46. Schneegestöber (Der Privatlehrer)

a/n: Spät, aber noch immer am 3. Advent kommt hier die nächste Geschichte der Reihe 🙂

Als Josephine die Augen aufschlug, kroch ihr bereits dieses Gefühl in den Nacken. Es war sogar, als würde ein feiner Duft in ihre Nase steigen und ihren Kopf mit Kindheitserinnerungen fluten. Sie setzte sich auf und strich sich den Schwall roter Haare aus dem Gesicht. Eilig krabbelte sie aus dem Bett und zog die schweren Vorhänge ein Stück beiseite. Sie quietschte aufgeregt. 

“Ich wusste es!”, rief sie aus und hüpfte auf der Stelle. Sogleich riss sie das Fenster auf und lehnte sich hinaus. Sie nahm einen tiefen Atemzug, sah sich mit einem Lächeln im Gesicht um. Die ganze Welt dort draußen hatte sich in ein Wintermärchen verwandelt und das über Nacht. Alles war bedeckt von einer dicken Schneeschicht. Nun hatte die Weihnachtszeit für sie erst so richtig begonnen. 

“Josephine!”, hörte sie da die strenge Stimme ihres Verlobten in ihren Nacken dröhnen. Sie fuhr herum. “Was machst du denn da?”, sprach er halb besorgt, halb verärgert. “Komm vom Fenster weg, du holst dir ja den Tod!”

Sie lehnte sich stattdessen gegen die Fensterbank, ein wenig abgelenkt von seinem Anblick. Anscheinend war er hastig in seine Hose geschlüpft und trug nun diese zusammen mit seinem locker sitzenden Hemd. Sein Haar war ungekämmt und somit bot er ihr einen netten Vorgeschmack auf die in Kürze anstehende Ehe. 

“Guten Morgen, schöner Mann”, säuselte sie. 

“Lass den Unsinn!”, mahnte er und durchquerte den Raum, um sie vom Fenster wegzuziehen und selbiges zu schließen. Sie schmollte gespielt, tatsächlich musste sie aber einräumen, dass sie in ihrem dünnen Nachthemd bereits ziemlich fror. Nicht ohne Genugtuung bemerkte sie, wie nun sein Blick an ihr hängen blieb, vor allem an ihren unter dem dünnen Stoff hervortretenden Knospen. 

“Was machst du eigentlich hier?”, wollte sie neugierig wissen. Es war nicht seine Art, in ihr Schlafzimmer zu stürmen – zu ihrem Leidwesen. 

“Ich habe dich schreien hören und dachte, es sei etwas geschehen”, erklärte er. 

“Oh, das ist es! Hast du gesehen? Der erste Schnee des Winters! Ich hatte schon befürchtet, wir müssten auf weiße Weihnacht verzichten.” Wieder strahlte Josephine übers ganze Gesicht. Nun schlich sich auch ein Lächeln in Johns Züge. 

“Tatsächlich. Du hast so sehr darauf gehofft.” 

Sie nickte eifrig und ließ sich dann nur zu gerne von ihm umarmen. Das genoss sie gründlich, bis sich mit einem Klopfen das Stubenmädchen meldete, um sie anzukleiden. 

“Wir sehen uns gleich zum Frühstück”, versprach John ihr mit einem Kuss auf die Stirn. 

“Bis gleich, Liebster”, erwiderte sie fröhlich. 


“Alice und ich wollen mit den Zwillingen gleich hinaus in den Schnee. Wir nehmen die Schlitten mit”, erzählte Josephine am Frühstückstisch. Während ihr Vater milde lächelte, blickte John gleich wieder drein, als hätte er etwas zu sagen. 

“Was für eine nette Idee”, fand Mr. Abbott. 

“Zieh dich warm genug an”, mahnte John, statt ähnliche, aufheiternde Worte zu finden. Sie rollte mit den Augen. Natürlich kam diese Erinnerung nicht von ungefähr, sie hatte eine Tendenz dazu, sich zu kühl anzuziehen, da ihr manche Kleidung einfach als nicht hübsch genug erschien. Aber gerade für dieses Jahr hatte sie sich ein neues Paar Handschuhe stricken lassen. 

“Ja, sicher”, erwiderte sie daher großspurig.

“Außerdem zieh ein paar dicke Stiefel an. Auf keinen Fall deine neuen, roten.”

