13. Freundinnen (Der Privatlehrer)

Wieder schlug Josephines Herz unerträglich schnell. Etliche Minuten schienen zu vergehen, langsam dahingezogen wie Sand, der durch ein riesiges Stundenglas rieselte. Die einzigen Geräusche, die sie begleiteten, waren ihr Herzschlag, ihr unruhiges Atmen und das unterdrückte Schluchzen. Ihr Kopf brummte vor Anstrengung. Sie hatte heute doch schon Alice verloren. Nun auch noch Lottie, das war mehr als sie ertragen konnte. Und ihr Po brannte so schlimm, nur diesmal wagte sie es tatsächlich nicht, ihn zu reiben, also krallte sie ihre Finger stattdessen in den Ledergürtel.

Mit einem Mal öffnete sich die Tür hinter ihr. Dass sie sich gerade nicht umdrehen durfte, fühlte sich wirklich unheimlich an.


„Ach herrje“, hörte sie Lottie sagen. Sofort schoss das Blut in ihren Kopf. Nein… nein, das tat er ihr nicht wirklich an! Lottie war das schlimmste Klatschweib, das ihr je untergekommen war. Das, was sie gerade hier sah, wusste morgen die ganze Stadt.

„Was treibst du denn für Sachen, Phine?“

„Als Gastgeberin war es mir wichtig, Sie über den Vorfall zu informieren, Miss“, erklärte Mr. Buchanan. Er war ein wirklich guter Schauspieler, stellte Josephine in diesem Moment fest. Sie hätte ihm den Satz an Lotties Stelle sofort abgekauft.

„Danke, Sir. Wo liegt denn das Problem?“

„Leider hat sich Miss Abbott unzüchtig verhalten, wofür ich sie bestrafen muss. Josephine, komm wieder über den Sessel und bring mir meinen Gürtel“, sprach er nun streng.

Was blieb ihr übrig, als sich umzudrehen und beiden mit hochrotem Kopf zu nähern? Die Hände hielt sie dabei vor ihren Schritt und versuchte dabei Lottie mit einem Blick zu bedenken, der sagte „Wirklich blöd gelaufen“. Lottie sah sie jedoch dermaßen kühl an, als würden sie sich gar nicht kennen.

„Unzucht? In unserem Hause? Das ist wirklich unerhört“, gab sich die junge Gastgeberin nun ganz pikiert. „Meine Familie und ich sind Ihnen für eine strenge Abstrafung definitiv zu Dank verpflichtet, Mr. Buchanan.“

Mit ihrem obszönen Ausschnitt wirkte Lotties Aussage noch viel absurder. Josephine spürte, wie die Wut in ihr hochkochte. Was sie da sagte, war nun wirklich unerhört. Wie konnte sie sie so ins offene Messer laufen lassen?

„Sag mal, geht’s noch? Das hier war ja wohl deine Idee!“, pflaumte sie also Lottie an, sie die dafür ansah, als wäre sie frisch der Irrenanstalt entlaufen.

„Darf sie überhaupt sprechen, während Sie sie gerade abstrafen, Sir?“, wandte sie sich dann einfach an Mr. Buchanan.

„Wenn sie sich geständig zeigt und mir die Wahrheit zu sagen hat“, erklärte er mit vielsagendem Blick auf Josephine. Diese schluckte. Was für ein grausames Spiel er doch hier mit ihr betrieb.

„Wissen Sie, Sir, mit ihrem Gürtel kommen Sie nicht weit. Wir haben einige Strafinstrumente für unsere besonders ungehorsamen Bediensteten, warten Sie, ich lasse Ihnen etwas bringen.“ Während sie in Richtung Tür schritt, sammelten sich bittere Tränen in Josephines Augen.


„Ich habe es verstanden, Sir. Können wir jetzt bitte gehen?“, murmelte sie.

„Noch nicht“, erwiderte er leise. Sie sah nun verzweifelt zu ihm hinauf und erkannte in seinen Augen sogar so etwas wie Mitgefühl, dennoch schüttelte er auf ihren Blick hin den Kopf.

