16. Femme Fatale (Der Privatlehrer)

a/n: Und schon geht es hier wieder weiter. Diesmal geht es doch ein bisschen anders zu als sonst und ich bin sehr gespannt, was ihr dazu sagt!

„Phine, aufwachen“ Angesprochene schlug die Augen auf seufzte wohlig, ehe sie sich aufrichtete. Alice schob die Vorhänge auseinander und die wärmenden Strahlen der aufgehenden Sonne krochen in Josephines Schlafstube. Was für ein herrlicher Tag. Mit einem Summen auf den Lippen streckte sie sich ausgiebig. Obwohl sie sich heute früher hatte wecken lassen, fühlte sich Josephine wunderbar ausgeruht.

„Na, du hast aber gute Laune“, stellte Alice fest, die gerade ihre Waschschüssel bereit machte. „Und das trotz dieser Uhrzeit, alle Achtung.“

„Es ist wichtig, dass ich früh auf bin, sonst schaffe ich es nicht, vor dem Frühstück Mademoiselle Lapertes wertvollen Rappen zu versorgen. Sie hat mich mit dieser Aufgabe betraut und ich werde mir natürlich alle Mühe geben, sie zu erfüllen.“

Alice schmunzelte, während sie die Seife bereit legte.

„Das sind ja ganz neue Töne von dir, was ist bloß geschehen? Frisch verliebt?“

„Hast du sie schon gesehen?“

Alice schüttelte den Kopf.

„Du hast keine Ahnung, wie hübsch sie ist. Und noch dazu selbstbewusst, eloquent. Und sie trug Hosen. Richtige Hosen, die ihre Beine ganz zeigten.“

„Das ist obszön“, fand Alice naserümpfend.

„Überhaupt nicht!“, widersprach Josephine sofort. „Diese Frau ist ein Vorbild. Selbst Mr. Buchanan blieb die Sprache weg, ich glaube, sie kann jeden in den Schatten stellen. Sie weiß, was sie kann und das hält sie nicht zurück. Das finde ich einfach großartig.“

„Phine… kann es sein, dass du ein bisschen so sein möchtest wie sie?“, merkte Alice ziemlich klug an, während Josephine aus ihrem Nachthemd schlüpfte.

„Ein bisschen? Ich möchte genau so sein wie sie! Sie hat den Hof ihres Vaters nach dessen Ableben weitergeführt und zum erfolgreichsten Zuchthof Frankreichs gemacht, ihre Pferde haben zahllose Preise gewonnen und ihr Reitstil wurde ebenfalls mehrfach prämiert. Das alles hat sie geschafft, ohne je geheiratet zu haben.“

„Dennoch kennst du sie im Grunde gar nicht wirklich, abgesehen von ihrer Geschichte“, merkte Alice kopschüttelnd an und reichte ihr Schwamm und Seife. Josephine begann sich zu waschen.

„Noch nicht richtig, nein. Aber sie und ich sehen uns ab jetzt ja wohl hoffentlich Tag für Tag und lernen uns noch viel besser kennen. Ich denke, durch sie werde ich viel besser lernen, worauf es als Gutsherrin ankommt als durch den drögen Buchhaltungsunterricht“

„Dass du ihn nicht ausstehen kannst heißt nicht, dass er nicht wichtig ist“, erwiderte Alice und legte ihr das Handtuch bereit.

Josephine rollte etwas mit den Augen, während sie ihre gründliche Wäsche fortsetzte. Abgesehen von Alice’s Belehrungen störte es sie maßlos, wenn diese positiv über Mr. Buchanan sprach. Naja, hatte sie streng genommen ja gar nicht, aber Josephine war diese Thematik betreffend gerade sehr sensibel. Es wurde wirklich Zeit, dass sie einen anständigen Ehemann für ihre Freundin fand, damit dieser Spuk ein Ende hatte.

„Dein Hinterteil sieht ja mal richtig jungfräulich aus“, merkte dann Alice an und Josephine errötete augenblicklich.

„Naja… ich bessere mich“, erklärte sie. Außerdem hatte Mr. Buchanan wenn sie so darüber nachdachte gestern doch ein wenig abwesend gewirkt.

„Nein, nicht der alte Fetzen“, schmetterte Josephine mit ihren Worten sogleich das Kleid ab, das Alice ihr bereitlegte.

„Der alte Fetzen? Das ist doch eines deiner Lieblingskleider“, erwiderte Alice verwundert.