Nun schwieg sie ertappt. Gerade letzte Woche noch hatte sie ein wunderbares Paar Stiefel aus rotem Samt vom Schuster abgeholt, eine Maßanfertigung. Seitdem musste sie voller Eitelkeit auf ihre Füße starren, wann immer sie das Haus verließ. Es war nunmal ein besonders hübsch gelungenes Paar. Sie hatte vor John geschwärmt, wie gut das Rot im Schnee aussehen würde. John hatte ihr schon dort erklärt, dass dies keinesfalls geeignete Schuhe für kalte und nasse Tage seien und sie sich nicht nur die Schuhe ruinieren, sondern obendrein die Füße abfrieren würde. 

“Natürlich nicht, John”, sagte sie daher mit möglichst unschuldiger Stimme. Also musste sie nichts tun, als später zu vermeiden, dass John sie mit den Schuhen das Haus verlassen sah. Denn es stand außer Frage, dass sie sich diesen hübschen Anblick nicht entgehen lassen würde. 


“So, haben wir alles?” Alice sprang zwischen Grace und Henry hin und her, um Mäntelchen zurechtzuzupfen, Schals mehr in selbige zu stopfen und die Schuhe noch einmal ordentlich zu binden. Erst dann zog sie sich selbst Handschuhe über.

“Na los!”, drängte Josephine und schnappte sich das Seil des Schlittens, auf dem die kleine Grace – genauso ungeduldig wie sie – bereits Platz genommen hatte. Das Mädchen jauchzte freudig, als Josephine mit vollem Tempo loslief. 

“Toll, dass du das mit uns machst.” Alice strahlte ihr entgegen, zog dabei den Schlitten von Henry hinter sich her. “Eine Gutsbesitzerin, die selbst den Schlitten zieht… wer hätte gedacht, das mal ausgerechnet bei dir zu sehen.”

Josephine rümpfte die Nase ob dieser freundlich verpackten Kritik. “Reiner Eigennutz. Ich will nachher ja selbst damit den Berg herunter fahren.” 

Alice schmunzelte und beließ es fürs Erste dabei. 

Es war eine ordentliche Strecke zurückzulegen, bis sie den Hang erreichten, den sie schon selbst als Kinder herunter gerodelt waren. Josephine fühlte sich voller Nostalgie, als sie ausgerechnet mit Alice hier stand. “Weißt du noch, wie du immerzu meinen Schlitten hoch ziehen musstest, weil ich es nicht selbst tun wollte?”, grinste sie.

Alice schnaubte. “Das werde ich wohl kaum vergessen! Es war furchtbar anstrengend. Aber ich habe mich viel zu sehr gefreut, dass du mir einen zweiten Schlitten ausgeborgt hast, da gab es in meinem Kopf keinen Platz für Beschwerden. „Auch wenn es durchaus anstrengend war, immerzu zwei Schlitten nach oben zu bekommen.” 

“Heute helfe ich dabei”, versprach Josephine und trat den beschwerlichen Weg an. 

“Schneller, Tante Phine!”, rief Grace von hinten und Josephine fluchte leise. Das war wirklich verdammt steil. 

“Wenn es nicht geht, lass Grace absteigen!”, riet Alice, die ihr schon ein Stück voraus war, mühelos wie es schien.

“Nein, es geht schon”, erklärte Josephine. Sie biss die Zähne zusammen und zog weiter. Für körperliche Anstrengung war sie wirklich nicht gemacht, befand sie. Nach dem beschwerlichen Aufstieg wurde sie allerdings von einer herrlichen Aussicht belohnt. Sie blickten nun auf das herrliche Weiß herab, die schneebedeckten Tannen und den Gutshof, der trotz des weiten Fußmarsches von hier aus fast greifbar nahe wirkte. 

“Ich will schlittern, Mummy”, bat Henry neben ihr ganz niedlich.

“Ja na sicher, also los.” Ohne Umschweife nahm Alice auf dem Schlitten Platz und klemmte Henry auf ihren Schoß. “Bekommst du das hin?”, fragte sie an Josephine gewandt.

“Also bitte!”, erwiderte diese fast ein wenig eingeschnappt, tat es ihr dann aber doch etwas unbeholfen nach. Als sie richtig saß, nickte Alice ihr zu, stieß die Füße vom Boden ab und sauste in beachtlichem Tempo den Abhang herunter.