Lottie kehrte nun zu ihnen zurück. „Mein Bediensteter bringt gleich die Tawse. Kennen Sie dieses Strafinstrument, Sir? Es erfreut sich besonders in Schottland

äußerster Beliebtheit, unser oberster Hausdiener ist Schotte, müssen sie wissen. Ein wortkarger Kerl, aber was für ein Glück, ich verstehe kein Wort, wenn er spricht.“ Lottie lachte affektiert und Josephine hätte ihr am liebsten dafür ins Gesicht geschlagen. Sie wusste ja, wie ihre sogenannte Freundin sein konnte, aber dass sie sich ihr gegenüber so verhalten würde, hätte sie niemals geglaubt.

„Ich habe ebenfalls Verwandte in Schottland“, erklärte Mr. Buchanan, um so wohl noch das Mindestmaß an Konversation aufrecht zu erhalten. „Josephine, du kannst dich schon einmal wieder überlegen, wie du hörst, führen wir deine Strafe gleich fort.“ Sie sah ihn flehend an, schüttelte wieder den Kopf. Das alles war doch jetzt schon schrecklich genug.

„Was genau hat sie denn Unzüchtiges getan?“, wollte nun Lottie wissen. Die Neugier troff nur so aus ihren Worten.

„Das, was du mir gesagt hast, was ich tun soll, du blödes Miststück!“, platzte nun aus Josephine heraus.

„Na, na“, machte Mr. Buchanan, was, wenn man ihn gut kannte doch eine eher halbherzige Ermahnung war.

„Ich weiß nicht, wovon sie spricht. Das ist ja unerhört! Ich hoffe, dass Sie sie gründlich abstrafen, Sir“, fasste sich Lottie betroffen an die Brust. Der Bedienstete trat ein und brachte ein breites Stück Leder, das in der Mitte geteilt war. Mr. Buchanan nahm es entgegen und bedeutete Josephine mit einem Kopfnicken, sich über den Sessel zu legen. Mit klopfendem Herzen und einer Menge Wut im Bauch gehorchte sie. Aber nur, weil dieses blöde neue Strafinstrument wirklich respektheischend war. Sie hätte Lottie gerade wirklich umbringen können. Nun wünschte sie sich doch, Mr. Buchanan würde stattdessen diese hinterhältige Ziege bestrafen. Aber natürlich war das, wenn man genau darüber nachdachte, keine Option. Er war Gast in ihrem Haus, er konnte sie ohne Erlaubnis ihres Vaters nicht einfach durchprügeln. Wirklich schade.

Über all diese wütenden Gedanken in ihr klatschte das neue Strafinstrument zum ersten Mal auf ihre Kehrseite. Sie riss die Augen auf. Oh…. Gott!

„AU!“, brüllte sie und machte Anstalten, vom Sessel aufzuspringen, doch er stemmte seine linke Hand in ihren Rücken.


„Da bleibst du“, befahl er und ließ auch schon Hieb zwei folgen. Ein Ruck ging durch ihren ganzen Körper. Dieses blöde Teil war ein wenig wie der Gürtel nur in riesig. Es traf eine so große, nun ja bereits auch vorhin schon abgestrafte Fläche, dass ihr sofort wieder Tränen in die Augen schossen. Und schon wieder der nächste Hieb.

Sie hatte sich vorgenommen, sich zusammenzureißen, doch das war jetzt unmöglich. So viele Gefühle überschlugen sich in ihr. Trauer, Zorn, Scham, das war, was sie gerade so sortiert bekam. Beim nächsten Schlag ließ sie ihren Tränen freien Lauf. Sie fühlte sich so unglaublich betrogen. Sie hatte doch nur dazugehören wollen, mitreden können, wenn Lottie von Dingen sprach, um keinen Preis das Opfer ihrer Lästereien sein. Sie hatte genau so erwachsen sein wollen und dafür immer wieder Sachen getan, auf die sie nicht stolz war. Und das hier war nun ihr Dank, eine falsche Schlange, die ihr bei der ersten gebotenen Gelegenheit in den Rücken fiel. Die sogar ihren Anteil leistete, damit Josephine litt.