„Das ist so… verspielt und altmodisch“, befand Josephine mit Blick auf die Rüschen am Kragen und Saum des Kleides. „Ich hätte gerne ein schlichtes Kleid in einer dunklen Farbe. Oder rot!“

„Ich seh mal nach, was du hast“, erwiderte Alice ein wenig kopfschüttelnd. Es brauchte einige Vorschläge bis sich Josephine mit einem Kleid arrangieren konnte und das auch eher widerwillig. Es war rot mit enger Taille und wenigen Verzierungen, aber es sah längst nicht so kindlich aus wie ihre Kleidung sonst.

„Wo ist meine Lippenfarbe?“, fragte sie und wandte sich in Richtung des Frisiertisches.

„Phine! Du kannst dich doch nicht am Morgen schon schminken!“, widersprach Alice entsetzt.


„Na und ob ich kann. Ich bin bald eine Gutsbesitzerin. Es wird Zeit, dass ich meine eigenen Regeln aufstelle.“ Mit diesen Worten nahm Josephine das Töpfchen Farbe auf und tupfte sich ein wenig auf die Lippen. Alice schüttelte entsetzt den Kopf.

„Und wenn meine Mutter dich so sieht?“

Josephine hielt inne, dann sah sie ihre Freundin seufzend an. Sie nahm sich ein Taschentuch vom Frisiertisch und wischte die Farbe eben wieder ab. Was tat man nicht alles für seine Freunde.

„Aber wenn du erst einen Ehemann hast, lasse ich mich von diesen Dingen nicht mehr abhalten, das sage ich dir! Herrgott, deine Mutter ist eine Tyrannin!“

Alice rollte nun ihrerseits zur Antwort mit den Augen und bugsierte sie auf den Stuhl vor sich, um ihr die Haare zurechtzustecken.

„Steiger dich da nur nicht zu sehr hinein, versprichst du mir das, Phine? Wenn du leidenschaftlich bist, wirst du auch immer gleich leichtsinnig.“

„Mhm“, machte Josephine. Sie sah nun wirklich keinen Grund, auf der Hut zu sein. Frauen wie Mademoiselle Laperte mochten bedrohlich auf andere Frauen wirken. Aber jemand wie sie, der selbst stark und stolz war, fühlte sich so nur bestärkt, an den eigenen Werten festzuhalten.

Es war noch recht kühl für Anfang Mai, was daran liegen mochte, dass die Sonne gerade erst hinter dem Horizont hervorgekrochen war. Josephine fröstelte es ein wenig, als sie sich in Richtung Stallungen begab. Auf dem Weg dorthin überkam sie mit einem Mal ein seltsames Gefühl. Eine feine, aber dennoch störende Gänsehaut machte, dass sich ihre Nackenhärchen aufrichteten und dann hörte sie es.

Merkwürdige Laute drangen an ihr Ohr und je mehr sie sich ihrem Ziel näherte, desto sicherer konnte sie sein, dass sie aus dem Stall drangen. Ihre Schritte wurden zögerlicher. Hatte ein Pferd sich womöglich verletzt? Wobei, bei genauerem Hinhören klang das nicht wirklich nach einem Pferd, auch nicht nach einem Hund oder einer Katze. Sie wollte doch nicht hoffen, dass dort jetzt jemand lag und einem Herzanfall erlag, denn die Geräusche klangen nicht wirklich gesund.

Schneller als ihr lieb war, stand Josephine schon vor der Stalltür. Sie schluckte, dann besann sie sich und öffnete die Tür einen Spalt weit.

Der Anblick, der sich ihr bot, war wirklich erschreckend. Der Stallbursche lag vollkommen nackt auf einigen aneinandergereihten Strohballen und auf ihm thronte ihre neue Reitlehrerin. Sie saß mit dem Gesicht zu ihm, lehnte sich jedoch zurück und stützte einen Fuß neben seinem Körper, einen auf seiner Schulter ab. Sie bewegte sich auf seinem Unterleib auf. Josephine wusste kaum, wo sie zuerst hinschauen sollte, wegsehen konnte sie jedenfalls nicht. Mademoiselle Laperte Bewegungen schienen so sicher, so elegant und erhaben. Die Geräusche allerdings stammten nicht aus ihrem Mund, sondern aus denen des Stallburschen. Josephine war zuvor nie aufgefallen, wie stattlich er doch war. Nun allerdings musste sie auf sein Muskelspiel bei diesem Akt achten, wie er seine festen Arme hinter sich in das Stroh stemmte. Seine kräftige Brust kam gar nicht mehr zum Stillstand, so heftig schien sein Atem zu gehen.