Josephine war sich kurz nicht ganz sicher, ob sie das gerade wirklich gut fand, doch sie tat es ihr gleich. Im nächsten Moment flogen Grace und sie nur so. Der Schlitten nahm wirklich gewaltig Fahrt auf und nach einem kurzen nervösen Innehalten spürte sie pure Euphorie. “Jaaa!”, rief sie aus und auch Grace jauchzte. Sie rutschten weit, viel weiter als Alice, weil sie gar nicht erst ans Bremsen dachte und als sie doch darauf kam, tat sie es so ungeschickt, dass Grace und sie prompt vom Schlitten in den flockig-weichen Schnee plumpsten. Das kleine Mädchen kicherte, auch wenn sie gerade aussah wie ein Schneemann, mit dem Mantel und der Mütze voll Schnee. “Nochmal!”

Und das wollte auch Josephine, dieses herrlich-unbeschwerte Gefühl gleich wieder erleben. Also rappelte sie sich auf, klopfte den Schnee von ihnen beiden ab und trat weg den Hügel hinauf erneut an. 

Sie hatten wirklich einen unheimlichen Spaß, immer wieder zogen Alice und Josephine die Kinder hinauf und rodelten mit ihnen herunter. Schließlich – sie hatte nicht mitgezählt, wie oft, waren es zehn Male gewesen? Fünf? Fünfzehn? – war Josephine so erschöpft, dass sie eine Pause einforderte.

“Wir sollten zurück”, erklärte Alice. “Wir sind nass geworden im Schnee und kühlen sonst aus. Außerdem ist es ja auch ein Stück Weg.”

“Also gut”; seufzte Josephine, auch wenn sie zu gerne noch weitergemacht hätte. Aber sie fröstelte durchaus. 

Erst jetzt, auf dem Rückweg, bemerkte sie mit Blick auf ihre hübschen, roten Schuhe, dass diese komplett durchnässt waren. Herrje, sie war sogar bis auf die Strümpfe nass. Durch all die Aufregung des Schlittenfahrens hatte sie das gar nicht wirklich bemerkt. Allerdings jetzt, auf dem dagegen öden Heimweg, wurde sie sich dessen unangenehm gewahr. 

Bei jedem Schritt wurde ihr um die Füße herum ein wenig kälter. Durch die Nässe und den fehlenden Schutz fror sie sogar bald ganz gewaltig. Leider nicht nur an den Füßen, denn das unangenehme Gefühl kroch auch in den Rest ihres Körpers. Sie begann zu bibbern.

“Wie weit noch?”, fragte sie mit durchaus jämmerlich anklingender Stimme.

“Wir sind ja gerade erst losgegangen. Wieso?”, fragte Alice und drehte sich zu ihr um. “Meine Güte, Josephine, alles in Ordnung? Du klapperst ja mit den Zähnen.” 

“Es geht schon”, erklärte Josephine tapfer. 

“Oh… bist du doch nicht warm genug eingepackt? 

“Ich bin im Schnee zuvor nass geworden. Daran liegt es wohl”, erklärte Josephine wohlweislich, denn leider war Alice nicht in allen Dingen ihre Verbündete. Vor allem nicht, wenn es um Unvernunft ging. 

“Ich kann Gracie mit auf den Schlitten nehmen, dann hast du es wenigstens nicht so schwer mit dem Ziehen”, erklärter Alice hilfsbereit und Josephine nickte dankbar über die willkommene Entlastung. 

Sie hatten hoffentlich so in etwa die Hälfte der Strecke hinter sich, als Alice immer wieder in Richtung ihrer Füße schaute. 

“Sag mal, Phine… sind das nicht deine neuen, roten Samtstiefel?

Josephine biss die Zähne zusammen. Ach Mensch…

“Ja”, nuschelte sie “Kann schon sein.”

“Hatte John dir nicht schon letzte Woche gesagt, du solltest sie auf keinen Fall im Schnee anziehen?”

“Möglich, dass er so etwas in der Art erwähnt hat”, murmelte Josephine.

Alice schnaufte “Und du wunderst dich, dass er dich manchmal wie ein Kind behandelt, wenn du dich unvernünftig wie eines benimmst. Natürlich frierst du dich mit vermutlich ganz und gar durchnässten Füßen halb zu Tode. Was hast du dir bloß dabei gedacht?” 

“Du wirst es ihm doch nicht verraten?”, fragte Josephine hoffnungsvoll.

„Natürlich marschiere ich nicht zu ihm und erzähle ihm das. 

