7. Reinigendes Gewitter (Der Privatlehrer)

a/n: An dieser Stelle ein etwas „entspannteres“ Kapitel nachdem es im letzten dieser Reihe ja schon recht hart herging. Hoffe es gefällt.

Noch nie war es Josephine so schwer gefallen, still zu sitzen wie heute morgen und noch nie war ihr so wichtig gewesen, es dennoch zu tun.

Nicht nur ihr Po tat weh, durch die durchgestriemtem Schenkel war es noch schwerer, eine bequeme Sitzposition zu finden. Und auch zwischen ihren Beinen war das Jucken und Brennen nicht ganz verschwunden, am liebsten hätte sie sich ins Höschen gegriffen und mal kräftig gekratzt, aber damit hätte sie sich wohl nur noch mehr Verletzungen zugefügt. Sie hatte sich gestern noch im Spiegel betrachtet, die zahlreichen roten Striemen und zu ihrem Schrecken auch viele, dicke Pusteln in ihrem Intimbereich. An irgendwelche sexuelle Abenteuer wäre so nicht im Traum zu denken, selbst wenn die Gertenhiebe sie nicht schon genug abgeschreckt hätten.

Doch behielt Mr. Buchanan recht, ihr Po sah sehr schlimm aus, aber nicht so schlimm wie sie nach diesem Maß an Schmerzen gestern nacht erwartet hätte. Das wunderte sie, denn die Hiebe mit der Gerte hatte sie als ebenso gemein empfunden wie sonst den bösen Stock und auf dessen Striemen saß man noch ewig.

Heute jedenfalls wäre ihr erster Tag als Musterschülerin. Sie wollte um jeden Preis, dass Mr. Buchanan nicht mehr böse mit ihr war. Dass er ihr auch nur den Hauch ihrer Strafe erließ, war wohl undenkbar. Darum ging es nicht. Aber dass sie ihn so sehr enttäuscht hatte, saß wirklich tief.

„Josephine“, wandte sich ihr Hauslehrer an sie.

„Das ist deine Geographie-Abfrage. Welche sind die drei längsten Flüsse Englands?“

„Die Themse. Severn und River Trent, Sir“

„Die drei größten Städte?“

„Das sind London, Birmingham und Manchester, Sir“

„Nenne die Nachbarländer von Portugal.“

Das alles kam so aus der Pistole geschossen, dass ihr nicht viel Zeit zum Denken blieb. Er wollte wohl mit Absicht, dass sie versagte. Auch sah er sie gar nicht wirklich an. Er machte sich stattdessen Notizen auf seinem Papier.

„An Portugal grenzt nur Spanien, Sir.“ Sie versuchte seinen Blick zu erhaschen, aber keine Chance. Und sie konnte ihn ja nicht mal ansprechen oder ihm eine Frage stellen, weil sie dann gleich wieder eine der Regeln brechen würde.

„Die Hauptstadt von Schottland?“ Das wusste sie, aber wenn er sie ansehen sollte, musste sie vielleicht mal falsch antworten.

„Ich denke es ist Glasgow, Sir“

„Falsch. Es ist Edinburgh. Notier dir das.“ Sie nahm also ihre Feder zur Hand und schrieb es brav auf, sah dabei die ganze Zeit über zu ihm.

„Auf welchem Kontinent liegt Indien?“

Also gut, mit falschen Antworten kriegte sie ihn nicht, dann vielleicht mit extra falschen? „Amerika, Sir? Ich weiß nicht genau.“

Endlich, ein Blick von ihm. Einer, als würde er sie gerne schnappen und aus dem Fenster werfen, aber immerhin.

„Überleg bitte noch einmal.“, sprach er schlicht.

„Ich denke es ist Asien, Sir und darf ich bitte etwas sagen?“ Ha, hatte sie so nicht clever, die ‚Ich darf nur sprechen wenn man mich auffordert‘-Regel umgangen?