„Du hast einen schönen Schwanz“, sprach Mademoiselle Laperte, ihre Stimme klang rau und längst nicht so beherrscht wie beim letzten Mal, als Josephine sie hatte sprechen hören.

„Mhh… danke!“, keuchte der Stallbursche. Josephine biss sich auf die Unterlippe. Das alles wirkte so falsch und gleichzeitig so aufregend. Es war ja nicht so als hätte sie keine Ahnung gehabt, was Männer und Frauen hinter verschlossenen Türen miteinander taten… aber sie hatte keine Ahnung gehabt wie es wirklich aussehen würde… oder dass eine Frau dafür auch auf einem Mann sitzen konnte. Sie spürte, wie die Hitze in ihr Gesicht stieg. Eigentlich sollte sie umkehren und verschwinden. Was sie hier tat, gehörte sich doch nun wirklich gar nicht.

„Das heißt danke, Herrin“, sprach die schöne Fremde mit einem Mal mit harscher Stimme.

„Oh… entschuldigen… Sie… Herrin! Nicht langsamer werden…. nicht…“

Sie drückte zur Antwort ihren Fuß gegen sein Kinn. „Wer entscheidet hier das Tempo, Junge?“ Wow, wieder diese Tonlage. Da wurde selbst Josephine ganz anders.

„Ihr, Herrin!“, stöhnte der Stallbursche hervor und Josephine war doch etwas verwundert, wie schnell der Kerl einknickte. So etwas wie einen starken Willen oder Ehrgefühl schien er ja nicht zu besitzen. Dabei hätte sie ihn so gar nicht eingeschätzt. „Nur Ihr… aber bitte… bitte…“

„Ich mach erst weiter wenn du still bist. Gebettel kann ich nicht ausstehen“ Die Mademoiselle hob nun ihren Unterkörper recht weit hoch, sodass Josephine selbst aus ihrer Lage heraus beide Geschlechtsteile sehr deutlich betrachten konnte. So aus nächster Nähe hatte sie wirklich noch nie einen nackten Mann gesehen und es war…

Noch bevor sie diesen Gedanken zuende führen konnte, sah sie mit einem Mal genau in das Gesicht des Stallburschen.

„Oh verdammt!“, rief dieser ertappt aus.

Mademoiselle Laperte drehte den Kopf, sah nun selbst in Josephines Augen, die dort einfach weiter wie angewurzelt stand. Was tat sie denn jetzt bloß?! Das war an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten.

Aus dem Gesicht der schönen Französin war absolut nicht abzulesen was sie gerade dachte. Josephine nahm sich allerdings auch nicht viel Zeit, ihren Gesichtsausdruck zu analysieren. Sie machte auf dem Absatz kehrt und rannte davon, so schnell sie ihre Beine trugen. In diesem Augenblick fühlte sich kein Gedanke schlimmer an als der, dass einer der beiden ihr folgen könnte. Irgendwann hatte sie den Rosengarten erreicht und ließ sich dort hinter eine der sicher zwei Meter hohen Hecken sinken.

Josephine starrte auf den vor sich liegenen, zum Glück noch vollkommen menschenleeren Garten. Ihr Herz hämmerte ungesund heftig gegen ihre Brust und sie spürte, wie ihr Gesicht vor Hitze glühte. Es dauerte einen ganzen Moment, bis sie wieder einen klaren Gedanken fassen konnte. Wie peinlich war das, der zweite Tag von Mademoiselle Laperte auf ihrem Anwesen und sie hatte sie bereits in so einer prekären Lage gesehen!

Im nächsten Augenblick spürte sie erste Zweifel in sich aufkeimen. War das ganze nicht zutiefst ungehörig, sich mit einem Stallburschen zu vergnügen, eine Dame von Rang wie sie, unverheiratet! Und selbst wenn sie ein Liebesspiel doch nur wenig zu bewerten wusste, war ihr klar, dass sie das sicherlich nicht zum ersten Mal getan hatte. Das brachte alles ins Wanken, was Josephine geglaubt hatte, als strenge, aber doch vernünftigte Lektion eingeprägt – ja man konnte doch sagen eingeprügelt bekommen zu haben. Dass es sich für eine unverheiratete Frau nicht ziemte, solche schmutzigen Dinge zu tun und schon gar nicht mit jemandem niederen Standes wie Peter oder in diesem Fall Finnegan, dem Stallburschen.