Aber wenn die Bediensteten die Eisklumpen von deinen Füßen lösen, wird er es schon mitbekommen.” 

Josephine biss die Zähne zusammen. Hoffentlich nicht!, dachte sie nur. 


Als sie den Gutshof schließlich endlich erreichten, war ihr schon alles egal, Hauptsache, sie käme endlich aus den nassen Sachen raus und könnte sich wärmen. 

“Warte mit den Kindern eben hier” erklärte Alice “Ich gehe schnell und hole Hilfe!” 

“Danke”, bibberte Josephine. Sie zwang sich zu einem Lächeln, als sie bemerkte, dass Grace und Henry sie mit großen Augen anstarrten. 

Im nächsten Moment sah sie erst Finnegan, dann weitere ihrer Hausdiener auf sie zu eilen. Sie wurde in dicke Decken gehüllt und hineingebracht.

“Ich lasse Ihnen ein Bad ein, Miss Abbott!”, versprach Marie. 

All der Trubel hatte natürlich auch John angelockt. 

“Was ist passiert?”, wollte er besorgt wissen und schob eine Dienstmagd beiseite, um Josephine selbst in den Arm zu nehmen.

“Sie ist vollkommen unterkühlt, Mr. Buchanan. Wir müssen ihr etwas Trockenes anziehen und sie vor den Kamin schaffen. Es dauert eine Weile, bis das Bad heiß ist”, erklärte Finnegan.

John drückte sie an sich und murmelte “Was machst du denn für Sachen?” Josephine war durchaus gerührt, hätte aber zu gerne ihre Füße versteckt. Ihr nervöses Tippeln damit lenkte seinen Blick jedoch erst recht in die Richtung. Ihr Herz raste, als sie dabei zusehen konnte, wie seine Miene finster wurde. Sein Griff um ihre Schulter ließ kein bisschen nach. 

“Na komm, wir bringen dich ins Trockene”, sagte er und sie atmete erleichtert aus. 

Während sie sich umziehen und warm rubbeln ließ, wartete er draußen. Natürlich, seine aufgesetzte Prüderie hätte ihn ja unmöglich dabei zusehen lassen. Die Bediensteten parkten sie in Decken vor dem Kamin, wo sie auf ihr Bad wartete. Allmählich fühlte sie sich wieder wie ein Mensch und nicht mehr wie ein Eisklumpen.

Plötzlich spürte sie eine Hand an der Schulter. Sie fuhr herum und sah in Johns Gesicht. 

“Hey”, sagte sie nur. Seine Züge waren weich und zugewandt. Erleichterung durchströmte sie. 

“Geht’s dir besser?”, fragte er. Sie nickte. 

“Viel besser”, bestätigte sie und sah ihn weiter an, in Erwartung an eine Moralpredigt. Doch da kam nichts. 

“Erleichternd zu hören. Dann wärm dich erst einmal richtig auf.” 

“Danke, Liebster”, erwiderte sie milde lächelnd. Na endlich hatte er kapiert, dass er nicht jedes Mal so ein großes Ding aus jeder ihrer Verfehlungen machen sollte. Es war ja auch alles gut ausgegangen, nicht? 

Ihr Stubenmädchen trat ins Zimmer. “Verzeihen Sie die Störung, ihr Bad ist jetzt so weit.”

“Ah gut, ich komme sofort”, nickte Josephine und erhob sich aus dem Ohrensessel, nickte John noch einmal zu.

“Siehst du. Alles halb so wild”, sprach sie keck und lief dann hinaus.


Das Bad war genau das Richtige für ihre durchgefrorenen Glieder, wunderbar heiß und duftend. Josephine summte, während sie mit einem Schwamm das Seifenwasser über ihrem Körper auswrang. Bald spürte sie nichts mehr von der zuvor so quälenden Kälte. Dennoch blieb sie in der Wanne, bis das Wasser nur noch lauwarm war. Sie konnte sich einfach nicht überwinden, das herrliche Nass zu verlassen. 

Schließlich öffnete sich die Tür hinter ihr. 

“Ah, Gertie. Du kommst genau richtig, das Wasser ist gerade abgekühlt. Reich mir das Handtuch.” 

“Ist dir wieder warm, ja?”

Josephine fuhr herum. Erstaunt blickte sie in Johns Gesicht. Er trug ihr rotes Stiefelpaar in den Händen. Das gab ihr ein ganz mieses Gefühl.

