unzählige Male, nie, nie wieder auch nur einen Fuß in der Nähe des Kellers zu setzen.

Als er endlich überzeugt war, dass sie genug hatte, stellte er sie zurück auf die Füße. 

“Ich warne dich, Rosamund”, sagte er, als sie schluchzend vor ihm stand und hielt ihr den Finger vors Gesicht. “Das war das letzte Mal, dass ich dir das habe durchgehen lassen.” 

“Ich werde es nicht wieder tun. Wirklich nicht!”, versprach Rosa, der der Hintern noch nie so schlimm gebrannt hatte wie in diesem Augenblick. 

“Das will ich dir auch nicht geraten haben.” Mit diesen Worten ließ er sie zurück und verließ erneut das Haus. 

Rosa eilte zu ihrer Schwester und erzählte ihr, was sich zugetragen hatte. Dabei zog sie es vor, zu stehen, wie sie es auch einige weitere Tage tun sollte. 

“Ach Schwesterchen, in was für Schwierigkeiten hast du dich nur gebracht”, seufzte Marlen. “Daraus sollten wir wohl eine Lehre ziehen und den goldenen Schlüssel auf ewig vergessen.” 

Rosa stimmte zu, ihr wundes Hinterteil war ihr Lehrgeld genug. 

Die Wochen zogen ins Land, der Baron kehrte von seinen Reisen zurück und brachte seiner Ehefrau wie auch Rosa allerlei Kostbarkeiten mit, sowohl zum Bestaunen als auch zum Bekleiden. 

Wann immer Rosa nun etwas anstellte oder allzu vorlaut war, schlug Blaubart ihr an Ort und Stelle die Röcke hoch und verabreichte ihr den Hinternvoll übers Knie gelegt oder im Stehen unter seinen Arm geklemmt. “Ach Rosa”, seufzte Marlen oft, wenn das Hinterteil ihrer kleinen Schwester begann, ihrem Namen alle Ehre zu machen- und darüber hinaus. 

So lebten sie bald ein Jahr voller Eintracht in dem großen Schloss. Marlen war bald ganz vernarrt in ihren Ehemann, der ihr jeden Wunsch von den Augen ablas und sie voller Güte behandelte. 

Doch über die Zeit hinweg vergaß Rosa all die Ermahnungen und ebenso den Schmerz der kräftigen Prügel. Als schließlich Blaubart erneut auf Reisen ging, verstrichen ein paar Tage, da wurde sie wieder von ihrer Neugier übermannt. 

“Wir leben in Saus und Braus und kennen bald jede Ecke des Schlosses, doch nicht die eine”, fing sie eines Abends beim Essen wieder davon an. “Ich finde das nicht richtig.” 

“Nicht doch, Rosa”, seufzte Marlen. “Uns fehlt es hier an nichts, wir sollten uns nicht beklagen, sondern der Dinge erfreuen, die wir haben.” 

“Und doch”, sprach Rosa. “Wie gut kennst du deinen Mann?”

“Gut genug um zu wissen, dass er gütig ist und großzügig”, sagte Marlen. 

“Vielleicht ja, weil er eine dunkle Seite an sich hat, er vor uns zu verstecken versucht“, ließ Rosa jedoch nicht locker. “Wir wissen nicht, was er dort unten verbirgt. Vielleicht Diebesgut oder gar seine Feinde, die er dort gefangen hält. Immer wieder verschwindet er nach unten. Womöglich ist er ein Mörder und versteckt dort seine Opfer. Vielleicht ja sogar Frauen. Stell dir nur vor, wir säßen nichtsahnend auf einem Berg von Leichen.” 

“Nun geht aber deine Phantasie mit dir durch”, sagte Marlen kopfschüttelnd und schien doch ins Stocken zu kommen. “Hätte er solch düstere Geheimnisse, mein Herz würde es nicht ertragen.”

“So musst du deinem Herz Gewissheit schaffen, geliebte Schwester!”, rief Rosa aus. “Lass uns zusammen hinuntergehen.” 

“Also gut”, ergab sich Marlen seufzend, die wohl im Inneren viel neugieriger war, als sie sich eingestehen mochte. “Du gibst ja doch keine Ruhe, also schauen wir wohl nach.”