Auf der einen Seite war da Mr. Buchanan, der klug und gefasst und dennoch humorvoll wirkte und genau zu wissen schien, wovon er sprach, wenn er ihr die Welt erklärte.

Doch Mademoiselle Laperte befand sich in der Lage, in der sich Josephine in einigen Jahren wiederfinden würde. Immerzu war ihr gepredigt worden, wie eine Gutsbesitzerin sich zu verhalten hatte. Doch Mademoiselle Laperte hatte sich diesen ausgezeichneten Ruf aufgebaut und dennoch tat sie offenbar hinter verschlossenen Türen was sie wollte. Konnte es also so falsch sein, seinen Gefühlen zu folgen?

Vielleicht hatte Mr. Buchanan in diesem speziellen Fall ja doch Unrecht. Oder er belog sie ganz bewusst aus Sorge vor etwaigen Konsequenzen, denn seine Worte und seine Taten vermochten aktuell nicht ganz zusammenzupassen. Er sagte, dass es sich nicht gehörte, wenn eine unverheiratete Dame schmutzige Dinge tat oder tun wollte, er behauptete, sie sei ein kleines Mädchen, das keine Ahnung von der Welt da draußen hatte, aber dann plötzlich küsste er sie. Josephine seufzte überfordert. Eine ganze Weile blieb sie dort sitzen und grübelte über all diese Dinge nach, dann erst erhob sie sich lief erneut in den Innenhof. Den Stall wollte sie bei all den guten Vorsätzen, sich vorbildlich um Maurice, das stolze Pferd der Mademoiselle zu kümmern, nicht noch einmal aufsuchen.

Gerade als sie sich der Eingangstüre näherte, sah sie, wie Mr. Buchanans Kutsche heranfuhr. Sie spürte, wie sie unwillkürlich zu lächeln begann. Wenn sie ihn sah, fühlte es sich einfach gut an, egal wie viel Strenge und Schmerzen sein Auftauchen in ihrem Leben ihr inzwischen beschert hatte. Sie hatte ganz vergessen, dass sie ihn ja zum Frühstück eingeladen hatte, doch gerade kam es ihr ganz gelegen. Sie wartete auf dem Treppenabsatz darauf, dass er aus der Kutsche stieg, als sie sah, wie Mademoiselle Laperte die Stallungen verließ. Weil Josephine nicht so richtig wusste, wie sie der Dame nach den Beobachtungen zuvor jetzt entgegentreten sollte, machte sie dann doch kehrt und lief in Richtung Eingang.

„Miss Abbott!“, hörte sie die Stimme der Frau dann aber unverkennbar rufen, sie klang schneidend und fordernd. Überrascht drehte Josephine sich um, als die Dame sie von Weitem heranwinkte.

Etwas perplex näherte sich Josephine dem Stall, wieso diese Strenge? Sie hatte sich ja nichts zuschulden kommen lassen. Außerdem haderte Josephine mit dem Gedanken, ob die schöne Französin ihr denn überhaupt etwas zu sagen hätte. „Erziehungspersonen unter sich“ hatte Mr. Buchanan gestern gesagt. Aber sie war ja nur ihre Reitlehrerin, nichts weiter. Sie selbst hatte sie ausgesucht und angestellt. Nach noch mehr Erziehung hatte sie dabei sicher nicht gefragt.

„Guten Morgen, Miss Abbott“, sprach Miss Laperte ruhig, aber kühl. „Haben Sie mich nicht gesehen oder warum haben Sie es vorgezogen, mir den Rücken zuzudrehen statt mich zu grüßen?“

„Wie bitte?! Ich…“ Im Grunde hielt sich Josephine für recht schlagfertig. Doch dieser anschuldigende Ton und das nach dem, was sie heute morgen gesehen hatte brachte sie doch ein wenig aus der Fassung.

„Sie… was?!“ Miss Laperte hob eine Braue. „Wollten Sie mir ausweichen, weil Sie ihren Pflichten nicht nachgekommen sind, Miss Abbott, ist es das?“

Nun schnappte Josephine nach Luft. Das konnte sie doch nun wirklich nicht ernst meinen. Sie war so früh aufgestanden um das Pferd zu versorgen, sie hatte wirklich alles richtig machen wollen, aber dass das nicht hatte umgesetzt werden können lag ja wohl sicher nicht an ihr.