“Was soll das? Was machst du in meinem Badezimmer?”, rief sie schrill aus. Er jedoch stellte in aller Ruhe die Schuhe vor dem Fußende der Wanne ab und trat dann gemächlich auf sie zu. 

“Ich wollte nur sehen, dass es dir auch wirklich wieder gut geht”, erklärte er. 

“Mir geht es ganz ausgezeichnet. Und jetzt verschwinde, ich will mich erst anziehen!” 

“Wieso denn plötzlich so schüchtern? Ich weiß doch, dass du dich mir gegenüber sonst auch nicht zurückhältst.”

“Ich weiß aber, was du vorhast!”, spie Josephine. 

“Was soll ich vorhaben? Du hast ja scheinbar nichts Unrechtes getan. Weißt du, Josephine. Ich wollte dich wirklich nicht bestrafen…”

“Das glaubst du doch wohl selbst nicht!”, rief sie zur Antwort. Er kam der Wanne langsam gefährlich nahe und in Ermangelung einer Alternative warf sie den nassen Schwamm nach ihm. Leider daneben.

“Mach nur so weiter”, brummte er düster. “Nein, als ich gesehen habe, wie elendig durchgefroren du bist, dachte ich, das sei dir Lehre genug. Aber deine Worte vorhin haben mir klar gemacht, dass du rein gar nichts begriffen hast und alles wieder genauso machen würdest.” 

“Gar nicht wahr!”, widersprach Josephine sogleich.

“Jeder hier umsorgt dich ja, nicht? Du hast uns alle in Angst und Schrecken versetzt und hättest dir den Tod holen können und dir ist das vollkommen gleich!” Sie presste die Lippen aufeinander. Selbst wenn, dachte sie nur. 

“Aber dein Handeln hat Konsequenzen. Dafür sorge ich.” Nun stand er genau vor der Wanne. Noch ehe sie etwas sagen konnte, packte er sie am Arm und stellte sie auf die Füße. Sie entzog sich seinem Griff, was, so glitschig wie ihre Haut gerade war, gelang, doch da packte er sie einfach an der Taille und hob sie so heraus. Sie strampelte und schaffte es, ihn nasszuspritzen, doch leider entkam sie ihm jetzt nicht mehr. Er stellte seinen Fuß auf dem Badehocker ab und beförderte sie tropfnass, wie sie war, über sein Knie. 

“Mir wird ja gleich wieder kalt!”, gab sie zu bedenken. “John, lass das gefälligst und trockne mich wenigstens ab!” 

“Keine Sorge. Gleich wird dir wieder warm”, versprach er und feuerte seine Hand zum ersten Mal auf ihre glänzend nassen Pobacken. Ihr war, als würde das Klatschen im ganzen Gutshof wiederhallen. “AU!”, schrie sie und bäumte sich auf, da setzte er gleich den nächsten hinterher. Das tat ja wirklich gewaltig weh! 

“AUA!”, plärrte sie. “Nicht so feste!” Doch er machte unbeirrt weiter. Das brannte wirklich ungeheuerlich. Sie konnte sich gar nicht beherrschen, wimmerte, schrie, zappelte. Offenbar tat eine Strafe auf die nasse Haut noch sehr viel schlimmer weh als es das ohnehin schon tat, von ihm so kräftig verhauen zu werden. Bald war der Boden, auf den sie starrte, übersäht mit Wassertropfen. Jeder feste Hieb ließ sie auf seinem Schoß herumrutschen, doch seine Linke hielt sie gut im Griff, während er ihren Backen die versprochene Hitze verlieh. Endlich, als sie schon ganz aufgelöst war und sich schon ganz erschöpft vom durchgängigen Jammern und Autschen fühlte, machte er eine Pause. 

“So. Was habe ich dir noch gleich bezüglich der Schuhe gesagt, als du sie letzte Woche gekauft hast?”

“Dass ich sie nicht im Nassen oder im Schnee anziehen soll”, blubberte Josephine hervor. 

“Und was dachtest du, würde passieren, wenn du das missachtest?” Seine große Hand strich nun ihre noch immer feuchte Haut nach. 

“Mh”, machte sie “Wahrscheinlich sowas wie das hier.” Nur war es in ihrer Vorstellung nie so schmerzhaft wie die harte Realität. 

“Und was ist ‘das hier’?” Verdammt. Er zwang sie, es auszusprechen. Dabei verabscheute sie das doch so. Trotzig trommelte sie mit ihren nackten Füßen auf den Boden. 