Das Herz klopfte Marlen bis zum Hals, als beide schließlich den Weg die Treppe hinab beschritten. 

Im Gegensatz zu ihrer kleinen Schwester fand sie den Schlüssel am Schlüsselbund sogleich und steckte ihn ins Schloss. Er passte genau. Als sie ihn drehte, sprang die Tür auf und Rosa spähte hinein.

“Was ist das denn?”, fragte sie und trat sogleich ins Innere. 

“Was verbirgt er hier bloß?” Sie schaute sich um, die Kerze ihrer Hand spendete einen schwachen Lichtschein. 

“Es sieht aus wie jedes andere Zimmer”, fand Marlen. An den Wänden aufgereiht fanden sie Bücherregale, einen Kamin und in der Mitte stand ein großer Sessel mit Fußschemel. 

“Vielleicht gibt es eine Luke oder Tür zu einem Geheimraum?”, riet Rosa. Doch so viel sie auch suchten, sie konnten nichts Besonderes an diesem Zimmer finden. 

“Was tut ihr hier?” Die Stimme des Blaubarts schallte wie ein Donnergrollen durch den Kellerraum. Beide jungen Frauen fuhren erschrocken herum. 

“Liebster! Du bist… zurück”, stotterte Marlen. 

“Hatte ich euch nicht ausdrücklich verboten, dieses Zimmer zu betreten?” Der Baron trat an seine Frau heran und packte ihren Arm. “Na warte! Ich habe nie Hand an dich gelegt, doch heute ist es wohl an der Zeit!” 

“Bitte nicht!”, rief Rosa aus. “Ihr prügelt wie ein Barbar und meine Schwester ist zart besaitet! Es war allein meine Idee!” 

“Du bekommst deine Prügel wohl auch noch!”, drohte Blaubart und schob Marlen zu dem großen Sessel, um sie über sein Knie zu bringen. 

“Es tut mir leid!”, stieß Marlen aus, doch es half ihr nichts, er schlug ihr unbeirrt die Röcke hoch, um sie ihrer Strafe zuzuführen.

Da bemerkte Rosa die Pfeife, die Marlen aus der Rocktasche gefallen war. Durch ihre Neugier hatte sie das Versprechen des Bruders natürlich mitbekommen und so nahm sie die Pfeife an sich und blies kräftig hinein. 

“Was tust du?”, fragte der Baron.

“Meine Brüder werden gleich hier sein und dann werden sie Euch ebenso blau schlagen wie Euren glänzenden Bart!”, rief Rosa mutig. 

“Du ungezogenes Ding!” Blaubart stellte Marlen auf die Füße zurück, um sich stattdessen Rosa zu widmen. Da sprang die Tür erneut auf und Jakob und Hans stürmten hinein. 

“Unsere Schwester hat uns gerufen!”, rief Jakob, den Degen schon im Anschlag. “Was ist geschehen?” 

“Eure liederlichen Schwestern haben wieder und wieder ihr Versprechen gebrochen und nun sind die trotz ausdrücklichen Verbots in mein Lesezimmer eingedrungen!”, erklärte Blaubart ungehalten. 

“Dein Lesezimmer? Oh Liebster, ich wusste nicht…”, setzte Marlen an, da unterbrach sie Hans.

“Was muss ich von euch hören? Dieser Mann überschüttet euch mit Güte und Reichtümern und das ist euer Dank?” 

“Wir mussten wissen, was er hier versteckt”, erklärte Rosa kleinlaut. 

“Du konntest deine Neugierde noch nie zügeln und das ist auch heute so. Aber die werden wir euch schon austreiben!”, rief Jakob aus. Mit diesen Worten legte er kurz entschlossen seine Waffen beiseite und Hans tat es ihm gleich. Beide zogen die Gürtel aus den Hosen und machten sich ans Werk. 

Jakob schnappte sich Rosa, Hans Marlen und beide mussten ihre Beinkleider ablegen und bekamen eine Tracht Prügel verabreicht, die sich gewaschen hatte. Bald war der Raum erfüllt vom Klatschen des Leders auf die sich rötende Haut und dem Wehklagen der Schwestern. Blaubart steckte sich seine Pfeife an und genoss das dargebotene Schauspiel. 

Als die Brüder ihre Pflicht schließlich getan hatten, baten beide Frauen schluchzend um Vergebung. 