„Geht es dabei um Geographie, Josephine?“

„Es geht dabei um gestern, Mr. Buchanan.“

„In diesem Fall kann ich dir nur sagen dass du dich besser auf den Unterrichtsstoff konzentrieren solltest“

Sie sah ihn flehend an, doch er führte schlicht die Abfrage fort. Innerlich seufzend beantwortete sie die Fragen nun also wieder richtig. Geographie war ihr Steckenpferd, aber dennoch war es ziemlich trostlos.

Tatsächlich überstand sie die Zeit bis zur ersten Pause ohne einen einzigen Rohrstockhieb. Dabei hätte er heute nicht mal gewusst, ob sie mit den Augen rollte oder zu ihm oder der Tafel blickte, denn er sah sie ja nicht an. Sie wurde von Minute zu Minute frustrierter.

Dabei hatte er sie doch schon verprügelt und das ziemlich schlimm, hatte ihm das denn gestern kein bisschen Genugtuung gegeben? Während sie das Fenster öffnete, um etwas frische Luft hineinzulassen, verließ er wortlos das Zimmer. Nein, wer benahm sich denn jetzt wie ein kleines Kind?!

Sie suchte krampfhaft nach einer Lösung. Eine Musterschülerin sein lockte ihn nicht aus der Reserve. Aber er hatte sie noch nie versohlt ohne ihr dabei seine Predigten schlimmer aufs Ohr zu drücken als der Pfarrer am Sonntag. Es war zwar mit dem hart gestriemten Po, der später ja schon wieder nachbearbeitet werden würde sicher keine gute Idee einen Hintern voll zu riskieren aber des lieben Friedens Willen war sie bereit, einiges einzustecken. Sie wollte ihren Mr. Buchanan von letzter Woche wieder, der ihr liebevolle Strenge entgegenbrachte, nicht diese kalte Schulter.

Krampfhaft überlegte Josephine. Es musste etwas sein, was ihn aus der Haut fahren ließ, aber nicht allzu schlimm war. Etwas um die Ecke vom Fenster, an den Efeuranken saß ein Maikäfer. Die hatte sie als Kind immer mit den Händen gefangen. Etwas weiter, als noch sicher für sie war, beugte sie sich aus dem Fenster und schnappte sich mit einem beherzten Griff den Maikäfer, hielt ihn in beiden Händen fest. Aber wohin nun damit? Immerhin sollte auch deutlich werden, dass er sich nicht nur verirrt hatte, sondern der Streich von ihr stammte.

Behutsam brachte sie den Käfer zum Lehrerpult und öffnete dort mit dem kleinen Finger die Schublade, gab sich dabei die beste Mühe, den Käfer nicht zu zerquetschen. Mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand hob sie ebenso langsam seine Schreibfeder aus dem Tintenfass und beförderte sie in das Schubfach. Den Käfer ließ sie los, damit er hinein flog, dann schloss sie die Schublade hastig wieder.

Keinen Moment zu spät, denn es näherten sich Schritte dem Klassenraum. Hastig nahm sie wieder auf ihrer Sitzbank ab und schrie dann schmerzlich auf. Das plötzliche Hinsetzen war wirklich keine gute Idee gewesen.

Es war allerdings gar nicht Mr. Buchanan, sondern eine Magd, die ihr etwas zu trinken für ihre Pause brachte. Josephine bedankte sich freundlich, wenn sie sich auch schämte, dass sie mit Sicherheit ihren Schrei gehört hatte.

Erst als die Uhr über der Tafel anzeigte, dass die Pause jeden Moment vorbei war, betrat ihr Lehrer wieder den Raum. Sie lächelte bereits ein wenig und sprach fröhlich „Guten Mittag, Sir.“

„Guten Mittag, Josephine“, erwiderte er ohne sie anzusehen und begann etwas an die Tafel zu schreiben. Oben fand sie die Aufgabenstellung, sie sollte einen Aufsatz über ein Gedicht von Emily Bronté schreiben und gerade übertrug er das Gedicht von einem dicken Buch auf die Tafel. Immerhin war es wohl das gewesen, was er in der Pause geholt hatte. Vielleicht ging er ihr ja nicht aus dem Weg und sie sah das zu eng. Satz für Satz landete auf der Tafel und bei jedem wurde ihr ein wenig unwohler.