“Du weißt schon… das ist gemein”, nörgelte sie. 

“Also schön”, sagte er schulterzuckend “Vielleicht kommst du ja noch drauf.” Zu ihrem Leidwesen war das sein Startschuss für die nächste Runde Hintern voll. Sie klammerte sich am seine Wade, als sie spürte, wie unerträglich doll es inzwischen auf ihren Backen brannte. ihre Beine flogen nur so durch die Luft.

“Moment, Moment!”, rief sie “Was war noch gleich die Frage?”

“Sei’s drum.” Endlich ließ John erneut die Hand sinken. “Was hast du denn gelernt?” 

“Meinem Ehemann hörig zu sein?!”, erwiderte sie sarkastisch. So ein Blödmann! Er wusste genau, wie sehr sie diese elendige Fragerei hasste.. 

Er gab ihr noch einen Klaps, der so kräftig war, dass er sie aufjapsen ließ, dann stellte er sie zurück auf die Füße, musterte sie kopfschüttelnd. “Unbelehrbar”, befand er und sie lächelte frech, als wollte sie sagen ‘Endlich hast du’s begriffen’. 

Sie sah zu, wie er sich über die pitschnasse Stoffhose wischte. 

“Du hättest mich wirklich vorher abtrocknen sollen”, sagte sie schelmisch, da griff er plötzlich nach etwas, was neben der Wanne auf dem Waschtisch lag. Ihre Augen wurden ganz groß, als sie die Badebürste in seiner Hand bemerkte.

“Alles, aber nicht damit verhauen!”, rief sie schrill. 

“Ich glaube, sie dient sogar sehr gut ihrem Zweck. Nämlich, deinem Sturkopf Herr zu werden.” Er klopfte mit dem großen Bürstenkopf in seine Handfläche. “Meine Güte, Josephine, heute juckt dir aber auch mal wieder das Fell.”

“Ich tanz nunmal nicht nach deiner Pfeife!”, rief sie und befühlte dabei ihre wunden Backen. Eigentlich war es wirklich genug. 

“Dann tanzt du eben im Takt der Badebürste”, erklärte John und erwischte sie gerade noch am Oberarm, als sie einen Hechtsprung in Richtung Tür machte. Ohne Umschweife klemmte er sie unter seinen Arm und holte aus, dann knallte der Bürstenkopf zum ersten Mal kräftig auf ihre ungeschützten, zwangsweise hochgereckten Backen, genau mittig. Sie schrie erschrocken auf. Verdammt, tat das weh! Doch er schien keinerlei Gnade mit ihr zu haben und wiederholte das Prozedere, jetzt rechts, links.

Nicht nur der Aufprall tat unheimlich weh, auch die Nachwirkung der Hiebe war nicht zu unterschätzen. Sie hing in seinem Arm, hüpfte von einem Bein auf das andere und flehte “Aufhören!” 

Doch er dachte gar nicht daran und gab ihr die nächste Salve kräftiger Hiebe. Links, rechts, mittig diesmal. Offensichtlich kostete es ihn einiges an Mühe, sie festzuhalten, so heftig strampelte sie dabei und die Ohren mussten ihm bei ihrem Wehgeschrei obendrein wegfliegen. Dennoch ließ er sich von einer dritten Runde gleichmäßiger Hiebe nicht abhalten. 

Sie war vollkommen aufgelöst und froh, dass er sie noch einen Moment in der hilflosen Lange in seinem Arm hängen ließ, ehe er sie auf die Füße zurück stellte. Josephine wischte sich die Tränen von den Wangen. Trotz war jetzt jedenfalls nicht mehr in ihrem Blick wiederzufinden. 

“Also?”, hakte er nach und sah sie eingehend an.

“Es tut mir leid, ich hätte diese blöden Schuhe nicht anziehen sollen und überhaupt… niemandem Kummer machen, du weißt schon”, nuschelte sie. 

Er nickte und besaß doch die Frechheit, großspurig “Es sei dir vergeben” zu sagen. Dann betrachtete er die Bürste in seiner Hand. “Was für ein überaus effektives Werkzeug. Vielleicht sollten wir das in die Sammlung aufnehmen.”

“Alles, bloß das nicht!”, flehte Josephine und befühlte nun verdammt vorsichtig ihre heißversohlten Backen. Sie würde morgen garantiert sehr schlecht sitzen. 