Die Tawse, die sich immer wieder schmerzlich auf ihre blanken Backen legte, lehrte ihr diese Lektion auf die harte Tour. Alice, dachte sie, hatte die ganze Zeit über dicht gehalten, selbst als es buchstäblich um ihren eigenen Hintern ging, selbst als ihre Anstellung in Gefahr war. Ein Gedanke schoss Josephine in den Kopf und ließ sie nun sogar wimmern. War sie wie Lottie? Eine verlogene Freundin, die stets nur an sich dachte? Der Gedanke machte, dass ihr ganzer Brustkorb sich zusammenzog.

„So, junge Dame.“ Mr. Buchanans dunkle Stimme riss sie aus ihren Gedanken. „Die letzten 6 zählst du mit. Eins, ich brauche keine falschen Freunde, zwei, ich brauche keine falschen Freunde… und immer so weiter, verstanden?“ Sie drehte sich überrascht zu ihm um.

„Falsche Freunde?“, wandte Lottie schrill ein. Sie wirkte mehr als irritiert von seinen Worten.

„Wir sprechen uns schon gleich noch, Miss Thurgood.“ Mit diesen zuversichtlichen Worten holte er aus. Die Tawse klatschte kraftvoll auf ihre Backen. Oh Gott. Und davon noch fünf weitere.

„Eins. Ich brauche keine falschen Freunde“, murmelte sie. Er zauderte nicht lange mit dem nächsten Hieb.

„Zwei. Ich brauche keine falschen Freunde.“ Es brannte höllisch. Wieso nur fühlte sie sich dennoch, als hätte sie genau das gerade verdient?

„Drei. Ich brauche keine falschen Freunde.“ Ihre Stimme klang unnatürlich und belegt. Dummheit musste bestraft werden, war so nicht das Sprichwort? Heute war sie definitiv die Dumme gewesen.

„Vier! Oh Gott… hah… ich brauche keine falschen Freunde.“ Das war wirklich eine eindringliche Lektion. Mit der von Lottie beschafften Tawse diesen Schmerz zu fühlen. Der nächste Hieb knallte nur so hinterher.


„Füüünf…nhh… Ich brauche… ahh… keine… falschen Freunde.“ Die Tränen liefen jetzt ihre Wangen hinab. Gerade tat es so weh und das war gut. Solange der körperliche Schmerz stärker war, als der in ihrem Herzen, konnte sie sich damit befassen.

Sie spürte Mr. Buchanans Blick. „Du hast es gleich geschafft. Zählen nicht vergessen“

„Sechs!“, presste sie heraus. „Ich brauche keine falschen Freunde!“ Den letzten Satz hatte sie aus sich heraus gebrüllt wie eine Kampfansage.

„Verdammt richtig“, brummte Mr. Buchanan und half ihr auf die Füße. Sofort fiel sie schluchzend in seine Arme, drückte sich so fest sie konnte an ihn.

„Was ist das hier bitte für ein Laientheater?“, sprach Lottie nun kühl.

„Miss Thurgood, sie haben Josephine heute Abend wirklich übel mitgespielt, ich schätze, das wissen Sie besser als wir alle.“ Das alles hörte Josephine ihn ruhig und selbstsicher herausbringen, während sie es vorzog, sich weiterhin verschämt an ihn zu schmiegen. „Mr. Abbott trägt schon länger die Vermutung mit sich, dass Sie und ihr unzüchtiges Verhalten einen schlechten Einfluss auf unsere Josephine haben. Davon konnte ich mir heute Abend mit eigenen Augen ein umfassendes Bild machen.“


„Was wissen Sie schon!“, sprach Lottie verächtlich. „Ein Privatlehrer für ungezogene Gören, ich bitte Sie. Ich frage mich wirklich, was Sie glauben, sich mir gegenüber herausnehmen zu können.“

„Ich nehme mir heraus, sie zu informieren, dass Josephine ihre Feste nicht länger besuchen wird.“

„Ich hätte sie ohnehin nicht eingeladen“, gab Lottie kühl zurück. Trotz allem versetzte das Josephine einen Stich.