„Ich war in den Stallungen, pünktlich nach Sonnenaufgang und das wissen Sie doch, Miss Laperte!“

Der Blick der Reitlehrerin war nun erst recht unterkühlt. „Ich sagte Ihnen gestern bereits, es heißt Mademoiselle Laperte, abgesehen davon weiß ich nicht, wovon Sie gerade sprechen.“

„Wovon ich…“ Josephine spürte, wie die Hitze in ihr Gesicht kroch. Nein, sie wäre sicher nicht imstande, dieses Szenario in adäquate Worte zu fassen.

„Ich finde es ausgesprochen schade dass wir uns so gleich am zweiten Tag begegnen müssen, Lady Abbott, doch bei meinen Pferden verstehe ich keinen Spaß. Wenn Sie meinen Maurice nicht ordentlich versorgen, muss ich Ihr Fehlverhalten korrigieren.“

„Wie bitte?!“ Josephine blinzelte irritiert. Diese Frau war etwas älter als sie selbst, das schon, aber nur wenig größer und so zierlich gebaut, dass der Gedanke, sie könnte sie bestrafen, sich absurd anfühlte. Abgesehen davon war sie schließlich nur eine ihrer Angestellten. Welches Recht nahm sie sich heraus, sie bestrafen zu wollen? Und das noch so vollkommen unbegründet, wollte sie vertuschen, was Josephine mit ihren eigenen Augen gesehen hatte? Andererseits steckte da noch immer die Bewunderin der eleganten Dame in Josephine, die der Fremden um jeden Preis gefallen wollte.

„Sie müssen sich meinen Regeln nicht beugen, Miss Abbott. Aber dann werde ich mit großem Bedauern die Anstellung in ihrem Hause ablehnen müssen. Wenn ich unterrichte, dann nach meinen Regeln.“ Mit diesen Worten nahm sie die Reitpeitsche von ihrem Gürtel ab und ließ sie durch die Luft sausen. Josephine bekam unwillkürlich eine Gänsehaut. Das fühlte sich weder richtig noch gerecht an. Und sie war vollkommen überfahren von der Dreistigkeit dieser Frau. Doch sie wollte keinesfalls, dass Mademoiselle Laperte jetzt schon ihren Hof verließ.

„Ich verstehe“, hauchte sie darum. „Was muss ich tun?“

„Ziehen Sie sich doch bitte ganz aus und legen Sie sich dann über diesen Strohballen. Keine Sorge, es ist Ihre erste Strafe und ich werde nicht allzu hart mit Ihnen ins Gericht gehen, Miss.“

Wieder wurde Josephine heiß und kalt. Sie fühlte sich gerade wirklich elendig. Also wollte sie lieber nicht zu lange darüber nachdenken. „Gut dann… öffnen Sie doch mein Kleid“, erklärte sie und drehte sich um. Plötzlich spürte sie einen beißenden, kurzen Schmerz auf ihrem Rücken. Entsetzt sah sie über ihre Schulter. Mademoiselle Laperte sah sie düster an.

„Das heißt „Können Sie bitte mein Kleid öffnen, Mademoiselle Laperte“, nicht? Wer hat Sie erzogen, Miss?!“

„In…. in letzter Zeit Professor Buchanan, Mi… Mademoiselle Laperte“, stammelte Josephine, während die Französin ihr nun ohne Umschweife das Kleid aufschnürte.

„Aha“, sprach diese als Antwort, mehr nicht. Sie wartete, bis Josephine aus dem Kleid gestiegen war. „Na weiter, nackt sollen Sie sein.“

„Etwa vollkommen nackt?“, hakte Josephine nach. Ein weiterer Hieb mit der Gerte, diesmal auf ihren schon halb ungeschützten Rücken folgte.

„Au!“, protestierte sie.

„Das habe ich Ihnen bereits gesagt, Sie sollten lernen, zuzuhören. Also nun, schneller, oder muss ich Ihnen erst Beine machen?!“

Josephine streifte nun voller Unbehagen die von Mademoiselle Laperte ebenfalls geöffnete Corsage ab, dann zog sie rasch das Unterkleid aus, auch die Unterhose ließ sie folgen, auch wenn sie spürte, wie ihr ganzer Kopf vor Verlegenheit heiß wurde.

„Umdrehen!“, blaffte die Mademoiselle. Josephine schluckte. Wozu? So wie sie gerade stand könnte sie sich doch nun am besten wie verlangt über den Strohballen legen. Ihr Zögern bescherte ihr einen weiteren Hieb mit der Gerte, diesmal auf den Oberschenkel.