“Damit ist der Frieden wiederhergestellt, wie ich hoffe”, erklärte Jakob. “Wenn es nicht reicht, können wir sonst noch nachlegen.” Er hob den Gürtel, doch Blaubart winkte ab. 

“Sie haben ihre Lektion gelernt, schätze ich. Sollten sie sich noch weitere Frechheiten erlauben, werde ich schon selbst mit ihnen fertig.” 

Die Brüder verabschiedeten sich und der Baron schickte Rosa auf ihr Zimmer. 

“Es tut mir so leid, Liebster”, versicherte Marlen mit rotgeweinten Augen und legte die Hände in seine. “Ich hätte Rosa nie erlauben dürfen, unseren Frieden zu stören.” 

“Das Lehrgeld hast auch du nun zahlen müssen”, sagte er. “Doch nun, da du das Zimmer gesehen hast, kennst du alles von mir.”

“Sagst du mir, was es damit auf sich hat?”, fragte Marlen vorsichtig.

“Wenn ich den Bürden des Alltags überdrüssig werde, ziehe ich mich hierher zurück, um zu lesen.” 

Marlen atmete aus. “Und Rosa dachte, du hieltest hier Frauenleichen versteckt.” 

“Nein, Liebste. Dafür habe ich ein anderes Schloss”, erklärte Baron Blaubart. 

Sie sah ihn mit großen Augen an, doch er lachte nur und nahm sie mit nach oben, wo sie die Nacht in seinen Schlafgemächern verbrachten. 

Und so lebten sie stets glücklich und zufrieden durch die Liebe des Paares und ab und zu einem kräftigen Hinternvoll für die vorwitzige Rosa. 

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute. 

Ende 

8 Kommentare zu „Blaubart

  1. König Blaubart war wahrscheinlich der erste Psychopath, der mir literarisch begegnet ist. Das Original war mir früher jedenfalls viel zu gruselig. Eigentlich lustig, dass das Märchen durch das Einfügen mehrerer Spanking-Szenen deutlich entschärft wird.

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    1. Okay, da kann ich nicht mitreden, ich mochte die gruseligen Märchen seit jeher am liebsten. War wohl schon immer Horrorfan!

      Soo überraschend ist es jetzt aber nicht, dass Spanking weniger schlimm erscheint als grausame Morde, oder? 😉

      Danke für deinen Kommentar und glg

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  2. Wieder einmal ein Märchen von Dir! Gott sei Dank, möchte ich sagen!

    Ich finde, dass Du ein tolles Händchen dafür hast, aus alten Märchen mit wunderbar beschriebenen Versohlszenen, echt heiße Spankingliteratur zu machen. Die Zeit, in der solche Märchen üblicherweise spielen, bietet immer ein authentisches und aufregendes Setting für die Geschichte selbst und Du bist in der Lage, Dich auch sprachlich an ein Märchen anzupassen, sodass es insgesamt sehr stimmig ist und Spaß macht zu lesen. 

    Fast schon witzig, wie die jüngere Schwester ein ums andere Mal ihrer Neugier unterliegt und jedes Mal prompt den Po gehörig voll bekommt. Wirklich lustig aber fand ich im Kopf das Bild, wie die Schwestern ihre Brüder zur Verteidigung rufen, nur um sich dann bei Darlegung der eigentlichen Sachlage synchron über ihren Knien wiederzufinden, wo sie in alter Tradition noch einmal Erziehung auf ihrem edelsten Körperteil zu spüren bekamen. 

    Fast schon ein Treppenwitz, dass die ganze Aufregung bloß wegen eines Lesezimmers war. Naja, es war eigentlich eine einfache Regel, die es einzuhalten gab. Neugier bringt eben doch die Katze um. Oder sorgt zumindest für schmerzende Hinterteile.  *grins*

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    1. Heyhey, danke dir vielmals! Das letzte Märchen ist echt was her, das stimmt.
      Oh ja, in den Märchen ist es zwar nie so explizit beschrieben, aber Prügel gibt es hier und da ja durchaus.

      Schön, dass dir mein Stil gefällt, das freut mich natürlich sehr.
      Ja, die Rettung sah hier SEHR anders aus als im Original. Und eine grausige Wahrheit hätte hier auch nicht gepasst.

      glg

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