“Nein, du hast Recht. Das behalte ich mir für besondere Anlässe vor.” Er legte die Bürste beiseite und nahm ein Handtuch, das er um sie schlang. Sie autschte, als der Stoff sich um ihren Po berührte, ließ es sonst aber dankbar geschehen, ebenso wie die Umarmung.

“Morgen spannen wir die Pferde vor den großen Schlitten und gehen zusammen in den Schnee”, schlug Josephine vor, während sie sich fest an ihn kuschelte. “Aber mit den richtigen Schuhen.” 

Er grinste wissend und besiegelte dieses Versprechen mit einem kleinen Kuss. 

14 Kommentare zu „46. Schneegestöber (Der Privatlehrer)

  1. Wieder wunderschön! Ich mag Josephine, ganz besonders wenn sie ein bisschen frech und uneinsichtig ist. Und einen Po direkt nach einem Bad (oder einer Dusche) zu versohlen, ist auch in meinen Fantasien 😅.

    Erst dachte ich: Ist John nicht etwas überdramatisch, mit „du holst dir noch den Tod“? Aber dann ist mir klar geworden, dass in der Zeit, in der diese Reihe spielt, jede Erkrankung ernsthafte Konsequenzen hätte haben können.

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    1. Ja, das macht auf jeden Fall ihren Charakter aus, würde ich sagen. Es tut auch wirklich sehr viel mehr weh!

      Hihi, danke für diese Anmerkung. Es stimmt nunmal, zu dieser Zeit waren derartige Krankheiten um ein vielfaches dramatischer. Daran dachte ich beim Schreiben dann auch

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  2. Schön, es geht mit Josephine und John weiter! Auch hier wieder eine einfühlsam erzählte Geschichte, bei der alle wissen, worauf es hinaus laufen wird und nur Josephine es mal wieder gekonnt verdrängt.
    Dass John allerdings ihr Genuschel am Schluss zusammen mit der Wortwahl „blöde Schuhe“ durchgehen lässt, hätte ich nicht gedacht. Wird er so langsam weniger streng? Da hätte es doch früher noch eine Runde gesetzt!

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    1. Das stimmt, aber wir sind ihr natürlich auch einen Schritt voraus, weil wir nunmal wissen, dass es eine Spankinggeschichte ist 😀

      Naja, ich denke, ihm war wichtiger, dass sie ihren Fehler eingesehen hat und wusste, dass es ihr schwer über die Lippen geht. In dem Fall hat sie es ja nicht frech oder widerspenstig gemeint sondern war vor allem beschämt.
      Außerdem hat sich das Verhältnis der beiden seit früher natürlich geändert, als ihr Lehrer musste er gewisse Dinge einfach noch ein Stück straighter einfordern als im privaten Rahmen als ihr Verlobter. Weniger streng würde ich ihn dadurch nicht nennen.

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  3. Oh ich freue mich endlich wieder von Josephine und John zu hören! Es ist einfach absolut meine Lieblingsstory!

    Es ist wie immer lustig mit anzusehen, wie Josephine einfach nicht dazu lernt und sich immer in Sicherheit wiegt, obwohl sie es doch besser wissen müsste.

    John ist einfach mein Lieblingscharakter. Er wartet immer den richtigen Moment ab für die Bestrafung. Anstatt sie direkt auszuschimpfen bei ihrer Rückkehr, lässt er sie erst mal in Ruhe ankommen und sich erholen.
    Der Moment, wenn er Josephine im Bad überrascht, hat an Wirkung auf jeden Fall nicht verfehlt.
    Aber ich glaube auch er wird nachsichtiger mit ihr. Was vielleicht daran liegen mag, dass er nicht mehr der Lehrer sondern ihr Verlobter ist.
    Ich mochte seine Unnachgiebigkeit, als er der Privatlehrer war, immer am meisten an ihm. Liebevoll aber bis zum Schluss konsequent.

    Vielen Dank für ein weiteres wunderbares Kapitel!

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    1. Das ist schön, höre ich gerne!

      Josephine ist so ein Sturkopf und in vielem unbelehrbar 😀

      Ja, es wäre einfach nicht passend gewesen, sie direkt bei Ankunft zu bestrafen. Sie soll ja erst einmal körperlich wohlauf sein.
      Konsequent ist und bleibt John Josephine gegenüber, aber natürlich verändert sich ihre Dynamik auch durch das veränderte Verhältnis zueinander.