Nicht ohne Empörung, aber gleichermaßen auch extrem beschämt fuhr Josephine herum. Die kalten Augen der Frau vor ihr sahen ihr nun direkt entgegen. Ein Schauer durchfuhr Josephine, während sie die Hand vor ihren Schritt schob. Selten hatte sie sich so ausgeliefert gefühlt.

„Sie sind wirklich ungelehrig, muss ich feststellen“, erklärte die Französin, während sie mit den Fingerspitzen die Reitgerte entlang fuhr, dann musterte sie sie unverhohlen von oben bis unten.

Josephine schluckte, doch sie versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr diese Situation sie beschämte und einschücherte. Das war ja nicht das erste Mal, dass sie sich für eine Strafe komplett entkleiden musste, doch Mr. Buchanan hatte sie nicht ein einziges Mal so eindeutig angestarrt. Dabei stand sie doch einer Frau gegenüber, sollte es sich da nicht weniger unangenehm anfühlen, nackt zu sein?

„Nimm die Hände hinter den Rücken“, verlangte Natalie, ihre Stimme klang nun plötzlich verschwörerisch, irgendwie unangenehm sanft.

Josephine öffnete ihren Mund, doch es kam ihr nicht das ‚Wozu?‘ oder eigentlich noch besser das ‚Nein‘ von den Lippen, das sie jetzt gerne zur Antwort gegeben hätte. Sie fühlte sich so unwohl, wieso drehte sie sich nicht einfach um und ging? Doch irgendwie ließ sie ihr Stolz nicht und so legte sie wortlos die Hände wie verlangt hinter ihrem Rücken ineinander.

Sie zuckte, als sie spürte, wie die Reitgerte sich auf ihre Haut legte. Diesmal jedoch nicht strafend, sondern federleicht. Mademoiselle Laperte ließ die Spitze der Gerte ihren Hals hinab gleiten, zwischen ihren Brüsten entlang. Dann plötzlich streifte sie jede ihrer Brustwarzen kurz, ehe sie tiefer fuhr, ihren Bauchnabel entlang und noch etwas tiefer.


Josephines Atem beschleunigte sich. Sie wusste nicht, wie ihr hier geschah, geschweige denn wie sie das, was sie hier gerade erlebte, einordnen sollte. Die Gerte hatte nun ihren Venushügel erreicht und Mademoiselle Laperte ließ die lederne Spitze dort einige Male entlang fahren, sah dabei prüfend in Josephines Gesicht. Diese senkte den Kopf und widerstand dem Drang, einen Schritt zurück zu machen oder die Gerte gar wegzuschlagen. Die Stelle war ihr eindeutig zu pikant um einen plötzlichen Schlag dorthin zu riskieren.

Mit einem Mal folgte genau dieser jedoch trotzdem, unverhofft, stechend und genau so schnell vorüber wie er ausgeführt worden war. Josephine sackte etwas in die Knie und gab ein empörtes „Hey!“ von sich.

„Über den Strohballen mit Ihnen, na los!“, befahl die Französin plötzlich wieder streng, bevor sie noch etwas weiteres einwenden konnte.

Josephine fühlte sich beinahe schon erleichtert. Das immerhin war ein Szenario, in dem sie ihre Rolle kannte. Also drehte sie sich um und ließ sich hastig auf den Ballen vor sich sinken. Erst jetzt fiel ihr auf, dass das nackt wie sie war eine ziemlich pieksende, unangenehme Angelegenheit war. Unwillkürlich musste sie wieder an die Szene von vorhin denken. Also hatte Finnegan bei dem Akt wohl nicht zufällig unter der Mademoiselle gelegen?

„Nicht so“, hörte sie die kühle, weibliche Stimme hinter sich, ehe sie es sich versah, wurde sie an der Hüfte gepackt und ein Stück über den Ballen gezogen, bis sie auf einem seiner Ecken lag. So, wie Mademoiselle Laperte sie positionierte, waren ihre Beine nun deutlich gespreizt. Wieder spürte sie, wie ihr die Schamesröte ins Gesicht stieg.

„Bitte nicht so!“, wandte sie ein. Wieder zischte ein böser Gertenhieb einmal quer über ihren Rücken. Sie keuchte.