„Des weiteren werde ich mir ebenfalls herausnehmen, Ihre Familie über Ihr frevelhaftes Benehmen zu informieren und ihnen entsprechende erzieherische Maßnahmen nahezulegen. Ich hörte, ihr Vater sei ein strenger Mann. Ich hoffe wirklich sehr, er wird seinem Ruf gerecht.“ Mr. Buchanan warf die Tawse auf den Sessel und hob Josephines Kleidung vom Boden auf, reichte ihr die Unterhose, in die sie heulend schlüpfte und zog ihr das Kleid über den Kopf.

Sie war mehr als froh, dass ihr Lehrer ihr beim Ankleiden zur Hand ging, denn Josephine war so aufgelöst, dass sie nicht mal mehr richtig schauen konnte, wo vorne und hinten war.


„Mein Vater…“, plusterte sich Lottie auf. „Mein Vater hat wichtige Verpflichtungen zu erfüllen, er wird sich nicht darüber freuen, von Ihren haltlosen Anschuldigungen belästigt zu werden!“

„Das werden wir ja sehen, wenn es so weit ist“, lächelte Mr. Buchanan selbstbewusst. „Guten Abend, Miss Thurgood.“ Mit diesen Worten legte er den Arm um Josephine und führte sie hinaus aus dem Raum.

Diese hatte sich zumindest für den Moment gefasst. Sie wollte sich nicht die Blöße geben, nach außen hin so verletzt wie sie sich innerlich fühlte dieses Haus zu verlassen. Also befreite sie sich aus Mr. Buchanans Umarmung, tupfte sich mit der Stola die Tränen vom Gesicht und hob das Kinn, als sie die Treppen hinab schritt. Ihr Gesicht war mit Sicherheit noch puterrot und ihre perfekte Frisur saß auch nicht mehr, jeder Schritt ließ sie ihre soeben verabreichte Tracht Prügel heftig spüren, aber sie wollte dennoch die nötige Würde zeigen.

Josephine zwang sich, jede Eile abzulegen, als sie dieses Haus verließ. Sie grüßte Lotties Bedienstete ein letztes Mal zum Abschied und lief in Richtung ihrer Kutsche. Dabei spürte sie, wie Mr. Buchanan ihr folgte. Noch immer beherrscht nahm sie in der Kutsche Platz. Erst als diese losfuhr, erlaubte sich Josephine den nächsten Ausbruch.

Aus tiefstem Herzen platzte es aus ihr heraus, sie begann heftig zu schluchzen und bekam einen richtigen Heulkrampf. Es war nicht nur die Bestrafung. Es war die Demütigung, die ihr widerfahren war. Der Schmerz über den Betrug ihrer angeblichen Freundin. Sie war bereit gewesen, so viel für Lottie einzustecken und hatte nur Häme und Kälte zur Antwort bekommen. Rache an Lottie war ihr gerade gar nicht mal wichtig. Sie wollte diese sogenannte Freundin am liebsten aus ihrem Gedächtnis löschen. Über all dem Gefühlschaos spürte sie, wie Mr. Buchanan, der ihr gegenüber saß, seine Hand auf ihr Bein legte. Augenblicklich zog sie das Bein weg, weinte nur heftiger. Durch den Tränenschleier sah sie, wie er sich zurücklehnte. Besser so. Er sollte sie bloß in Ruhe lassen.

Dass sie heute Lottie verloren hatte, war womöglich… besser so. Sie hätte sich gewünscht, auf die sehr viel weniger harte Tour Lotties wahre Natur kennenzulernen. Doch am Ende des Tages musste es wohl so kommen. Wenn da nicht noch Alice wäre.