Stark steh ich hier, hab wohl erlitten
Wut, Haß und Hohn — ein bittres Weh
Stark steh ich, lache, wenn ich seh
Wie alle Welt mit mir gestritten

Mächtiger Schatten, wie ist mir
Verhaßt die ganze Menschelei
Befrei mein Herz, den Geist befrei
Wink mir und ich folge dir

Irrgeleitet dummes Ding,
Denk nicht von der Welt gering
Sonst sinkst du niedrige Kreatur
Tief unter andre Würmer nur

Elende — in Vermessenheit
Fragst du frech mich um Geleit
Mit Bescheidenen will ich gehen
Übermütige laß ich stehen

Okay… oder auch nicht. Mit dem Gedicht wollte er ihr wohl eindeutig etwas sagen. Eine Lektion in Überheblichkeit erteilen? Wenn sie sich nicht besserte, käme sie in die Hölle? Nette Botschaft. Sie seufzte, zum Glück schien er das gerade nicht zu bemerken. Er nahm Platz und sprach zu ihr „Fang an, du hast eine Stunde Zeit.“

„Ja, Sir“, erwiderte sie und beobachtete neugierig, wie er ins Leere griff, als er seinen Federkiel nehmen wollte.

„Hast du meinen Federkiel genommen, Josephine?“

Das war ihre Steilvorlage. „Natürlich nicht, Sir. Vielleicht liegt er ja in Ihrer Schublade.“

Als er diese öffnete, flog ihm der Käfer tatsächlich ins Gesicht, ehe er ihn mit viel Gewedel und unfreiwilliger Komik aus dem Fenster gescheucht bekam. Josephine schüttelte sich vor Lachen, es sah aber auch zu ulkig aus. Sie hatte sich schon von ihrem Platz erhoben und war hinter der Bank in Deckung gegangen. Er sollte sie zwar übers Knie legen, aber so leicht würde sie es ihm heute nicht machen.

„Oh das ist nicht dein Ernst!“, fuhr er sie an, allerdings sah er fast ein bisschen aus, als müsste er sich selbst das Lachen verkneifen.

Sie grinste. „Nein, das war ein Streich, Sir.“

„Du kommst sofort her, haben wir uns verstanden?“

„Ich denke nicht.“ Und schon flitzte sie los, einmal quer durch den Raum, beim ersten Versuch erwischte er nur den Saum ihres Rockes, beim zweitem Mal jedoch kriegte er sie direkt an der Taille zu fassen und klemmte sie sich sogleich unter den Arm.

„Was soll der Unsinn, huh?“

Sie strampelte spielerisch. „Ich schätze, wenn man sich wie ein kleines Kind benimmt, sollte man auch wie eines übers Knie gelegt werden.“

Er hob eine Braue, als er hinab in ihre grünen Augen blickte.

„Ich soll dich übers Knie legen? Seit wann findest du denn Gefallen daran?“

„Finde ich nicht“, antwortete sie ehrlich und sah ihn dabei unverwandt an. „Ich dachte nur, wenn Sie mich versohlen, sind Sie mir danach nicht mehr so böse. Wie eine Art reinigendes Gewitter.“

„Reinigendes Gewitter, so so.“ Immerhin, er schien darüber nachzudenken. „Für den Streich werde ich dich jetzt so oder so bestrafen müssen.“ Er schleppte sie unterm Arm mit zu seinem Stuhl und nahm darauf Platz, legte sie über seinen Schoß und krempelte die Röcke hoch. Sie selbst zog sich die Unterhose herunter. Über seinem Knie statt auf dem Strafbock. Nach gestern fühlte sich das wirklich wie eine Erleichterung an.

Sie biss sich auf die Unterlippe und warf ihm einen Blick zu, dann ließ er auch schon seine flache Hand auf ihren Hintern klatschen. Sie zuckte auf. Autsch!