„Hören Sie endlich auf mir zu widersprechen, Lady Abbott, sonst überlege ich mir das mit der glimpflichen Strafe noch einmal.“

Josephine spürte, wie vor Scham Tränen in ihre Augen stiegen. Warum musste sie sich denn ausgerechnet so präsentieren? Sie versuchte, ihre Beine etwas mehr zusammenzuschieben, doch wenn sie so liegenbleiben sollte, wie sie positioniert worden war, gab es nicht viel Spielraum. Hinzu kam, dass das Stroh auch an ihrer empfindlichsten Stelle furchtbar juckte und piekte. Sie wollte sich gar nicht zu sehr bewegen.

„Wenn ich Sie bestrafe, dann ganz so, wie ich es für richtig halte, merken Sie sich das. Es gibt 10 Hiebe. Sie werden mitzählen und sich für jeden Schlag bedanken. Immerhin lehre ich Sie eine wichtige Lektion in Sachen Disziplin.“

Bedanken?! Das konnte sie doch nicht ernst meinen, es gab nun wirklich keinen Grund, für diese unfassbar unverdiente Strafe dankbar zu sein! Während Josephine gerade noch dabei war, diese bittere Pille zu schlucken, erfolgte auch schon der erste Gertenhieb quer über ihre beiden Backen.

Verdammt! Irgendwie hätte Josephine nicht damit gerechnet, dass eine zierliche kleine Frau ähnlich hart würde zuschlagen können wie Mr. Buchanan. Doch das hier war sogar noch schmerzhafter als jeder der zahlreichen Gertenhiebe, die ihr von ihm erteilt worden waren. Fassungslos schnappte sie nach Luft und krallte sich mit Leibeskräften in den Strohballen.

Zack! Da hatte sie auch schon den zweiten Schlag sitzen. Ein unterdrückter Schrei drang aus ihren zusammengepressten Lippen. Erst beim dritten, ebenso grässlichen Hieb wurde ihr bewusst, das sie vor lauter Schmerz verarbeiten vergessen hatte, wie verlangt laut mitzuzählen.

„Drei! Danke!“, rief sie also aus.

Die Antwort der Mademoiselle war nur ein verächtliches Schnauben, dann schon der nächste Hieb. Josephine wand sich auf dem Strohballen, was ihren ganzen Körper jucken ließ und atmete schwer.

„Vier, ich….“

„Sie meinen doch wohl nicht wirklich, dass die Hiebe, die Sie nicht gezählt haben, mitzurechnen sind. Und richtig anreden können Sie mich noch immer nicht.“ Mit diesen Worten zischte der fünfte, brennende Schlag viel zu fest über ihre weit gespreizten Backen.

Josephine versuchte sich zu sammeln, so gut wie nur konnte.

„Eins! Danke, Mademoiselle Laperte“, stöhnte sie.

„Bitten Sie um den nächsten“, war deren kühle Antwort.

„Bitte… noch ein Hieb“, brachte Josephine nur sehr schwer über ihre Lippen und dennoch wurde die erzwungene Bitte prompt erfüllt.

„Zwei!“, schrie sie. „Danke, Mademoiselle Laperte. Bitte noch ein Hieb“

„Es geht doch“, sprach die Französin selbstzufrieden und ließ den in Wahrheit bereits achten, harten Schlag folgen, diesmal diagonal, womit sich diese Strieme mit den ersten bereits überschnitt. Josephines presste ihr Gesicht gegen das Stroh. Das alles hier fühlte sich so ungerecht und einfach nur gemein an!

„Drei, danke Mademoiselle Laperte, bitte noch ein Hieb“, presste sie voller Widerwillen hervor. Wieder folgte die Erfüllung der vermeintlichen Bitte auf den Fuß, wieder schräg über ihre Backen, doch diesmal in die andere Richtung verlaufend. Josephine schrie auf, musste sich sammeln, ehe sie wieder die verlangten Worte herunterleierte.

Der fünfte Hieb ließ sie mit den Beinen strampeln, fluchen, jede ihrer heutigen Entscheidungen überdenken.

„Na schön. Es geht doch. Die letzten fünf müssen Sie nicht mitzählen. Nur artig ertragen, verstanden?“

„Ja, Mademoiselle Laperte“, keuchte Josephine, wenn ihr auch nicht ganz klar war, wo diese plötzliche Gnade herrührte. Und dann spürte sie einen unvorhergesehen Schmerz, den sie so nicht kannte. Einen, der direkt zwischen ihren Backen an einer äußerst unangenehmen Stelle explodierte. Ein schriller Aufschrei entfuhr ihren Lippen. Was zum Teufel….