Ohne ihn wäre das alles nie passiert. Ohne seinen Einfluss hätte sie nicht an einem Tag ihre zwei besten Freundinnen verloren, daran gab es nichts zu rütteln. Sie wusste nicht, was das für eine Art von Erziehung sein sollte, doch sie hasste sie gerade zutiefst. Wenn eine Gutsherrin zu sein bedeutete, alle seine Freundschaften hinter sich zu lassen, war sie nicht mehr so sicher, ob sie bereit war, diesen Preis zu zahlen.

Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich einigermaßen beruhigt hatte. Sie war nun dazu übergegangen, aus dem Fenster zu starren. Josephine war erschöpft, alles tat ihr weh, das einzige, was sie gerade wirklich wollte, war Alice heute noch einmal zu sehen und in den Arm nehmen zu können.

„Ich werde dafür sorgen, dass sie bekommt, was sie verdient.“, ergriff Mr. Buchanan schließlich das Wort.

„Lassen Sie es gut sein. Es interessiert mich nicht mehr“, erwiderte Josephine schlicht.

„Eine gute Einstellung. Auch wenn ich das nicht auf sich beruhen lassen kann, jetzt, da ich die Situation klar erkennen konnte. Ich bin dir für deine Einladung heute abend dankbarer als du vielleicht ahnst.“

Überrascht blickte nun Josephine zu ihm herüber. Was für ein Hohn. Für was war er denn dankbar? Dass Lottie ihm so handlich die Tawse gereicht hatten um sie zu vermöbeln?

„Dein Vater hat schon länger schon vermutet, dass deine Flausen nicht von ungefähr kommen. Als er mit eigenen Augen sah, wie du mit einem Jungen in ein Zimmer verschwunden bist, hat er sich entschlossen, mich einzustellen. Er wusste, dass du nicht von alleine auf die Idee gekommen sein kannst, dich auf Männer einzulassen.“

„Oh und Sie sind in Wahrheit Detektiv, huh?“, sprach Josephine zynisch, auch wenn ihr bei dem Gedanken, dass ihr Daddy sie tatsächlich dabei beobachtet hatte, ganz anders wurde. Wie peinlich! Was hatte er wohl nur von ihr gedacht?

„Ich bin nach wie vor dein Lehrer und werde es auch bleiben, Josephine“, war dessen schlichte Antwort. „Aber dass ich heute Abend mit eigenen Augen sehen konnte, was dieses furchtbare Mädchen mit dir anstellt, hat mir mit Sicherheit geholfen, einige Dinge klarer zu sehen.“

„Und die wären?“, fragte Josephine, obwohl sie gar nicht sicher war, ob sie die Antwort hören wollte.

„Die Frage ist doch eher, warum sie das getan hat.“ Josephine nickte ein wenig. Das war durchaus etwas, was sie sich ebenfalls fragte.

„Menschen hegen seit jeher das Bedürftnis, andere mit ins Verderben zu reißen, wenn sie sündigen“, erklärte Mr. Buchanan ihr „Ich schätze, Miss Thurgood wollte sich durch dich besser mit ihrem eigenen, unzüchtigen Verhalten fühlen. All die Dinge, die du bisher mit Männern angerichtet hast… lass mich raten, sie hat dich dazu angestiftet.“

Josephine biss sich auf die Unterlippe und nickte ein wenig. Das klang plausibel. Oh Gott, und sie hatte auf Drängen dieses Miststücks wirklich versucht, ausgerechnet ihn anzumachen. Sie schämte sich wirklich entsetzlich dafür. Das konnte sie nicht mehr ungeschehen machen, dabei musste sie weiterhin jeden Tag in sein Gesicht sehen.