„Hast du es dir so vorgestellt, ja?“

„Mhm… vielleicht nicht ganz so schmerzhaft… aber so ungefähr“ Sie kniff die Augen zu als er die Hand auf ihre andere Backe sausen ließ. Das war nun wirklich nicht mit den Gertenhieben vergleichbar, aber angenehm war etwas anderes, vor allem nicht auf ihrem lädierten Po. Als seine Hand sich zum nächsten Mal erhob begann sie in einem raschen Tempo kräftig durchzuklatschen. Sie konnte sich ein paar Aua- und Autsch- Rufe nicht verkneifen und zappelte auch ein wenig, aber wenigstens brachte sie das nicht zum Heulen. Das Zappeln war nicht so gut, denn es ließ ihre wunde Weiblichkeit noch etwas mehr brennen, also versuchte sie dann doch, es zu lassen.

Er patschte noch einmal auf jede Backe, dann ließ er es gut sein.

Wieder sah sie zu ihm hinauf. Sie fühlte sich jetzt schon viel, viel besser. Er schien etwas lockerer und nicht mehr ganz so wortkarg. Das war den jetzt wieder frisch brennenden Hintern wert gewesen.

Umständlich kletterte sie wieder auf die Füße, ihre Röcke rutschten dabei herunter. Die Unterhose hing irgendwo um ihre Knöchel herum, aber gerade war es ihr egal.

„Sir, darf ich Sie umarmen… bitte?“

„Eigentlich hast du das nicht verdient“, erwiderte er etwas grimmig, dann aber die Winzigkeit eines Kopfnickens und sie schlang fest die Arme um seinen Hals. Ungewohnt fühlte sich das an wenn er saß und sie stand, aber auch sehr, sehr gut.

„Mr. Buchanan, es tut mir wirklich leid. Das sag ich nicht weil mein Po brennt oder die Strafe so streng war“, beteuerte sie leise an sein Ohr. Er rückte sie nun wieder etwas von sich ab und sah sie an, damit sie weitersprach.

Jetzt begann sie doch wieder zu weinen, sie war wirklich so ein Baby. „Ich hab die Strafe verdient, Sir. Wegen Peter…. und vor allem wegen Ihnen. Was ich getan habe war wirklich dumm und leichtsinnig und ich hab nicht über die Konsequenzen nachgedacht bis es fast zu spät war und dann hab ich mich so erschrocken… und ich hätte auch nicht lügen dürfen, ich hatte Angst vor Ihrer Strafe und das war auch kindisch weil ich sie ja verdient habe und dann hat Peter es abbekommen. Ich wollte Sie nicht ausnutzen, Sir. Aber Sie haben sich so für mich eingesetzt und… ja, ich hatte auch böse Gedanken und wollte es Peter heimzahlen. Aber Sie sind ganz bestimmt kein Werkzeug, ich hab nicht genug nachgedacht und mich einfach verleiten lassen, das bereue ich mehr als alles andere“, beteuerte sie.

Er hatte sie bei ihrer Ansprache die ganze Zeit über angesehen und nun, da sie fertig war, erhob er sich von seinem Stuhl und nahm sie seinerseits in den Arm.

Sie heulte jetzt noch kräftiger als zuvor und drückte sich erleichtert an ihn, weil nun er auch sie festhielt. Als sie eine ganze Weile so gestanden hatten, löste Mr. Buchanan die Umarmung.

„Nur zu deiner Information, die Strafe hätte ich ohnehin nicht gemildert, egal wie gut deine Entschuldigung auch sein mag. Aber gut zu hören dass du sie für angemessen hältst“ Er gab ihr noch einen Klaps.
„Na los, ab auf deinen Platz, junge Dame, du hast ein Gedicht zu interpretieren.“

„Ja, Sir.“ Am Platz angekommen zog sie ihre Unterhose wieder hoch und nahm dann Platz. Sie verzog dabei nur ein bisschen das Gesicht. Ein wunder Hintern konnte ihre Laune heute nicht mehr trüben. Wenigstens das eine Mal war ein dummer Streich zu etwas gut gewesen.

Gedicht: Emily Bronte, 1837

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