      Sehr gerne!
      glg

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  4. Eine wunderschöne und weihnachtliche Geschichte. Ich konnte es mir richtig gut vorstellen, wie schön die Landschaft im Schnee aussieht. Das John etwas milder ist, finde ich schon passend, freue mich aber, dass er trotzdem noch Konsequent sein kann. Ob Josephine allerdings so viel Spaß an einer Kutschfahrt hat, nachdem ihr Po doch ganz schön was abbekommen hat, wag ich mal zu bezweifeln :).

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    1. Schön, genau das war auch mein Ziel. Ich will mit den Adventsgeschichten so viel Weihnachts/Winterstimmung wie möglich verbreiten 😀

      Ob er jetzt wirklich milder zu ihr ist, nur weil er einen Satz nicht nochmal klar und deutlich eingefordert hat, ist diskutierbar, wie ich finde. Er hat ihr ja keinen Teil der Strafe erlassen oder so.
      Nein, die Kutschfahrt wird bestimmt kein Spaß! 😀

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  5. Ob wir wohl auch noch weiße Weihnachten bekommen? Zumindest nach einer Schnellballschlacht ist ein Po voll doch neben einer warmen Dusche eine gängige Methode sich aufzuwärmen 😀 Aber auf einem nassen Hintern zwiebelt es wirklich unfassbar fies…

    Mir geht es tatsächlich genau anders herum als den meisten. Früher fand ich die Strafen teils unbarmherzig, inzwischen hat das für mich ein schönes Level. Kräftig und keine Witzveranstaltung, aber durch ihre Frechheit steuert Phine das ganze auch mit. Aber da sind Phantasien schließlich unterschiedlich 😉

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    1. Also der Wetterbericht spricht eher dagegen… schön wäre es natürlich!

      Haha, so so, ist sie das, gängig?

      Interessant zu hören, ja, die Geschmäcker sind eben unterschiedlich, da sagst du was. Und es stimmt, Josephine kann durchaus mitsteuern und tut es unbewusst wohl auch 😉

      glg

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  6. Mit jeder neuen Adventsgeschichte fühle ich mich besser auf Weihnachten eingestimmt. Wie schön, dass mit jeder neu entfachten Kerze auch ein frischer Hintern zu glühen beginnt. Vielen Dank dafür!

    Herzliche Grüße

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  7. Die Geschichte war sehr winterlich und stimmungsvoll. Vor allem die übermütige Freude über den Schnee zu Beginn hat mir gefallen
    Wenn man so sehr darum bettelt, darf man sich gerade bei John nicht wundern, wenn am Ende der Hintern brennt.

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  8. Hey, es ist schon solange her, dass ich eher zufällig mal auf deine Seite stieß und ein paar deiner Geschichten las. Wobei ich mich nur noch ganz dunkel an ein paar Episoden von Josie in Texas erinnere, die wohl ein tieferes Verhältnis zu einem Paddel pflegte. ^^ Viel klarer aber, an diese Fortsetzungsgeschichte hier, mit der zu Beginn noch so arg verzogenen Gutsherrentochter und ihrem Privatlehrer wider Willen, der scheinbar nur für sie, direkt aus der Hölle entstiegen zu sein schien, nur um einem blutjungen Teufelchen etwas Manieren und Disziplin beizubringen. In ihrer Haut hätte bestimmt kein anderes Mädchen stecken wollen, aber wer weiß das schon so genau? *g. Ich gebe zu, ich hatte sie nicht weiter verfolgt.
    Ich brauchte eine Weile, um zu realisieren, dass diese Episode an jene Reihe anknüpft. Es ist aber wirklich eine süße Adventsepisode

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    1. Hey, kein Problem für die Verwechslung, jetzt müsste alles passen.
      Normalerweise markiere ich ja auch, welche Geschichte zu welcher Reihe gehört. Diese habe ich für die Adventsreihe quasi separat gehalten um auch ein wenig Überraschung einzubringen. Jetzt im Nachhinein könnte ich es durchaus noch markieren.

      Deine Beschreibung hat mich jedenfalls zum Grinsen gebracht 😀 wer weiß, ich habe hier und da schon ganz andere Dinge gehört… durchaus möglich, dass sich die eine oder andere Leserin genau so viel Strenge wünscht.

      Ah, na gut, je nachdem wo du aufgehört hast, dürfte diese Episode vielleicht sehr verwirrend sein. Freut mich, dass sie dir dennoch gefallen hat.

      danke für deinen lieben Kommentar
      glg

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