„Sir?“, murmelte sie betreten. „Sehen Sie die Möglichkeit, das meinem Vater nicht mitzuteilen? Ich meine das… was ich… bei Ihnen…“

„Leider nicht, Josephine. Ich darf deinem Vater nichts verschweigen. Aber wenn ich ihm die Lage erkläre, wird er verstehen, dass das nicht aus Interesse an mir geschehen ist sondern allein aufgrund von Miss Thurgoods schlechtem Einfluss.“

„Mhm“, machte Josephine missmutig. Es war ja nicht so, als fände sie Mr. Buchanan nicht trotzdem irgendwo ziemlich toll und als hätte sie sich nicht ein kleines bisschen selbst auf etwas mehr Zärtlichkeit und etwas weniger Strafen gefreut. Aber wenn er diese Version der Geschichte selbst glaubte und weiterverkaufte, war es ganz sicher das beste so. Der heutige Abend hatte ihr ohnehin bewiesen, dass sie sich in Wahrheit kein bisschen bereit fühlte, einem Mann näher zu kommen. Vor allem wenn es ein richtiger Mann und kein notgeiler Bursche war.

Über diese Gedanken sah sie verstohlen zu ihm, jetzt könnte sie noch eine Runde Trost doch ganz gut vertragen, aber da sie vorhin sein Angebot in diese Richtung ausgeschlagen hatte, würde er es sicher nicht noch einmal versuchen. Sie sollte ja auch eigentlich wütend wegen der Sache mit Alice sein. Aber wenn man traurig war, waren ein paar starke Arme für den Trost eben genau die richtige Medizin.

„Was ist?“, fragte er, als sie so hin und her rutschte und ihn scheinbar dabei unverwandt angestarrt hatte. Sie wurde etwas rot, dann erhob sie sich einfach von ihrem Platz.


„Vorsicht!“, Er hielt sie gerade so an ihrem Rock fest, als sie strauchelte, in der Kutsche zu stehen war aber auch eine wackelige Angelegenheit. Weiterhin verlegen nahm sie nun einfach neben ihm Platz. „Aua“, murmelte sie, weil das Hinsetzen so weh tat, dann vergrub sie verstohlen den Kopf in seiner Armbeuge. Zum Glück kommentierte er das nicht weiter, sondern machte etwas mehr Platz, damit sie sich richtig anschmiegen konnte und drückte sie an sich.

Seufzend schloss sie die Augen. Das war schön, wirklich schön. Er fühlte sich so warm und fest an und ein unumstößliches Gefühl der Geborgenheit durchflutete sie. Das Schaukeln der Kutsche und die Anstrengung vom vielen Geheule taten ihr Übriges. Was für ein schrecklicher Abend das doch gewesen war, aber gerade hier in seinen Armen hatte sie das Gefühl, dass alles sich irgendwie fügen würde. Über diesen Gedanken war sie im nächsten Moment auch schon eingeschlafen.

6 Kommentare zu „13. Freundinnen (Der Privatlehrer)

  1. Beinahe unnötig zu erwähnen, dass ich natürlich mittlerweile längst durch alle 13 Kapitel durch bin, sie alle genossen habe und mich schon auf eine Fortsetzung freue. Vielleicht lässt sich Alices Mutter ja doch noch umstimmen. Ich finde ja, Josephine hat den unzählige Male verdroschenen Po und alle weiteren Bestrafungen durch Mr. Buchanan verdient; aber die beste Freundin als Strafe zu verlieren, das ist wirklich hart.

    Gefällt 1 Person

    1. Freut mich, dass du alles gelesen hast und auch weiterhin mochtest! Ja, ich denke auch, das wäre wirklich verdammt hart für Josephine, definitiv zu hart, ihre Freundin zu verlieren. Danke für dein Feedback, freut mich riesig.
      Glg,
      rbg

      Gefällt mir

  2. Ich kann kaum erwarten, bis die
    nächste Folge des Privatlehrers
    erscheint. Natürlich wünsche ich
    mir sehnlich, dass Lotties
    Hintern windelweich geschlagen
    wird für ihre Gemeinheiten.
    Unsere vorzügliche Autorin wird
    sicher einen neuen Handlungsstrang
    entwickeln, wo das möglich wird.
    Am besten mit vielen Schlägen
    mit der Reitgerte auf den Nackten
    Und Brennesseln an der üblichen
    Stelle…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s