„Oh ich weiß, das tut gut, nicht wahr?“, sprach die Dame wieder mit dieser bedrohlich-sanften Stimme und ließ die Gerte dann ein weiteres Mal auf ihr Poloch schnalzen. Josephine krallte sich nun mit beiden Händen so fest sie konnte in das Stroh unter sich. Hatte sie deswegen in so einer beschämenden Position Platz nehmen sollen? Die Hiebe waren zwar längst nicht so fest wie zuvor die auf ihre Backen, doch sie brannten auf dieser kleinen, empfindlichen Stelle wirklich ganz gehörig.

Zudem hatte sie das Gefühl, vor Scham demnächst ohnmächtig werden zu müssen. Zumindest ging es schnell. Josephine hatte es trotz all der Schmerzen geschafft, nach dem ersten Schreckmoment bei Verabreichung dieser äußerst pikanten Hiebe nicht mehr zu schreien. Es war ihr schlichtweg zu peinlich. Endlich schien es vorbei zu sein, doch der intensive Schmerz ließ sich nicht so schnell abschütteln. Dennoch zwang Josephine sich augenblicklich wieder auf ihre Füße. Hastig wischte sie sich mit dem bloßen Handrücken über die Augen. Das war wirklich schrecklich gewesen.

„Das hat Spaß gemacht, hm?“, hörte sie die Stimme der Französin vertraulich an ihr Ohr säuseln, dann gerade, als sie etwas erwidern wollte, nahm diese einen Schritt Abstand.

„Sie können sich anziehen und dann versorgen Sie meinen Maurice, Miss Abbott. Und dass mir das nicht noch einmal vorkommt, dann kommen Sie mir nicht mehr so glimpflich davon!“

Schwungvoll machte Mademoiselle Laperte auf dem Absatz kehrt und verschwand aus dem Stall, noch ehe Josephine überhaupt ihre Kleider vom Boden aufgehoben hatte. In Josephines Kopf herrschte absolutes Gefühlschaos. Was war hier gerade passiert? Ihr Hintern brannte auf und zwischen den Backen wirklich furchtbar. Eigentlich müsste sie wahnsinnig wütend über diese ungerechte Behandlung sein, doch stattdessen war sie einfach nur verwirrt. Aufgelöst stopfte sie sich selbst in ihre Sachen zurück und erst, als sie angezogen war, kam ihr der Gedanke. Es gab kaum einen Weg, diese Striemen vor ihrem Lehrer zu verstecken. Wie also sollte sie Mr. Buchanan diese ganze, absurde Geschichte erklären?

8 Kommentare zu „16. Femme Fatale (Der Privatlehrer)

  1. Also damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich muss sagen, dass es mir beim Lesen ganz heiß wurde. Es ist schon sehr böse, wie dieser neue Charakter Strafen anlegt, aber es trifft bei mir voll ins Schwarze, ich mag in der Fantasie so strenge, teils überzogenen Züchtigungen sehr.
    Ich fand es einfach nur sehr, sehr sexy!

    Gefällt 1 Person

    1. Hey, ist zwar verspätet aber ich wollte dir dennoch für deinen Kommentar danken. Ja, der neue Charakter ist absolut fies und unfair und ihr geht es dabei ganz bestimmt nicht um Erziehung 😉
      Schön dass es dir so gut gefallen hat.
      glg,
      rbg

      Gefällt mir

  2. Arme Josephine. Dieses Mal tat sie mir ehrlich leid. Eigentlich finde ich ja, dass Strafen verdient sein müssen – und diese Strafe war ziemlich unfair. Aber trotzdem war hat mir die Geschichte gefallen: eine unerwartete Wendung und taktvoll (albernes Wort, aber Du weißt hoffentlich, wie es gemeint ist) geschrieben.

    Mlle Laperte ist auf alle Fälle eine spannende Bereicherung. Ich nehme an, die Vornamensähnlichkeit zu Jeffs Exfrau ist nicht rein zufällig.

    Gefällt 1 Person

    1. Hey! Mir tat Josephine auch leid und die Strafe war absolut unverdient, so viel steht fest. Daran merkt man dann auch gleich, was für eine Art Spielchen Natalie spielt. Freut mich, dass du es trotzdem mochtest. Der neue Charakter wird auf jeden Fall noch viel Einfluss auf die Geschichte nehmen.
      Und nein, die Ähnlichkeit ist überhaupt nicht zufällig sondern voller Absicht so gewählt worden 😉

      Danke für deinen Kommentar und glg,
      rbg

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